V-2 Lieferwerk "Lager Voltmann" - Neudietendorf - ???

H

hebbel

Guest
#23
Im Zusammenhang SIEMENS und ARNSTADT...
Die Angaben im "Target information sheet" kann man noch toppen ->
Das soll aus einem US-Archiv stammen, Zeitpunkt nicht bekannt, und bezieht sich auf deutsche Raketenentwicklungen im Allgemeinen. Ich zitiere mal:

All radio and remote control equipment is manufactured on subcontract by the former SIEMENS plant in ARNSTADT (Thuringia) while all other parts are manufactured directly in BLEICHERODE. The radio equipment will enable the rocket to send back to base 24 different signals within three seconds, mainly about altitude, airspeed, groundspeed, steering reaction and television view of the objective.

Nun bin ich ja kein Anglist, aber die Verwendung von "objective" anstatt "target" in diesem Zusammenhang ließ mich doch aufmerken. :zicke
Das "Mischgerät" ist ja offenbar schon eine Rarität, aber über die m. E. für Versuchsflüge notwendig gewesene Telemetrieausrüstung liest man garnichts (fast). Die Deutschen hatten aber ein Telemetriesystem namens "Messina" (auch "Messina-1"). Fündig geworden bin ich bei Boris Chertok, "Rockets and people". Wie selten diese Geräte waren, oder wie gut die Amerikaner "gefleddert" haben, sieht man hier:
"In 1946, he [ein sowjetischer Beteiligter] was responsible for restoring six onboard sets of extremely scarce Messina telemetry equipment and a ground receiving-recording station."
Zu technischen Parametern u.a.:
"The lack of multi-channel telemetry systems also played a role. Messina-1, the first radio telemetry system, had only six channels. But even its use was limited at the Polish [Blizna] test range due to radio silence.The Red Army offensive was rolling..." An anderer Stelle spricht er von lediglich vier Kanälen. Amerikaner und Sowjets haben sehr schnell mit Weiterentwicklungen und Eigenentwicklungen die Kanalzahl erhöht.

Das Telemetriesystem "Messina" wird noch in einem der 8 Bände von Fritz Trenkle zur deutschen Funktechnik erwähnt.
Andere Quelle: http://www.raketenspezialisten.de/index.html Suche -> Messina (Randnotizen neben dem Bild)
Soviel erst einmal zu 24-Kanal-Telemetriesendern- und empfängern. :)

Gruß
Dieter
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#24
Bin auch kein Anglist, tippe in diesem Fall auf ein Dokument des C.I.O.S. (=Combined... - also Amis UND Briten).

Zu Telemetrie und funk-Zielbildübertragung hat auch die RPF was gemacht. Im Faensen-Buch ist was dazu drin. Ob das allerdings auch auf Raketen bezogen war???

Und dann fällt mir noch die Gleitbombe HS 293 ein.
Dieter hatte mal was dazu geschrieben: www.team-delta.de -> Geheimwaffen -> Gleitbombe.
 
H

hebbel

Guest
#25
Florian, ich habe doch das Faensen-Buch gelesen, auch wenn Du mir nicht glaubst.:D Die RPF saß doch mit einer Arbeitsgruppe für Fernsehtechnik in Peenemünde (vermtl. P.-West). Hs 293 D - Fernlenkung mit Hilfe einer eingebauten Fernsehkamera ("Tonne") und eines Bildempfängers ("Seedorf"). Es gab zu "Tonne" und "Seedorf" auch eine Weiterentwicklung, wenn ich mich recht erinnere. Die RPF hätte ich ja auch zu Telemetriefragen verstärkt im Boot gesehen, aber da fehlen bisher stichhaltige Nachweise. Vielmehr könnte die Entwicklung von "Messina" durch Gergard Reisig, Hauptgruppenleiter der Mess- und Funkabschalttechnik BSM / A III / 1 bis 1943, Spezialist für elektrische und elektronische Instrumentation und besonders für Lenk- und Steuerungsprobleme in Peenemünde, oder anderen Personen aus diesem Direktorat angestoßen worden sein.
BSM = Direktorat Bordausrüstung, Steuerung und Messtechnik (Er hat sich sein praktisches Rüstzeug Mitte der dreißiger Jahre bei Siemens in Berlin geholt.)

Gruß
Dieter
 
H

hebbel

Guest
#26
Ähm...Dr.-Ing. Helmut Hoelzer, der Entwickler des "Mischgerätes" hat dann von 1947 bis 1949 in den USA das "Messina"-Gerät zum "Messina-2"-Gerät bzw. das bereits bestehende "Messina-2"-Gerät weiterentwickelt.

Gruß
Dieter
 
S

ssch

Guest
#27
@hebbel: Hast Du schon Joseph Hoppe, Fernsehen als Waffe, in: Ich diente nur der Technik, Schriftenreihe des deutschen Technik-Museums Berlin, 13, Berlin 1995 gelesen?

Viele Grüße
Sebastian
 
H

hebbel

Guest
#28
Sorry, mit den Jahreszahlen zu Hoelzer und "Messina-2" habe ich mich in der Eile vertan. Der Zeitraum ist unklar. Und Reisig hieß mit Vornamen Gerhard.

