Krieg in Europa: Angriff Russlands auf die Ukraine

josef

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#61
Die Gräuel des Krieges...
Bildbericht bei "Die Presse" zum russischen Kampfpanzer T-72:


In der Ukraine sind Panzer seiner Art im echten Einsatz. Hier Einheiten der prorussischen Donbass-"Republiken" nahe Mariupol. Polen und Tschechien haben dem ukrainischen Heer mindestens 250 T-72 geschenkt.
REUTERS


Da geht es dann nicht mehr ums Anschauen und das Museale, sondern um Leben und Tod. Auch für diesen ukrainischen Panzerfahrer.
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Die Gefechte sind real, die Kanonen schießen scharf. Es wird gestorben. Es ist Krieg.
REUTERS


Und so kann das Ende aussehen: Reste eines T-72 bei Kiew, der Turm wurde durch die Explosion von Munition im Inneren abgesprengt. Es sind leider häufige Bilder in diesen Tagen.
APA/AFP/SERGEI SUPINSKY
(Der russische T-72-Kampfpanzer im Bundesheer)

Querverweise zu:
Russischer T-72 Kampfpanzer beim ÖBH in Zwölfaxing

und zu
Nischni Tagil : "Das größte Panzerwerk der Welt"
 

josef

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#62
NACH LUHANSK
Front im Süden gewinnt an Bedeutung
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Mit der Einnahme von Lyssytschansk und damit praktisch der gesamten Region Luhansk haben die russischen Truppen in der Ukraine einen Zwischenerfolg erzielt – allerdings sehr lange dafür gebraucht und auch einen hohen Preis bezahlt. Dass nun die verbleibenden ukrainischen Städte im Oblast Donezk ins Visier genommen werden, gilt als logisch. Doch die Ukraine könnte mit ihrer Gegenoffensive im Süden die russischen Pläne durchkreuzen.
Online seit gestern, 22.54 Uhr
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Nun wird erwartet, dass die russischen Truppen ihren Feldzug Richtung Westen in der Oblast Donezk fortsetzen – mit den Zielen Kramatorsk, Bachmut und Slowjansk. Der Raum Slowjansk/Kramatorsk ist der größte Ballungsraum im Donbas, der noch unter Kontrolle Kiews steht. Slowjansk ist auch das Zentrum der ukrainischen Verteidigungskräfte im Donbas.

Doch ist nun unklar, wie schnell es weitergehen soll. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, russische Soldaten, die an der Eroberung von Luhansk beteiligt waren, sollten sich nun erst einmal „ausruhen“, um Kräfte für weitere Kämpfe zu sammeln. Das gilt als Indiz dafür, dass sich die russischen Truppen neu organisieren müssen – und dass die wochenlange Schlacht um die Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk auch bei den russischen Truppen viele Opfer gefordert hat.

Verschnaufpause für beide Seiten
Allerdings tobten auch in den vergangenen Tagen schwere Kämpfe an den Frontabschnitten in Donezk. Zudem verstärkten die russischen Truppen zuletzt den Artilleriebeschuss auf Slowjansk. Unklar ist aber, wann auf das Dauerfeuer tatsächlich auch Gebietsgewinne folgen. Denn bisher konnten die ukrainischen Truppen die russischen Vorstöße abwehren.

APA/AFP/Miguel Medina

Slowjansk meldete in den vergangenen Tagen schweren Artilleriebeschuss
Der Sieg in Lyssytschansk sei für die russische Seite vor allem wichtig gewesen, um das Narrativ zu erheben, die Dynamik im Krieg sei jetzt auf der Seite Russlands, schreibt der britische Militärhistoriker Lawrence Freedman. Je länger man jetzt aber zuwarte, desto eher schwinde diese Dynamik aber wieder.

Zudem gibt es der Ukraine Zeit, sich nach den schweren Kämpfen und hohen Verlusten ebenfalls neu aufzustellen – möglicherweise auch mit neu eingetroffenen Waffensystemen. Schon jetzt häuften sich zuletzt Berichte, wonach Munitionslager in russischen besetzten Gebieten getroffen wurden. Vermutet wird, dass dabei die Mehrfachraketenwerfer HIMARS eingesetzt wurden, von denen die Ukraine zuletzt vier Systeme von den USA erhalten hatte. Russland behauptete, zwei Raketenwerfer zerstört zu haben.

Russischer Ultranationalist mit scharfer Kritik
Militärexperte Freedman verweist, wie auch der US-Thinktank Institute for the Study of War mehrmals in den täglichen Lageanalysen, auf Ausführungen von Igor Girkin, Kampfname Strelkow, dem ehemaligen militärischen Anführer der „Volksrepublik“ Donezk. Der Ex-Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes FSB gilt als Ultranationalist – und kritisiert den Kreml seit Beginn des Kriegs, mit zu gelinden Mitteln und falscher Strategie in der Ukraine vorzugehen.

Er meinte auf Telegram, dass die russischen Streitkräfte einen zu hohen Preis für einen begrenzten Gewinn in Lyssytschansk gezahlt hätten. Nun sei das „Offensivpotenzial“ der dort kämpfenden Einheiten erschöpft. Ohne frische Reserven und Nachschub an Waffen seien keine nennenswerten Gebietsgewinne mehr zu erwarten, prognostizierte er – und plädierte erneut für eine Generalmobilmachung in Russland.

Reuters/Gleb Garanich
Die Kämpfe im Donbas gehen nun im Oblast Donezk weiter

Gegenoffensive bei Cherson nimmt Fahrt auf
Und bereits Ende Mai hatte Girkin vor einer Schwachstelle im Süden gewarnt, die nun tatsächlich den Kriegsverlauf verändern könnte. Er befürchtet eine Gegenoffensive, die sich eben vor allem gegen Stellungen richtet, die von Reservisten gehalten werden, allen voran die Stadt Cherson. Diese Gegenoffensive der Ukraine hatte in den vergangenen Tagen tatsächlich mehr Fahrt aufgenommen. NASA-Bilder, die Brände abbilden, zeigen einen deutlichen Anstieg der Gefechte an dieser Front.

