"Maibaumstehlen" - traditionelles Brauchtum

josef

Administrator
Mitarbeiter
#1
Das Aufstellen eines Maibaumes gehört in vielen Orten Mitteleuropas zum "gelebten Brauchtum".

In der Nacht zum 1. Mai muss der Baum streng bewacht werden. Ein alt eingesessener Brauch ist nämlich das Maibaumstehlen. Meist versuchen Burschen benachbarter Gemeinden, den Baum des jeweils anderen Ortes zu stehlen. Der Tradition nach wird der gestohlene Maibaum mit größeren Mengen an Bier ausgelöst :trinken:

Dieses Ritual läuft nach bestimmten Regeln ab, dazu habe ich einige Links betreffend der regional leicht unterschiedlichen Vorgangsweisen bzw. Überlieferungen herausgesucht:

Oberösterreich
Tirol
Bayern

Auf die Idee zur Gestaltung eines Threads zum Thema kam ich durch nachfolgende Meldungen :lol1:
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#2
Wien - gestohlenen Maibaum mit Straßenbahn abtransportiert

Studenten der BOKU...
Gestohlener Maibaum mit Bim abtransportiert
Am Montagabend wurde eine Straßenbahn der Linie 41 zum Transport einer ungewöhnlichen Fracht benutzt: Studierende der Universität für Bodenkultur (BOKU) führten einen gestohlenen Maibaum zu ihrem Lieblingswirt in die City.

„Sogar unser Rektor findet es irrsinnig lustig“, sagte BOKU-Sprecherin Michaela Klement am Dienstag. Die Aktion der „fachkundigen Forstwirtschaftsstudenten“ führte zu viel Gelächter an der Uni. „Wir halten alte Bräuche hoch“, kommentierte die BOKU das Bild des Baums in der Straßenbahn auf Facebook.

Wiener Linien nicht erfreut
Absolut kein Verständnis haben hingegen die Wiener Linien. „Wir finden das gar nicht witzig, es ist gefährlich und verboten“, sagte Sprecher Daniel Amann. In den Beförderungsbedingungen sei schließlich geregelt, dass der Transport von gefährlichen und sperrigen Gegenständen nicht erlaubt ist.

Der ursprünglich zehn Meter hohe Maibaum war am 26. April auf dem Gelände der BOKU in Währing aufgestellt worden. Bereits in der Nacht auf den 27. April „haben ihn die Studenten gefladert“, schilderte Klement. Dabei gingen sie „professionell vor und zogen jemanden bei, der mit einer Motorsäge umgehen kann. Mit lauter Einkaufswagerln haben sie den Baum dann ins BOKU-Heim gebracht.“ Dort legten ihn die Studenten in den Hof und kürzten ihn auf fünf Meter, ehe sie den Entschluss fassten, den Maibaum dem Wirt ihres Lieblingslokals zu schenken. Dieser zeigte sich auf Facebook sehr erfreut über das Geschenk.

Baum steht nun in Schanigarten
Montagabend transportierten sie ihn dann in die Innenstadt. „Der erste Bim-Fahrer lehnte den Transport ab, beim zweiten durften sie mitfahren“, erzählte Klement. Da der Baum mit seinen fünf Metern immer noch relativ lang war, sei es gar nicht so leicht gewesen, ihn in die Bim zu bekommen, sagte die BOKU-Sprecherin. Schließlich klappte das Unterfangen, die Studenten fuhren mit dem Maibaum mit der Linie 41 bis zum Schottentor. „Der erste Fahrer hat richtig gehandelt. Mit dem zweiten Fahrer werden wir ein Gespräch führen“, kündigte Wiener Linien-Sprecher Amann an.

„Gegen 20.00 Uhr haben sie ihn mir gebracht“, freute sich Gerhard Müller, Wirt des Gasthauses zum Holunderstrauch. „Ich finde die Aktion Weltklasse. Der Baum steht im Schanigarten und geht noch immer bis zum ersten Stock“, sagte Müller. „Er wird dort auf jeden Fall stehenbleiben“, bekräftigte der Wirt.
Text u. Bilder: http://wien.orf.at/news/stories/2772192/
 

Anhänge

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#3
Sorry, aber Absägen geht ja gar nicht. Das ist nicht :suff, sondern :hau
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#4
OÖ.: Spezialeinsatz der Seniorenheimbewohner

Senioren holten Maibaum mit Rollatoren zurück

Mit ihren Rollatoren sind Senioren im Innviertel ausgerückt. Zum wiederholten Mal wurde der Maibaum des Seniorenheimes gestohlen, immer von denselben Dieben. Heuer holten die Heimbewohner den Maibaum mit ihren Rollatoren zurück.