@ssch
Das sollte ich wohl, wenn Du so fragst!? :)

Gruß
Dieter
 
H

hebbel

Guest
#30
Interessant ist das aus technischer Sicht schon, da sich bei hohen Geschwindigkeiten und einem angenommenen Bildwechsel von 1/25 s die Kamera schon wieder eine gewisse Strecke auf das Objekt zubewegt hat, bevor das komplette Bild geschrieben wurde. Es könnten also ab einer bestimmten Geschwindigkeit nur noch "verschmierte" Bilder herauskommen.

Gruß
Dieter
 

Edgar

CN 5. Kolonne
#31
Nööö, keine verschmierten Bilder. Ruckelt nur.

Wir haben eine Videostrecke mit o.g. Bildwechselfrequenz in einem Flugmodell über einem weiträumig abgesperrten Gelände getestet. Hat nur geruckelt.

Die rauskopierten Standbilder waren leider aufgrund der zu geringen Auflösung etwas schlecht. Sprich...nicht weiter zoombar. Wenn man von den ruckeligen Bildern absieht, zu Zielzwecken reichen sie allemal.


Gruß vom Edgar
 
H

hebbel

Guest
#32
Na ja, Edgar. Ich hatte da an andere Geschwindigkeiten gedacht. Ich habe das mal für 500 km/h und 50 Hz Zeilensprungverfahren "durchgerechnet". (Welches auch eine faktische Bewegungsauflösung von 50 Hz erzielt.) Allerdings ist die Fortbewegung während des Schreibens eines Bildes dabei wirklich nicht groß, insbesondere wenn man an die Größe eines Schiffzieles denkt und die Entfernung Ziel-Kamera noch ausreichend groß ist. Ich gebe ja auch zu, daß ich dabei wieder an die Spezies derer gedacht habe, die dieses System mal locker in deutlich schnellere Flugkörper verfrachten wollen.

Weil wir ja eh schon wieder ziemlich OT sind...:eek:

Gruß
Dieter
 
H

hebbel

Guest
#33
Irgendwie fehlt mir bei der Liste dieser "Lieferwerke" Lehesten, bzw. ein Bahnhof in der Nähe, auch wenn sie im eigentlichen Sinne nicht produziert haben.

Gruß
Dieter
 
#34
Irgendwie fehlt mir bei der Liste dieser "Lieferwerke" Lehesten, bzw. ein Bahnhof in der Nähe, auch wenn sie im eigentlichen Sinne nicht produziert haben.

Gruß
Dieter
Ich bin zur zeit nicht auf dem laufenden da ich immer noch am umziehen bin . Aber zu Lehsten soviel, es ist kein Lieferwerk sondern nur „Brennstände“ !

Die Organisation der A4 ( V2 ) Fertigung ist sowieso meist falsch dargestellt,
Aufgeteilt ist das ganze in Entmontage< Zulieferer ( Leitfirma der Baugruppen ) < Zulieferer an die Leitfirmen . Und die einzelnen Zulieferer haben dann noch unzählige Verlagerungen die als solches meist keine eigenständige Zulieferwerk darstellen .

Es gab in der ersten Planung nur zwei Montage Werke, dann 3 b.z.w. 4. Dann wurde das an die Mittelwerk GmbH abgegeben und die Montagewerke wurden zu Zulieferer.
Diese Zulieferer ( Versuchsserienwerk Pee. , Zeppelin, Rax ) blieben Leitfirmen und bekamen die Aufträge für „Gesamtgeräte“, über die Zeit wurden dann aber einzelne Zulieferungen in das Mittelwerk verlagert. Leitfirma für das Mittelteil z.B. blieb bis zum Schluss das Zeppelinwerk, auch für das was im Mittelwerk oder wo auch immer gefertigt wurde !
Die V2 Lieferwerke sind sofern keine Leitfirma , unselbstständige Zulieferer von Einzelteile für die Leitfirmen und somit keine eigentliche Lieferwerke.
Selbst das Mittelwerk ist nur eine Entmontage- und Montageverlagerungsansammlung , eigentlicher Hauptauftragsnehmer und Unterauftragsverteiler so wie Sitz der Firma war in Berlin !




Gruß Henry
 
H

hebbel

Guest
#35
:D Henry, sei mir bitte nicht böse, aber der Trick mit meiner Bemerkung zu Lehesten hat funktioniert. Lehesten hat nach Meinung sowj. Spezialisten "lediglich" Öfen und Turbopumpen aus Nordhausen bezogen, den "burn-in" Test durchgeführt und diese dann wieder zurückgeschickt. :)
Danke für Deine Ausführungen, insbesondere zum Begriff "Leitfirma".

Gruß
Dieter
 
H

hebbel

Guest
#36
Ähm... Die von mir geäußerte Mutmaßung, daß es sich bei Neudietendorf um eine Sammel- und Verteileradresse für Teilelieferungen gehandelt haben könnte, ist auch nicht zu halten. Dann hätte es mehrere geben müssen, denkt man z.B. an den Berliner Raum. Falls die Sache nicht sowieso getürkt ist: "Lieferwerke" als Umschlagpunkte für Fertiggerät?

Gruß
Dieter
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#37
Hi Henry,

vielen Dank. Auch wenn ich das noch nicht verstanden habe, aber das kommt sicher noch. :D

Hat denn niemend den Bornemann und kann die Quellenangabe [73] mal einstellen???
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#40
Sowas ähnliches hatte ich schon befürchtet... also eine Null-Aussage, denn nicht verifizierbar. :zicke
 
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