Auch andere Militärexperten verweisen darauf, dass die Ukraine hier die Gunst der Stunde nutzen könnte. Die ukrainischen Truppen seien zuletzt schon sehr nah an die von Russland besetzte Stadt Cherson herangekommen.

Russland muss Truppen ausbalancieren
Der australische Ex-General und Militärexperte Mick Ryan schreibt für den „Sidney Morning Herald“ und auf Twitter, dass Russland sich quasi in einem Dilemma befinde: Es müsse sich entscheiden, wie man die Truppen im Süden und im Osten ausbalanciere. Entweder man konzentriert sich auf den weiteren Vormarsch in den verbliebenen Donbas-Gebieten – oder man verstärkt die Verteidigung im Süden. Dass die russische Armee mit mehreren Fronten eher Probleme hat, konnte man in den ersten Wochen des Krieges beobachten.

Auch der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch sprach das in einer Videobotschaft zuletzt ganz offen aus: Die Einnahme der beiden letzten Städte in der Region Luhansk bedeute, dass 60 Prozent der russischen Streitkräfte im Osten gebunden seien und es für Russland schwierig sei, sie in den Süden zu verlegen, so Arestowytsch.

Sabotageakte in besetzten Gebieten
Ob eine Gegenoffensive im Süden des Landes möglich sei, hänge auch von den zugesagten westlichen Waffenlieferungen ab, mit denen die Schlagkraft der ukrainischen Streitkräfte erheblich erhöht werden soll. Für die Ukraine geht es bei der Front im Süden auch – wenn auch erst in weiterer Folge – wieder um den Zugang zum Meer.

Ryan wie auch das Institute for the Study of War führen zudem ins Treffen, dass in den von Russland besetzten Gebieten im Süden zuletzt immer wieder Sobotageaktionen bekanntwurden. So wie eine Eisenbahnbrücke zwischen Melitopol and Tokmak, um den russischen Nachschub zu stören. Ein Zug mit Munition sei vor wenigen Tagen nahe Melitopol zum Entgleisen gebracht worden.

Gegenangriff mit welchen Mitteln?
Völlig offen ist allerdings, mit welcher Strategie die Ukraine vorgeht, wenn sie in der Offensive Gebiete zurückerobern will. Russland zu imitieren und zunächst mit Artillerie alles in Schutt und Asche zu schießen, werde es wohl nicht sein, meint Militärexperte Freedman. Cherson sei bereits in Artillerieschussweite der ukrainischen Truppen, aber logischerweise will man Stadt und Bevölkerung verschonen. Die Angriffe müssten also sehr gezielt gegen die russischen Besatzer gerichtet sein – und das sei wohl keine ganz leichte Aufgabe für die ukrainische Armee, die bisher fast nur in der Rolle der Verteidiger war.
07.07.2022. ckör, ORF.at

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Nach Luhansk: Front im Süden gewinnt an Bedeutung
 

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#63
„NÄCHSTE PHASE“
Erste Ukrainer zur Militärausbildung in GB
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Großbritannien hat ein neues Programm zur militärischen Ausbildung tausender Ukrainer für den Krieg gegen Russland gestartet. Eine erste Gruppe von insgesamt bis zu 10.000 unerfahrenen Freiwilligen aus der Ukraine sei in Großbritannien eingetroffen und habe bereits erste Übungen absolviert, teilte das britische Verteidigungsministerium am Samstag mit.
Online seit gestern, 23.32 Uhr
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Das mehrwöchige Militärtraining basiert auf der britischen Grundausbildung für Soldaten und umfasst den Umgang mit Waffen, erste Hilfe auf dem Schlachtfeld, militärische Taktik und Kriegsrecht. Knapp über tausend britische Soldaten werden laut „Guardian“ zur Durchführung des Programms eingesetzt, das an vier nicht genannten Standorten des Verteidigungsministeriums im Nordwesten, Südwesten und Südosten des Vereinigten Königreichs stattfinden wird.

„Das ehrgeizige neue Ausbildungsprogramm markiert die nächste Phase britischer Unterstützung für die ukrainischen Streitkräfte in ihrem Kampf gegen die russische Aggression“, erklärte Verteidigungsminister Ben Wallace. Im Zuge der „Operation Orbital“ hatte Großbritannien bereits nach der russischen Annexion der Krim zwischen 2015 und 2022 rund 22.000 ukrainische Soldaten ausgebildet.

AP/Louis Wood
Das Schulungsprogramm basiert auf der britischen Grundausbildung für Soldaten

„Führend bei der Bereitstellung von Hilfe“
Die britische Regierung hat britischen Medienberichten zufolge für die nun angelaufene Ausbildung auch AK-Sturmgewehre beschafft, „damit die ukrainischen Soldaten mit den Waffen trainieren können, die sie an der Front einsetzen werden“. Die britische Miltiärhilfe umfasst unter anderem auch die Lieferung von mehr als 5.000 Panzerabwehrwaffen sowie Mehrfahrraketen-Systemen an die Ukraine.

Großbritannien investierte bisland rund 2,3 Milliarden Pfund (2,7 Mrd. Euro) in die Miltitärhilfe für die Ukraine. In der offiziellen Summe sind Waffenkäufe enthalten, nicht aber die logistische Unterstützung, die Großbritannien parallel dazu angeboten hat, wie das britische Verteidigungsministerium erklärt.