Die 78 Bewohner des Seniorenwohnheims Mehrnbach (Bezirk Ried im Innkreis) sind traditionsbewusst. Das Aufstellen eines Maibaumes gehört dazu, sagen sie. Jedes Jahr bekommen sie von einem ortsansässigen Landwirt einen Stamm geschenkt, den sie in mühevoller Handarbeit schmücken und danach aufstellen. Heuer ist er zehn Meter hoch.

Stammtischrunde als Maibaumdiebe
Doch ebenso alljährlich kommt eine Stammtischrunde aus einem rund 300 Meter entfernten Wirtshaus, das auch von einigen Heimbewohner regelmäßig besucht wird, und stiehlt den Baum. So auch in der Nacht zum vergangenen Sonntag. „Heuer beschlossen die Senioren aber: Es reicht, das lassen wir uns nicht mehr gefallen“, berichtete der stellvertretende Heimleiter Christoph Koller.

Sechs Heimbewohner rückten mit Unterstützung der Betreuer und der Heimleitung aus und stahlen den Baum zurück. Auf Rollatoren gebettet, transportierten sie ihn zu ihrem Zuhause zurück und stellten ihn davor wieder auf.

Gemeinsame Maibaumfeier
Allerdings musste dafür eine Brauchtumsregel gebrochen werden. Denn eigentlich muss der gestohlene Baum mit einer ausgiebigen Jause für die Diebe ausgelöst werden. Doch keine vorgehensweise regelt das Zurückstehlen. In dieser Streitfrage haben die Maibaumdiebe versöhnlich geeinigt: Es gibt eine Maibaumfeier des Heimes und die Stammtischrunde aus dem Wirtshaus ist wie in den vergangenen Jahren dazu eingeladen. „Selbstverständlich werden wir kommendes Jahr wieder einen Baum aufstellen, künftig aber besser bewachen“, kündigte Koller an.
Text u. Bild: http://ooe.orf.at/news/stories/2772393/
 

Anhänge

josef

Administrator
Mitarbeiter
#5
Maibaum während der Fahrt angesägt
Im Internet sorgt derzeit ein Video für Aufsehen, in dem Jugendliche im Bezirk Mistelbach den Paasdorfer Maibaum während des Transports ansägen. Sie hängten sich mit einer Motorsäge aus einem Bus und schnitten in den Baum.

Die eigenwillige Aktion wurde per Video festgehalten und auf Youtube hochgeladen. Es ist
hier zu sehen.

Nur im ersten Moment erscheint das Anschneiden eines Maibaumes als lustiger Brauchtumsscherz. Tatsächlich hat dieser gefährlicher Leichtsinn für die jungen Burschen nun Konsequenzen. Das Video zeigt einen Maibaum - eingespannt zwischen einem Traktor vorne und einem Pkw hinten. In die Mitte drängt sich plötzlich ein weißer Lieferwagen - und darin angeblich Jugendliche aus Staatz, die mit einer Motorsäge versuchen, den Maibaum zu durchtrennen.

Anzeigen wegen Nötigung und Gefährdung
Der Lenker im hintersten Fahrzeug will das verhindern - er schwenkt wild links und rechts und gelangt dabei fast in den Gegenverkehr - bis der Maibaum schließlich in zwei Teile bricht. „Die Beteiligten werden der Staatsanwaltschaft angezeigt - wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit, Nötigung und jene, die mit der Motorsäge gearbeitet haben, wegen Sachbeschädigung“, sagt Polizeisprecher Raimund Schwaigerlehner. Er sprach von einer waghalsigen Aktion.

Die Ermittlungen der Polizei liefen am Montag. Der Lenker und der zweite junge Mann, der mit der Kettensäge ans Werk gegangen war, sollten am Montagnachmittag einvernommen werden. Bei der Landjugend hieß es, dass die Staatzer Jugend nicht dem Verein angehöre. Der Bürgermeister von Staatz, Daniel Fröschl (ÖVP), erklärte gegenüber noe.ORF.at, dass er mit den Jugendlichen bereits gesprochen habe, sie hätten ihm gesagt, es tue ihnen unendlich leid, sie würden einsehen, dass sie unverantwortlich gehandelt hätten.


