WK II Stollenbesichtigung Neunkirchen

#2
Hallo
Ich war gestern in Neunkirchen, um den Stollen zu besichtigen. Mega Andrang an Besuchern, welcher bis Mittag nicht nachließ. Stollen in super Erhaltungszustand. Wird von ansässigen Höhlenforscher(retter) betreut und gepflegt. War Besuch wert!
Gruß Flughund
 
#6
Hallo Flughund,
Danke für die Fotos!
Dieser Stollen ist auch interessant weil:
  • er kein Stollen, wie üblich in einen Hang geführt wurde, sondern im flachen Steinfeld direkt unter die Oberfläche gebaut wurde.
  • soweit mit bekannt, war er für die Belegung des dort vorhanden Spitals gedacht; dieses Spital wurde in den letzten Jahren komplett abgerissen und neu gebaut. Im Gegensatz zu z.B. Wiener Neustadt mit der Umgestaltung der Flugzeugwerke Flächen (und Verlust aller "Zeitzeugen"), wurde der Stollen in Neunkirchen nicht einfach "mit Beton aufgefüllt" - sondern erhalten. Und ist fallweise öffentlich zu besichtigen.
 

josef

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#10
Zufällig einen Zeitungsartikel vom November des Vorjahres entdeckt:

Neunkirchen: Vermessung der Unterwelt
Vermessungsfirma erstellt für Neunkirchen eine kostenlose 3 D-Darstellung des unterirdischen Systems am Haupt- und Holzplatz: Neue Erkenntnisse erwartet
Von Christian Feigl. Erstellt am 15. November 2019

Vor dem Einstieg: Baudirektor Christian Humhal, Bernhard Flitsch (Firma Swietelsky), Höhlenretter Helmut Kühteubel, Anton Postl sowie Philip Zeisler von der AREA-Vermessung.
Christian Feigl

Dass sich unter dem Stadtzentrum ein verzweigtes Stollensystem befindet, ist vielen bekannt und kann zu bestimmten Zeiten auch besucht und besichtigt werden. Nun hat sich die Neunkirchner Firma AREA Vermessung um Geschäftsführer Philip Zeisler einer professionellen 3 D-Vermessung dieses Stollensystems angenommen. „Wir werden kostenlos ein dreidimensionales Modell konstruieren und das dann der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen“, erklärte Zeisler beim Lokalaugenschein.
Ganze zwei Tage war er mit seinem Team in der Vorwoche dafür in der Neunkirchner Unterwelt unterwegs. Drecksarbeit im wahrsten Sinne des Wortes: „Es war irrsinnig interessant und spannend, aber auch sehr schmutzig und schlammig. Teilweise sind zum Beispiel die nicht für die Öffentlichkeit begehbaren Stollen nur vierzig Zentimeter hoch und da ist die Vermessungsarbeit mit dem 3 D-Laserscanner wirklich auch eine körperliche Herausforderung“, so Zeisler, der mit seinem Team von Helmut Kühteubel von der Neunkirchner Höhlenrettung fachkundig begleitet wurde. Denn die Höhlenrettung ist es, die das Stollensystem regelmäßig wartet und betreut.

Projekt durch Zufall entstanden
Gespannt auf das Ergebnis ist auch schon Neunkirchens Baudirektor Christian Humhal: „Das Projekt hat sich eigentlich zwischen Tür und Angel ergeben. Ich habe Philip Zeisler von einer TV-Dokumentation, in der der Venediger Dogenpalast auf diese Art und Weise vermessen wurde, erzählt und er hat mir gesagt, dass er so ein Gerät hätte und ihn die Stollen unter dem Haupt- und Holzplatz, wo die AREA-Vermessung ja auch ihr Büro hat, interessieren würden. Dass er die Arbeit auch noch kostenlos macht, freut uns natürlich umso mehr!“ Humhal könnte sich vorstellen, die Ergebnisse auch Schulen zur Verfügung zu stellen: „Dass damit etwas Nachhaltiges für die Nachwelt geschaffen wird, ist umso schöner!“

3 D-Modell gibt neue Einblicke
Und auch Günther Gsenger von der Neunkirchner Höhlenrettung zeigt sich begeistert: „Jetzt können wir dann auch genauer den Bezug der Stollen zu den alten Bürgerhäusern sehen. Das ist sicherlich eine ganz tolle Sache!“
Denn wenn im kommenden Jahr die Stadt ihr hundertjähriges Jubiläum feiert, dann sollen die Stollen auch wieder vermehrt der Öffentlichkeit zugeführt werden.

„Deshalb arbeiten wir auch daran, den Eingang am Holzplatz, der nur über Eisensprossen zu begehen ist, mit einer Art Wendeltreppe möglichst für eine breite Bevölkerungsschicht zu öffnen“, freut sich Gsenger bereits auf die Aktivitäten im kommenden Jahr. Da wird dann spätestens auch das 3 D-Modell zu bestaunen und virtuell zu begehen sein!
Vermessung der Unterwelt
 
#11
Anmerkung:
Das oben gezeigte Bild zeigt den Einstieg am Neunkirchner Holzplatz des Stollensystems Neunkirchen Innenstadt, der derzeit nicht öffentlich zugänglich ist.
Der Stollen, angeführt in den vorigen Beiträgen, ist der Stollen beim Krankenhaus Neunkirchen.
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#13
Bezirksblätter-Ausgabe Neunkirchen 31.05.2020
Unterirdischen Systems am Haupt- und Holzplatz:

SCHUTZ GEGEN DIE OSMANEN UND LUFTSCHUTZBUNKER
Der Fluchttunnel unter Neunkirchen



Höhlenretter Helmut Kütäubel steigt in das unterirdische Reich
Foto: © Wolfgang Muhr, hochgeladen von Alexandra Gruber

14 Meter unter den Straßen von Neunkirchen liegt ein rund 200 Meter langes Gewölbe, das durch Zufall vor etwa 30 Jahren bei Bauarbeiten (wieder-) entdeckt wurde. Der Tunnel war 1945 von Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen ausgemauert und von der Bevölkerung als Luftschutzbunker genutzt worden.

Von den Bürgerhäusern zum Kloster
Danach geriet der Gang wohl für viele Jahre in Vergessenheit, mittlerweile ist er eine Attraktion beim alljährlichen Stadtfest. »Dieser Stollen war wahrscheinlich bereits vor Jahrhunderten ein Fluchttunnel, er führte von den Bürgerhäusern zum Kloster,« sagt Höhlenretter Helmut Kütäubel. Eine Theorie, die durchaus Sinn macht. Galt doch das Minoritenkloster als regionales Zentrum der Verteidigung gegen die Osmanen, die Einwohner brachten sich bei Gefahr hinter den dicken Mauern in Sicherheit.

Besichtigung mit Gummistiefel

Der etwa 1,5 Meter breite Gang verläuft vom Holz- bis zum Hauptplatz. Kütäubel und sein Höhlenretter-Kollege Günther Gsenger begleiten Interessierte normalerweise nur auf Anfrage durch die Neunkirchner Unterwelt. Lediglich beim dreitägigen Stadtfest im September darf jeder der kann und mag, im Zuge einer Führung den Stollen besichtigen. Wenngleich die Tour eine ziemlich schmutzige Angelegenheit ist, zumindest was die Schuhe betrifft. Etappenweise reichen Schlamm und Wasser bis zu 20 cm hoch, Gummistiefel sind sehr empfehlenswert.

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Autor: Alexandra Gruber aus Neubau
Schutz gegen die Osmanen und Luftschutzbunker: Der Fluchttunnel unter Neunkirchen
 
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