Übertroffen wird die Summe der für die Unterstützung von Kiew eingesetzten Gelder nur von den USA. Diese haben seit Kriegsbeginn nach eigenen Angaben Waffen und Ausrüstung im Wert von 7,3 Milliarden US-Dollar zugesagt oder bereits geliefert. „Großbritannien hat sich unter den Verbündeten und Partnern als führend bei der Bereitstellung von Hilfe für die Ukraine erwiesen“, wie der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Anton Semelroth, zuletzt dazu erwähnte.

Ausbildungsprogramm auch in den USA
Ausbildungsprogramme für ukrainische Miltitärangehörige gibt es indes auch von den USA, etwa für hochrangige ukrainische Offiziere in Fort Leaventworth im US-Bundesstaat Kansas. Der Militärstützpunkt, dessen umliegende Landschaft mit seinen weitläufigen Weizenfeldern mit dem Donbas im umkämpften Osten des Landes vergleichbar sei, sei laut BBC allerdings bereits seit Jahrzehnten Ausbildungsort für internationale und damit auch ukrainische Soldaten.

Die USA wollen die Ukraine indes auch mit neuen Waffenlieferungen im Wert von rund 400 Millionen US-Dollar (393,58 Mio. Euro) unterstützen. Zu dem neuen Paket gehören vier Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars, 1.000 hochpräzise 155-Millimeter-Artilleriegeschoße, Radargeräte zur Artillerieaufklärung und Ersatzteile, wie eine hochrangige Vertreterin des US-Verteidigungsministeriums am Freitag sagte.

Mit den neuen US-Raketenwerfern verfügen die ukrainischen Streitkräfte dann über zwölf HIMARS-Systeme. Angaben des russischen Militärs, zwei Exemplare zerstört zu haben, wies die Pentagon-Vertreterin zurück. Alle an die Ukraine gelieferten HIMARS seien weiterhin im Einsatz. Bisher haben die USA der Ukraine seit Kriegsbeginn damit nach eigenen Angaben Waffen und Ausrüstung im Wert von 7,3 Milliarden US-Dollar zugesagt oder bereits geliefert.
10.07.2022, red, ORF.at/Agenturen

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„Nächste Phase“: Erste Ukrainer zur Militärausbildung in GB
 

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#66
Verstärkte Kämpfe in Ostukraine erwartet
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Im Osten der Ukraine zeichnet sich eine Verstärkung der russischen Angriffe ab. Sie wurden nicht nur von Russland angekündigt, Beobachter und die Ukraine selbst sehen bereits erste Anzeichen dafür. Am Samstag bestätigte Moskau einen Raketenangriff auf die ukrainische Millionenstadt Dnipro, es gab zahlreiche Tote auch bei weiteren Angriffen. Aus London hieß es unterdessen, Moskau übertreibe bei den eigenen Erfolgen.
Online seit gestern, 19.36 Uhr
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Am Samstag ordnete Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu bei einer Truppeninspektion eine Verstärkung der Angriffe in der Ukraine an. Damit solle verhindert werden, dass die Regierung in Kiew mögliche massive Raketen- und Artillerieeinsätze auf zivile Ziele im Donbas und in anderen Regionen starten könne, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums. Allerdings nimmt Russland selbst zivile Infrastruktur und die ukrainische Bevölkerung ins Visier, Tausende Menschen sind im Zuge des russischen Angriffskrieges getötet worden.

Hinweise für eine Verstärkung der Kämpfe sahen auch die Militärexperten des in den USA angesiedelten Institute for the Study of the War (ISW). Es gebe Anzeichen, dass die russischen Truppen die Verschnaufpause beendeten, die sie nach der Einnahme des Ballungsraums Sjewjerodonezk/Lyssytschansk eingelegt haben, hieß es in der Analyse des ISW am Samstag. Für den Fall erwarte man verstärkte Angriffe binnen der kommenden 72 Stunden. Derzeit handle es sich noch um kleinere Gefechte.

Der Generalstab in Kiew teilte unterdessen mit, die Ukraine habe in den vergangenen 24 Stunden russische Sturmversuche in Richtung Bachmut und vor Donezk abgewehrt. Bereits zuvor hat der Generalstab mitgeteilt, dass die russischen Streitkräfte nach einer Umgruppierung ihrer Kräfte die Angriffe im Osten des Landes wieder verstärkt hätten. Ziele waren am Samstag unter anderem Tschuhujiw im Nordosten und Nikopol im Südosten des Landes.

Zahlreiche Tote bei russischen Angriffen
Bei dem Luftangriff auf Tschuhujiw in der Region Charkiw seien drei Menschen getötet worden, teilte der Gouverneur der Region auf Telegram mit, drei weitere wurden verletzt. Mindestens drei Tote gab es auch in Dnipro, dazu über ein Dutzend Verletzte. In Nikopol wurden nach Angaben des dortigen Rettungsdienstes und des Regionalgouverneurs zwei Menschen getötet.

Freitagabend war in der ganzen Ukraine Luftalarm ausgelöst worden. In sozialen Netzwerken kursierten Videos und Fotos, die fliegende Raketen und Rauchwolken etwa in Dnipro zeigen sollen. Der Gouverneur des zentralukrainischen Gebiets Poltawa, Dmytro Lunin, bestätigte Explosionen in Krementschuk. Eine weitere Rakete wurde laut dem Odessaer Militärgouverneur Maxym Martschenko über dem südukrainischen Gebiet abgeschossen.
Reuters/Ukrainischer Katastrophenschutz
Über Odessa war deutlich eine Rauchwolke zu sehen

Nach anfänglichen Misserfolgen im Norden des Landes konnten die russischen Truppen zuletzt durch gewaltigen Artillerieeinsatz im Donbas Geländegewinne erzielen und die für Moskau symbolisch wichtige Eroberung des Gebiets Luhansk vermelden. Durch den Einsatz der HIMARS-Raketenwerfer auf ukrainischer Seite musste das russische Militär in den vergangenen zwei Wochen allerdings empfindliche Rückschläge einstecken, weil hochrangige Kommandopunkte sowie Munitions- und Waffendepots im besetzten Hinterland zerstört wurden.