24.04.2017
http://noe.orf.at/news/stories/2838889/
 

dermike

Active Member
#6
Da sind ja richtige Kerle am Werk.
So war das früher durchaus üblich.
Heutzutage gibt's ja nur noch Weicheier.

auf dass es weitergeht.


dermike
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#7
Wenn es beim traditionellen "Maibaumklettern" ordentlich stürmt...
Maibaumkraxler hing auf Baum fest
Zu einem ungewöhnlichen Einsatz wurde die Feuerwehr in Großaigen bei Mank (Bezirk Melk) gerufen. Ein Maibaumkraxler blieb in 15 Metern Höhe hängen und musste eine halbe Stunde lang ausharren, ehe er gerettet werden konnte.

Zu dem ungewöhnlichen Vorfall kam es am Sonntag beim traditionellen Maibaumkraxeln in Großaigen. Der Kletterer wurde, wie üblich, mit einem Sicherungsseil befestigt, doch wie auch die Tageszeitung „Heute“ berichtet, ließ sich das Seil nicht mehr bewegen. Der Grund dafür: Ein Band des Maibaum-Schmuckes hatte sich in dem Rad verfangen, das für die Seilführung zuständig ist.


FF Mank / Michael Hiesberger





60 Mitglieder der Feuerwehren Mank, Kettenreith, Kilb und Melk (alle Bezirk Melk) rückten an und konnten den Kraxler mittels Drehleiter retten. Der junge Mann musste die Dauer des Einsatzes abwarten, er klammerte sich knapp 30 Minuten lang in 15 Metern Höhe am Baum fest. Der Maibaumkraxler wurde bei dem Zwischenfall nicht verletzt.

Bericht der Tageszeitung „Heute“
Publiziert am 01.05.2017
http://noe.orf.at/news/stories/2840324/
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#8


Maibäume gibt es erst seit dem Mittelalter

Mit 1. Mai stehen im ganzen Land wieder die Maibäume. Der Ursprung dieser Tradition wird von vielen in der Keltenzeit vermutet, doch alles begann erst im Mittelalter. Die erste urkundliche Erwähnung in Kärnten steht in Zusammenhang mit einer Schlägerei beim Aufstellen.
Der Leiter der Abteilung Volkskunde am Landsmuseum für Kärnten, Heimo Schinnerl, sagte, die Geschichte beginnt erst im Mittelalter. „Manche glauben ja, dass man das bis in keltische Zeit zurückverfolgen könnte. Wir haben keine Nachweise darüber. Erst im 13. Jahrhundert sind die ersten Belege aus Frankreich bekannt.“ Bis ins 15. und 16. Jahrhundert sei dann der Brauch bis zu uns gezogen. „In Kärnten gibt es 1577 den ersten Nachweis von einem namentlich bekannten Maibaum in St. Andrä. Im Landesarchiv gibt es ein Ratsprotokoll, dass darüber berichtet, dass anlässlich des Aufstellens eines Maibaums fürchterlich gerauft wurde. Aus dem Ungemach entstand ein Gerichtsprozess.“


ORF/Petra Haas

Fruchtbarkeitssymbol wie Weihnachtsbaum
In den letzten Jahren wurde es wieder „in“ einen eigenen Maibaum aufzustellen. Viele Vereine, Feuerwehren, Chöre oder die Landjugend machen sich meistens die Mühe. Wie auch immer die Bäume geschmückt werden, sie alle sind Fruchtbarkeitssymbole, so Schinnerl. Wie der Palmbuschen oder der Weihnachtsbaum gehöre auch der Maibaum zu einer Art von Fruchtbarkeitssymbol als Lebenszeichen. „In der Volkskunst finden wir ihn als stilisiertes Symbol.“

Der Maibaum sei für die Jugend interessant, denn die Burschen konnten sich beweisen. Nicht nur beim Maibaumkraxeln, sondern auch beim Maibaumstehlen, so Schinnerl: „Das hat natürlich bei den Mädchen Anklagen gefunden, die geschaut haben, wer der Mutigste ist.“

Maibaumstehlen kann auch schief gehen
Das Maibaumstehlen wird auch heute noch betrieben, aber das Stehlen ist nur in der Nacht des Aufstellens, der Walpurgisnacht erlaubt. Außerdem sollte man sich heute das Stehlen gut überlegen, denn ohne vorherige Absprache kann es eine Anzeige geben. Manchmal geht das Stehlen auch schief, so geschehen in Naplach im Jahr 2013. Drei Männer sägten den Baum der Feuerwehr ab, der fiel auf ein Haus und beschädigte das Dach - mehr dazu in Gefällter Maibaum fiel auf Haus. 2016 passierte ein ähnlicher Unfall in Preitenegg. Der angesägte Baum stürzte auf die Packer Straße - mehr dazu in Angesägt: Maibaum krachte auf Straße.