London: Moskau übertreibt eigene Erfolge
Angaben über russische Erfolge sind nach Ansicht britischer Geheimdienstexperten mit Vorsicht zu genießen. Russland habe zum wiederholten Mal falsche Angaben zu angeblichen Erfolgen bei seiner Invasion in die Ukraine gemacht, hieß es am Samstag in dem täglichen Geheimdienst-Update zum Ukraine-Krieg des Verteidigungsministeriums in London. Umfang und Ausmaß russischer Vorstöße seien weiterhin begrenzt. Die Behauptung der Russen vor einigen Tagen, sie seien etwa in die Stadt Siwersk vorgestoßen, sei nicht wahr.

Grund für voreilige und falsche Behauptungen über Erfolge sei wohl zumindest teilweise der Wunsch, der Bevölkerung zu Hause Erfolge vorzuweisen und die Kampfmoral der eigenen Truppen zu stärken, so das Update weiter. Die Ukrainer hätten hingegen seit dem Rückzug aus der Stadt Lyssytschansk erfolgreich russische Angriffe zurückgeschlagen, sagen die britischen Experten. Die Verteidigungslinie sei seitdem verkürzt und gestärkt worden, was sich als wesentlich erwiesen habe, um der russischen Offensive den Schwung zu nehmen.

Russland bestätigte am Samstag den zuvor von der Ukraine gemeldeten Raketenangriff auf die Industriestadt Dnipro im Osten der Ukraine. Moskau sprach von einem militärischen Ziel des nächtlichen Beschusses. Auf dem Gelände des Rüstungsindustriekonzerns Juschmasch seien Fabrikhallen für die Ersatzteilproduktion und Reparatur ballistischer Raketen vom Typ Totschka-U vernichtet worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums. Laut der Militärverwaltung von Dnipro soll außer dem Industriegebiet aber auch eine belebte Straße in der Umgebung getroffen worden sein. Die Angaben lassen sich jeweils nicht unabhängig überprüfen.

Drohnen aus dem Iran für Russland?
Die US-Regierung geht unterdessen weiterhin davon aus, dass Russland iranische Kampfdrohnen erwerben will. Die USA hätten Informationen, wonach eine russische Regierungsdelegation einen iranischen Flughafen für eine Vorführung angriffsfähiger Drohnen besucht habe, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter am Samstag am Rande des Besuches von US-Präsident Joe Biden in Saudi-Arabien. Russland wolle die Drohnen „offensichtlich für den Einsatz im Krieg in der Ukraine“. Er fügte hinzu, Russland setze im Nahen Osten auf den Iran. Die USA setzten dagegen auf eine stärker integrierte, stabilere, friedlichere und wohlhabendere Region.

Laut der Kiewer Atombehörde nutzt Russland Europas größtes Atomkraftwerk nahe der Stadt Saporischschja unterdessen als Basis für die Lagerung von Waffen, einschließlich „Raketensystemen“, und für den Beschuss umliegender Gebiete in der Ukraine. „Die Besatzer bringen ihre Geräte dorthin, darunter auch Raketensysteme, mit denen sie die andere Seite des Flusses Dnipro und das Gebiet von Nikopol beschießen“, so der Präsident der staatlichen ukrainischen Atombehörde Energoatom, Pedro Kotin, in einem Fernsehinterview. Das Kernkraftwerk im Südosten ist von russischen Truppen besetzt worden, wird aber weiterhin von ukrainischem Personal betrieben.

Reuters/Ukrainischer Katastrophenschutz
In Nikopol wurde ein Wohnhaus bei den russischen Angriffen getroffen

Selenskyj ruft zur Wachsamkeit auf
Die Ukraine erhielt nach eigenen Angaben unterdessen ein neues Raketenwerfersystem aus dem Westen. „Keine Gnade für den Feind“, so Verteidigungsminister Olexij Resnikow auf Twitter. Die M270-Systeme würden den US-amerikanischen HIMARS „auf dem Schlachtfeld gute Gesellschaft“ leisten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rief die Bürger und Bürgerinnen der Ukraine zur Wachsamkeit auf. Zugleich warnte er Moskau, dass der bereits seit fast fünf Monaten andauernde Krieg auch in Russland nicht folgenlos bleiben werde.
Die Ukraine werde sich „Menschlichkeit und Zivilisation“ bewahren, sagte er in der Nacht auf Samstag in seiner Videoansprache. Zerstörte Bildungseinrichtungen würden wieder aufgebaut, versprach er. „Aber die russische Gesellschaft mit so vielen Mördern und Henkern wird für Generationen verkrüppelt bleiben – und zwar aus eigener Schuld.“ Angesichts neuer Angriffe auf mehrere Regionen am Abend appellierte Selenskyj einmal mehr an seine Landsleute, den Luftalarm nicht zu ignorieren.
16.07.2022, red, ORF.at/Agenturen

Angriffskrieg: Verstärkte Kämpfe in Ostukraine erwartet
 

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#67
WAFFENLIEFERUNGEN
Ukraine droht mit Angriff auf Krim
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Die ukrainische Armee ist in den letzten Wochen durch die Offensive der russischen Einheiten im Land vor allem in der östlichen Region Donbas stark unter Druck geraten. Das hindert Kiew allerdings nicht daran, Russland zu drohen: zuletzt mit einem Angriff auf die annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim mitsamt der dort stationierten russischen Flotte.
Online seit heute, 19.46 Uhr
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Selbstvertrauen geben der ukrainischen Armee vor allem Lieferungen von schweren Waffen, allen voran Raketenartillerie mit großer Reichweite, aus dem Westen, etwa den USA, aber auch anderen Waffensystemen. „Wir bekommen Schiffsabwehrwaffen und werden früher oder später die Flotte angreifen“, sagte nun der stellvertretende ukrainische Verteidigungsminister Wolodymyr Hawrylow der britischen „Times“ am Dienstag bei einem Besuch in London. „Russland muss die Krim verlassen, wenn es weiter als Staat bestehen will.“

Moskau hatte seinen am 24. Februar begonnenen Krieg gegen die Ukraine auch mit angeblichen Plänen Kiews begründet, sich die 2014 von Russland annektierte Krim zurückholen zu wollen – und sieht sich entsprechend bestätigt. Der Sprecher des Kreml, Dmitri Peskow, erklärte, Hawrylows Äußerungen zeigten deutlich einmal mehr die Notwendigkeit der „militärischen Spezialoperation“. So bezeichnet Moskau den Krieg gegen die Ukraine offiziell.

Kreml sieht sich durch Drohungen bestätigt
„Nur mit solchen Mitteln lässt sich die Ukraine von solchen Vertretern der Führung befreien“, sagte Peskow der russischen staatlichen Nachrichtenagentur TASS zufolge. Moskau hatte Kiew immer wieder vor einer scharfen Reaktion gewarnt, sollte die Krim angegriffen werden. Dagegen meinte Hawrylow, dass unlängst bereits die Schlangeninsel zurückerobert worden und damit der erste Schritt getan sei – mit Unterstützung durch die Lieferung schwerer Waffen aus dem Westen.

„Jedes Ziel dort für uns legitim"
„Wir sind bereit, sie im gesamten Schwarzen Meer ins Visier zu nehmen, wenn wir diese Möglichkeit haben“, sagte der stellvertretende ukrainische Verteidigungsminister. „Die Krim ist ukrainisches Territorium, daher ist jedes Ziel dort für uns legitim.“ Eine Rückkehr in die Ukraine sei auch auf diplomatischem Wege möglich. Allerdings hatte Russland stets erklärt, dass die Krim-Frage durch die Eingliederung in das Land endgültig geklärt sei. Einschließlich der Krim kontrolliert Russland inzwischen mehr als 20 Prozent des ukrainischen Territoriums, vor allem im Osten und Südosten des Nachbarlandes.

Selbstbewusstsein durch Waffenlieferungen
Die Ukraine hatte bereits mehrfach gedroht, russische Ziele im Schwarzen Meer anzugreifen und diese Drohungen teils auch wahr gemacht. Zuletzt griff die ukrainische Armee laut russischen Angaben etwa Erdgasbohrinseln mit Raketen an. Diese liegen etwa 100 Kilometer vor der Küste der südukrainischen Hafenstadt Odessa und etwa 150 Kilometer von der Krim entfernt im Meer. Sie wurden im Zuge der russischen Invasion der Krim im Jahr 2014 vom russischen Militär besetzt.


picturedesk.com/Action Press/Sipa
USA liefern Raketensysteme mit großer Reichweite und Wirkung

„Befreit“ oder aufgegeben
Die Schlangeninsel im Schwarzen Meer reklamiert die Ukraine als von ihrer Armee „befreit“, Russland hat sie nach eigenen Worten aufgegeben – als „Geste“, wie es vor etwa zwei Wochen hieß. Ukrainische Einheiten hissten damals ihre Nationalflagge. Die Militärverwaltung des Gebiets Odessa veröffentlichte im Nachrichtendienst Telegram mehrere Fotos. Unterzeichnet wurde die Flagge auch von Militärgouverneur Maxym Martschenko. Sie trug außerdem die Aufschrift: „Merke dir, ‚russisches Kriegsschiff‘, die Insel gehört zur Ukraine!!!“


Reuters/Ukrainian Armed Forces
Ukrainische Einheiten hissten ihre Flagge auf der Insel

Die Insel liegt etwa 35 Kilometer vor dem ukrainischen Teil des Donau-Deltas. Kurz nach dem Angriff auf die Ukraine im Februar besetzten russische Einheiten die nur rund 17 Hektar große Insel. Vor rund zwei Wochen zogen sie nach anhaltenden ukrainischen Luft- und Artillerieangriffen wieder ab. Die Ukraine warf der russischen Armee später vor, bei Angriffen auf die Insel Phosphor-, also Brandbomben eingesetzt zu haben.
19.07.2022, red, ORF.at/Agenturen

Waffenlieferungen: Ukraine droht mit Angriff auf Krim
 

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#69
AMNESTY-KRITIK
Ukrainisches Militär gefährdet Zivilisten
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In bereits mehreren Fällen hat Amnesty Interational nach langen Recherchen Russland Kriegsverbrechen im Ukraine-Krieg vorgeworfen. In einem neuen Bericht kritisiert die Menschenrechtsorganisation auch die Ukraine scharf: Mit Militärstützpunkten in Wohngebieten und Operationen in oder nahe zivilen Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäusern würden die ukrainische Streitkräfte gegen das humanitäre Völkerrecht verstoßen.
Online seit gestern, 23.03 Uhr
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Indem zivile Objekte zu militärischen Zielen gemacht werden, würde die Zivilbevölkerung gefährdet, so Amnesty. Die daraus resultierenden russischen Angriffe auf bewohnte Gebiete hätte, so die Organisation, Zivilpersonen getötet und die zivile Infrastruktur zerstört. „Dass sich die Ukraine in einer Verteidigungsposition befindet, entbindet das ukrainische Militär nicht von der Einhaltung des humanitären Völkerrechtes“, so Agnes Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International.