Zum Schluss bleibt das Brennholz
In den geschälten Baum wird traditionell eine Schlangenlinie eingekerbt, so Heimo Schinnerl. Die Schlagen sei ein Symbol der Abwehr, dazu kommen noch gekreuzte Schwerter an der Wetterseite, um den Baum zu schützen. Unter dem Wipfel befindet sich ein gescmückter Reisigkranz, früher wurden noch Preise für die Kletterer hinauf gehängt. Laut Schinnerl waren das Weinflaschen, Würste, Brezeln und auch Säckchen mit Geld.

Der normale Maibaum bleibe bis Fronleichnam stehen, sagte Schinnerl. Es gebe aber auch Erntemaibäume, sie bleiben bis zum Kirchtag oder zur Ernte stehen, um eine reiche Ernte zu bringen. Es gebe auch die Möglichkeit, den Baum am Ende als Brennholz zu versteigern und damit Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln, so Volkskulturexperte Schinnerl.

Publiziert am 01.05.2018
http://kaernten.orf.at/news/stories/2910159/

Link: Maibäume
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#10
Alle Jahre wieder - rechtliche Probleme wegen umgeschnittener "Maibäume":

„Letzte Chance“ für Maibaumfäller
Nachdem der Maibaum der Landjugend in Gutenstein (Bezirk Wiener Neustadt) umgeschnitten worden ist, gibt es nun eine „letzte Chance“ für die Verursacher. Wenn sie sich von selbst melden, wird von einer Anzeige abgesehen.
Die Landjugend hatte den 29 Meter hohen Maibaum am 27. April im Bleichgarten auf dem Gelände der Raimundfestspiele in Gutenstein aufgestellt und in der ersten Nacht Wache gehalten. „Bei uns ist es gebräuchlich, dass der Baum in der ersten Nacht nach dem Aufstellen gefällt werden darf“, sagt Robert Perger, Leiter der Landjugend Gutenstein. Die Täter hatten allerdings in der Nacht von 30. April auf 1. Mai zugeschlagen. „Es ist nun eine Streitfrage, ob das dem Brauchtum entspricht und erlaubt war“, sagt Perger.

Durch „Redereien im Ort“ habe man bereits einen Verdacht, wer den Baum umgeschnitten hat. Die Verdächtigen seien „eher aus der Region“, sagt Perger. Er fordert sie dazu auf, sich selbst zu stellen. „Wir wollen das Ganze nicht im Streit lösen. Wenn sie sich melden, werden wir auf jeden Fall von einer Anzeige absehen.“ Wird ein Maibaum außerhalb des im Brauchtum vorgesehenen Zeitraums umgeschnitten, handelt es sich nämlich um eine Sachbeschädigung.


Die Landjugend hatte den Baum für ihr 70-Jahr-Jubiläum aufgestellt


Der 29 Meter hohe Baum stand aber nicht lange


Der Baum wurde in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch umgeschnitten
3 Fotos Landjugend Gutenstein


Marktgemeinde Gutenstein
Brauchtum oder nicht? Das ist jetzt die Frage

Baum wurde durch Schnitte zerstört
Der Leiter der Landjugend ortet in dem Fall auch noch zwei weitere „Vergehen“: Anders als im Brauchtum vorgesehen, sei der Baum in der Mitte durchgeschnitten worden. „Man müsste dem, der den Baum aufgestellt hat, dem Brauchtum nach eigentlich die Chance geben, den Baum wieder aufzustellen und dürfte ihn somit nicht auseinanderschneiden.“ Darüber hinaus hätten die Täter den Baumwipfel vor Ort liegen gelassen. Dieser Wipfel wäre aber das eigentliche Objekt der Begierde von Maibaumfällern, weil dieser ausgelöst werden müsste.

Der gefällte Baum in Gutenstein war für die Landjugend ein besonderer, denn er hätte die 70-Jahr-Jubiläumsfeier am 25. Mai zieren sollen. „Jetzt stellen wir einen neuen Baum auf“, so Perger gegenüber noe.ORF.at. Dieser neue Baum befindet sich derzeit noch im Wald und soll am 18. Mai aufgestellt werden. Bewacht wird er auch dieses Mal: „Wir werden ihn in der ersten Nacht nach dem Aufstellen und am letzten Tag vor dem Maibaumschnitt bewachen, sonst könnte er ja wieder gefällt werden“, sagt Perger.

Publiziert am 09.05.2019
„Letzte Chance“ für Maibaumfäller
 
Oben