Allerdings galten nicht alle von Amnesty International dokumentierten russischen Angriffe auf zivile Objekte ukrainischen Truppen: An mehreren anderen Orten, an denen die Amnesty-Ermittler zu dem Schluss kamen, dass Russland Kriegsverbrechen begangen hatte, fand die Organisation keine Hinweise auf ukrainische Streitkräfte, die sich in den vom russischen Militär widerrechtlich angegriffenen zivilen Gebieten befanden. Als Beispiel werden einige Gebieten der Stadt Charkiw genannt.

In zivilen Einrichtungen verschanzt
Konkret fand Amnesty in Untersuchungen zwischen April und Juli in den Regionen Charkiw, Donbas und Mykolajiw in 19 Städten und Dörfern Beweise dafür, dass die ukrainischen Streitkräfte Angriffe von bewohnten Wohngebieten aus starteten und sich in zivilen Gebäuden verschanzten.
Amnesty wirft der Ukraine vor, dass diese Strategie auch nicht notwendig wäre: Die meisten Wohngebiete seien kilometerweit von den Frontlinien entfernt gewesen und es habe praktikable Alternativen wie Militärbasen oder dicht bewaldete Gebiete gegeben. Das Militär habe zudem die Zivilbevölkerung nicht aufgefordert, die betroffenen Gebiete zu verlassen.

Amnesty verweist darauf, dass das humanitäre Völkerrecht alle Konfliktparteien verpflichte, militärische Ziele in oder in der Nähe von dicht besiedelten Gebieten so weit wie möglich zu vermeiden. Zudem sei man verpflichtet, die Zivilbevölkerung aus der Nähe von militärischen Zielen zu entfernen oder sie zu warnen.

AP/Nariman El-Mofty
Ukrainischer Panzer in der Stadt Pokrowsk

Spitäler und Schulen „genutzt“
Noch schärfere Vorwürfe erhebt Amnesty aufgrund der „Nutzung“ von Spitälern und Schulen. So konnte man nach eigenen Angaben an fünf Orten beobachten, wie ukrainische Streitkräfte Krankenhäuser de facto als Militärstützpunkte nutzten. In zwei Städten hätten sich Dutzende von Soldaten in den Krankenhäusern ausgeruht und dort gegessen.

In 22 der 29 besuchten Schulen seien Räumlichkeiten von Soldaten genutzt worden bzw. seien Spuren einer früheren Nutzung gefunden worden. Zwar seien die Schulen seit Beginn des Krieges geschlossen, sie befanden sich allerdings in den meisten Fällen in der Nähe von bewohnten zivilen Vierteln. Die russischen Streitkräfte hätten viele der von den ukrainischen Streitkräften genutzten Schulen angegriffen, so Amnesty. In mindestens drei Städten wären die ukrainischen Soldaten nach der russischen Bombardierung in andere Schulen in der Nähe umgezogen.

Die Nutzung von Krankenhäusern für militärische Zwecke stelle einen klaren Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht dar, so Amnesty. Schulen dürften dann nicht verwendet werden, wenn sie in der Nähe von Wohngebäuden sind, es sei denn, es besteht eine zwingende militärische Notwendigkeit.

Kritik auch schon von der UNO
Bereits Anfang Juli hatte die UNO die Ukraine wegen eines ähnlichen Beispieles für den „besorgniserregenden Einsatz von menschlichen Schutzschilden“ kritisiert. Nach Ansicht der Vereinten Nationen tragen die ukrainischen Streitkräfte einen großen Teil der Schuld an einem Angriff Anfang März auf ein Pflegeheim in Luhansk, in dem Dutzende von älteren und behinderten Patientinnen und Patienten ohne Wasser und Strom eingeschlossen waren.

Die ukrainischen Behörden hatten damals die russischen Streitkräfte beschuldigt, bei einem unprovozierten Angriff mehr als 50 Zivilistinnen und Zivilisten getötet zu haben. Die genaue Anzahl der Toten lässt sich belegen. Die UNO kam jedoch zum Schluss, dass die ukrainische Armee einen großen Teil der Schuld an den Ereignissen im Dorf Stara Krasnjanka trage, weil ukrainische Soldaten wenige Tage zuvor Stellung in dem Gebäude nahe Sjewjerodonezk bezogen hätten.

Russische Rechtfertigungsversuche für Angriffe
Die russische Armee wiederum versucht die Bombardements von zivilen Einrichtungen immer wieder damit zu rechtfertigen, dass sich darin ukrainische Truppen oder Waffensysteme verborgen hätten. So vermeldete das russische Militär etwa Ende Juni nach einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der ukrainischen Stadt Krementschuk, man habe eigentlich Hallen angegriffen, in denen aus den USA und Europa gelieferte Waffen und Munition gelagert worden seien.

Die Detonation der Munition habe dann einen Brand „in einem nicht mehr betriebenen Einkaufszentrum“ in der Nähe ausgelöst. Allerdings gab es Videoaufnahmen aus dem Inneren des Einkaufszentrums nach dem Angriff, mindestens 20 Menschen starben, 40 wurden vermisst. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch widersprach nach Recherchen den russischen Angaben.

Auch ein Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum im März wurde von Russland damit gerechtfertigt, dass sich in der Nähe des Einkaufszentrums offenbar ein Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesystem befunden habe und in dem Gebäude zudem Raketen versteckt gewesen sein sollen.

Amnesty rügt auch Russland
Auch Amnesty kritisiert – ungeachtet der Vorwürfe an die Ukraine – die russische Kriegsführung: „Die Praxis des ukrainischen Militärs, zivile Objekte für militärische Zwecke zu nutzen, rechtfertigt in keiner Weise wahllose russische Angriffe“, heißt es. Zudem würden russische Angriffe auch mit international geächteter Streumunition oder mit anderen explosiven Waffen mit großflächiger Wirkung durchgeführt. Wahllose Angriffe, bei denen Zivilpersonen getötet oder verletzt oder zivile Objekte beschädigt werden, seien Kriegsverbrechen.

Ukraine nach Vorwürfen „empört“
Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Amnesty vor, die Menschenrechtsorganisation verlagere die Verantwortlichkeit vom Aggressor auf das Opfer. Wer einen solchen Zusammenhang herstelle, „muss sich eingestehen, dass er damit Terroristen hilft“, sagte Selenskyj in einer Videoansprache am Donnerstagabend. „Jeder Versuch, das Recht der Ukrainer in Frage zu stellen, sich dem Völkermord zu widersetzen, ihre Familien und Häuser zu schützen“, sei eine „Perversion“, schrieb der ukrainische Verteidigungsminister Olekxij Resnikow auf Facebook.
Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba äußerte sich „empört“ über die „unfairen“ Anschuldigungen. Kuleba warf Amnesty auf seiner Facebook-Seite vor, „ein falsches Gleichgewicht zwischen Unterdrückern und Opfern zu schaffen, zwischen dem Land, das Hunderte und Tausende von Zivilisten, Städten und Gebieten zerstört, und dem Land, das sich verzweifelt selbst verteidigt“.

Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak betonte, die ukrainische Armee ergreife sämtliche Maßnahmen, um Menschenleben zu retten und Zivilistinnen und Zivilisten in sichere Gebiete zu bringen. „Das Einzige, was Ukrainer bedroht, ist die (russische) Armee von Henkern und Vergewaltigern, die kommt, um Völkermord zu verüben“, schrieb er auf Twitter.
04.08.2022, red, ORF.at

Links:
Amnesty-Kritik: Ukrainisches Militär gefährdet Zivilisten
 

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#70
WERBEN UM REKRUTEN
Wagner-Gruppe tritt aus dem Schatten
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Offiziell existiert die private russische Militär- und Sicherheitsorganisation Wagner nicht. Inoffiziell gilt die Truppe – trotz russischen Dementis – als Wladimir Putins Schattenarmee. Im Ukraine-Krieg würden Wagner-Söldner im Dienste Russlands zunehmend Lücken füllen, berichten Geheimdienstler. Dass die Gruppe in Russland zugleich öffentlichkeitswirksam um Rekruten wirbt, lässt Zweifel am Zustand der russischen Armee laut werden.
Online seit heute, 19.24 Uhr
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„Das Wagner-Orchester wartet auf dich“, heißt es auf einem Plakat im russischen Jekaterinburg etwa. „Mutterland, Ehre, Blut, Mut. WAGNER“, steht auf einem weiteren geschrieben. Die Werbetafeln, die in mehreren russischen Städten aufgetaucht waren, seien Teil einer Rekrutierungsoffensive der Wagner-Gruppe, heißt es im britischen „Guardian“. Konkret soll Wagner nach Kämpfern für den Ukraine-Krieg suchen. Rund 20 regionale Rekrutierungszentren dürfte es geben. Geworben wird dort unter anderem mit einem Lohn von rund 3.900 Euro – das Gehalt liegt über dem eines regulären russischen Soldaten.

„Es sieht so aus, als ob sie sich dazu entschlossen haben, dass sie ihre Existenz nicht länger verbergen wollen. Inzwischen weiß jeder, wer sie sind“, wird Denis Korotkow, ehemaliger „Nowaja Gazeta“-Journalist und langjährige Beobachter der Gruppe, im „Guardian“ zitiert. Vor allem im Osten der Ukraine traten Wagner-Söldner zuletzt verstärkt in Erscheinung.

Anfänge im Donbas
Mit dem Ziel, prorussische Separatisten im Donbas zu unterstützen, wurde Wagner auch vor acht Jahren gegründet. Der Name der Gruppe geht auf den Kampfnamen ihres kolportierten Gründers Dmitri Utkin zurück. Der Neonazi Utkin soll diesen in Anspielung auf Richard Wagner, der als Adolf Hitlers Lieblingskomponist galt, gewählt haben – ein pikantes Detail, angesichts der Tatsache, dass Russland den Angriffskrieg gegen die Ukraine mit der „Entnazifizierung“ des Landes begründet hatte.

Seit 2014 waren Wagner-Söldner in mehreren Ländern, die für Russland von strategischem und wirtschaftlichem Interesse sind, aktiv – etwa in Syrien, in Mali, im Sudan und in der Zentralafrikanischen Republik. Ihnen wurden wiederholt schwere Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

AFP/Alexey Druzhinin
Wladimir Putin und Jewgeni Prigoschin

„Putins Koch“ als Drahtzieher?
Zweiter Drahtzieher hinter der Organisation soll der russische Oligarch Jewgeni Wiktorowitsch Prigoschin, der als „Putins Koch“ bekannt ist und dem gute Kontakte zum russischen Präsidenten nachgesagt werden, sein. Prigoschin wies das in der Vergangenheit wiederholt zurück und bezeichnete die Existenz der Gruppe als „Legende“.

Auch der Kreml bestritt immer, wieder mit der Gruppe, von der es weder Firmenregistrierung, Steuererklärungen noch Organigramme gibt, zusammenzuarbeiten. In der russischen Öffentlichkeit war die Nennung der Wagner-Söldner damit ein Tabu. Über die Struktur der Gruppe ist generell wenig bekannt.

Krieg holt Wagner vor den Vorhang
„Russlands Krieg in der Ukraine hat die Gruppe jedoch vor den Vorhang geholt“, schreibt der „Guardian“. Ende März waren laut Angaben des britischen Militärgeheimdienstes rund 1.000 Wagner-Söldner in die Ukraine verlegt worden. Die Gruppe scheint seither an Bedeutung gewonnen zu haben. Russland hatte sich infolge der gescheiterten Offensive auf Kiew immerhin auf den Osten der Ukraine fokussiert.

Laut Einschätzungen des britischen Geheimdienstes dürfte Wagner bei der Einnahme der ostukrainischen Städte Popasna im Mai und Lyssytschansk im Juni eine zentrale Rolle gespielt haben. Ende Juli sollen Wagner-Söldner zudem das größte Kohlekraftwerk der Ukraine in Wuhlehirsk eingenommen haben.

London: Wagner-Söldner kämpfen als reguläre Einheit
Überhaupt dürften die Söldner in der Ukraine nach Einschätzung Großbritanniens in enger Abstimmung mit regulären russischen Einheiten kämpfen. Den Kämpfern sei vermutlich die Verantwortung für eigene Frontabschnitte übergeben worden, wie sie sonst normale Armee-Einheiten übernehmen, teilte das Verteidigungsministerium in London Ende Juli unter Berufung auf Geheimdienstinformationen mit.

„Das stellt eine bedeutende Änderung im Vergleich zu vorherigen Einsätzen der Gruppe seit 2015 dar, bei denen sie typischerweise Missionen durchführte, die sich von offenen, großangelegten regulären russischen Militäraktivitäten unterschieden“, hieß es. Diese Integration untergrabe die jahrelangen Behauptungen der russischen Regierung, es gebe keine Verbindungen zwischen dem Staat und privaten Söldner-Gruppen.
Die Rolle habe sich vermutlich deshalb verändert, weil die russischen Streitkräfte einen eklatanten Mangel an Infanterie-Einheiten auszugleichen versuchten, hieß es vom Verteidigungsministerium in London. Allerdings sei es „höchst unwahrscheinlich“, dass die Wagner-Kräfte ausreichten, um den Verlauf des Krieges wesentlich zu verändern.

Bericht: Enge Verflechtungen mit Verteidigungsministerium
Die Beziehung zwischen dem russischen Verteidigungsministerium und der privaten Gruppe soll sich laut einem Bericht des unabhängigen Internetportals meduza.io zuletzt nochmals vertieft haben. Das Verteidigungsministerium habe demnach die Kontrolle über die meisten Netzwerke, mit welchen Wagner Soldaten rekrutiert, übernommen, heißt es.

Der Journalist Korotkow merkt zudem an, wie schwierig es sei, zwischen Wagner-Söldnern und regulären russischen Soldaten zu unterscheiden. „Das Verteidigungsministerium hat Wagner größtenteils vereinnahmt, und es sieht jetzt eher nach einer koordinierten Gruppe aus“, so Korotkow. Es sei daher schwer, die Anzahl an Wagner-Söldnern zu beziffern.

Imagepolitur in Russland
Mit den militärischen Erfolgen in der Ukraine besserte sich allmählich auch das Image der Gruppe in Russland. Im Mai erhielt Wagner laut „Guardian“ offenbar erstmals im Staatsfernsehen Anerkennung, als ein Reporter in Anspielung an den Decknamen der Gruppe meinte, die russische Armee habe ihr „eigenes Orchester“ in der Ukraine.

Dazu kommt, dass der vermeintliche Wagner-Financier Prigoschin im April für den Wagner-Einsatz in der ostukrainischen Region Luhansk die Auszeichnung als „Held der Russischen Föderation“ erhalten habe. Ende Juli widmete das reichweitenstärkste Boulevardblatt „Komsomolskaja Prawda“ der Einnahme des Wuhlehirsk-Kraftwerks durch Wagner sogar die Titelseite.

Niedrige Rekrutierungsstandards
Tatsächlich dürften die Gefechte im ostukrainischen Donbas die Gruppe stark geschwächt haben. Spekuliert wurde etwa, dass Wagner ob der schweren Verluste nun so offensiv nach neuen Kämpfern suche. Das führe zu niedrigeren Standards bei der Rekrutierung neuer Soldaten, unter denen verurteilte Kriminelle und zuvor abgelehnte Bewerber seien. Diese neuen Rekruten würden nur sehr eingeschränkt ausgebildet, was die Schlagkraft der Truppe und damit ihren Wert als Unterstützung für das russische Militär vermutlich verringern werde, so britische Militäranalysten.
„Schon vor dem Konflikt waren weniger als 30 Prozent der Wagner-Soldaten echte Profis“, wird der ehemalige Wagner-Kommandeur Marat Gabidullin, der in seinem jüngst erschienenen Buch Einblicke in die Strukturen der Truppe gibt, im „Guardian“ zitiert. „Nun besteht die Gruppe großteils aus Amateuren. Der Zirkus Russland geht weiter.“

Mozart-Gruppe als Gegenbewegung?
Trainieren statt rekrutieren lautet unterdessen das Ziel der ebenso in der Ukraine aktiven Mozart-Gruppe. Die Gruppe wurde kürzlich von dem US-Kriegsveteranen Andy Milburn gegründet. Eine Antwort auf Wagner will Mozart mit seinen bis zu 30 freiwilligen Helfern nicht sein. Bei der Namensfindung ließ man sich dennoch inspirieren und wählte ebenso den Namen eines berühmten Komponisten. „Ich wollte nicht mit der Wagner-Gruppe in Verbindung gebracht oder verglichen werden. Wir sind kein Gegenstück zur Wagner-Gruppe“, so Milburn.

Neben mehrtägiger Crashkurse für ukrainische Soldaten, die mit wenig militärischer Erfahrung an die Front geschickt worden waren, leistet die Gruppe humanitäre Hilfe. Das ukrainische und das russische Heer würden vor ähnlichen Problemen stehen, hält ein Helfer im „Guardian“ schließlich fest – auf beiden Seiten sei das eine zu großen Teilen schlecht ausgebildete Armee.
08.08.2022, kale, ORF.at/Agenturen

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Werben um Rekruten: Wagner-Gruppe tritt aus dem Schatten
 
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