Alte Fabrik bei Neunkirchen

#23
Ich habe die Unterlagen in der Fabrik Nähe Stadtpark vor ca. 40 Jahren aufgelesen. Es war ein ganzer Karton voll Unterlagen über UK (unabkömmlich) Ansuchen und die Korrespondenz mit Behörden. Dazu noch etliche andere Unterlagen wie Plan eines Luftschutzstollens und SS Werbeplakate (sich freiwillig dazu zu melden).
Es war dort auch noch ein volleingerichtetes Laboratorium vorhanden.

Vor einigen Monaten habe ich alle meine historischen Unterlagen verkauft, auch diese Unterlagen; ich habe sie auch in diesem Forum inseriert - leider wollte man mit Nazi Unterlagen nichts zu tun haben.
Schlussendlich habe ich an ein Antiquariat in Wien, Nähe Naschmarkt verkauft.

Soweit ich es überblickt habe, wurde die Firma arisiert und von Reichsdeutschen übernommen. Diese hatten auch andere Ultramarinfabriken im Reich. Nach dem Krieg verliert sich die Spur.
So ist es bei vielen Fabriken; nach dem Krieg sind die meisten Direktoren etc. - soweit es Reichsdeutsche waren - weg.
 
#25
Ich war kürzlich unter der Woche während der Betriebszeit des dahintergelegenen Betriebs dort.

Ich wurde nach kurzem in der Ruine von einem Arbeiter angesprochen und zwar freundlich aber mit etwas lauterem Ton und sehr eindringlich aufgefordert, zu gehen.
Als ich danach noch Aufnahmen von der Straße aus machen wollte, kam es zu einer zweiten Begegnung, mit noch lauterem und schon ins unfreundliche gehendem Tonfall seitens des Arbeiters. Meinen Einwand, aufgrund der geltenden Panoramafreiheit Photos von Aussen machen zu dürfen, ließ er nicht gelten.

Für einen Dieb konnte man mich definitiv nicht halten, für einen Randalierer genausowenig. Rechtlich sind die dort wegen den Hinweisschildern ("Privatgrund ... Betreten verboten...") wohl abgesichtert, sollte mir etwas zustoßen (oder müssten sie das Areal dafür auch absperren?). Es waren auch - soweit für mich erkennbar - zu dem Zeitpunkt keine Arbeiten an der Ruine im Gang.

Also, warum bloß diese Abneigung gegen jemand der eigentlich niemanden stört und seinem Hobbie nachgeht?
Scheint so, als wären die aus irgendeinem Grund auf Besucher negativ sensibilisiert.
 
#26
Tja Lightspotting du bist dort anscheinend nicht er einzige ungebetene Gast und darum die Reaktion.
Jetzt mal ganz ehrlich wie reagierst du wenn sich jemand ungebeten auf deinem Grundstück aufhält.
Außerdem ist mir unbegreiflich wie man die Schilder ("Privatgrund ... Betreten verboten...") wie du schreibst Missinterpretieren kann.
Ist jetzt kein persönlicher Angriff gegen dich bitte nicht böse sein aber ich kann den Arbeiter bzw Besitzer verstehen.
Ich mache auch keinen Unterschied zwischen Obstdieben,Einbrechern...der 4te Einbruchsversuch !,Modellsegelfliegern die in ganzen Horden ungefragt nach dem Flieger suchen,und Personen die behaupten "ich geh da nur durch weil es kürzer ist".
Mein Grundstück ist weitläufig aber Eingezäunt.:ichsagnix:
 
#27
Rechtlich ist alles klar, ich bin auch nicht naiv.

Aber meiner Ansicht nach sollte auch die Frage der Verhältnismäßigkeit eine Rolle spielen.

Bei deinem Grundstück zB kann ich mir durchaus vorstellen, dass es da zur Störung kommt. Woanders aber wiederrum eher nicht ...

Klar, wie die damit umgehen ist ihre Sache. Schade ist es trotzdem...
 
#34
Die beiden Hallen und der große Schlot wurden bereits Mitte September letzten Jahres abgetragen; danach standen die Brennöfen noch einige Monate im Freien. Wurden aber, wenn ich mich richtig erinnere, im Jänner ebenfalls geschliffen. Im Augenblick steht nur mehr der kleinere Schlot, und das unbewohnte Haus vor der Fabrik. Wohl auch nicht mehr allzu lange...
 
#36
Es gab in Neunkirchen auch eine Druckfabrik, wie Harald zu Beginn schrieb.

Einer der bestreikten Betriebe gehörte auch einer jüdischen Familie. Die Pams waren 1890 aus Landskron in Mähren zugewandert und verlegten ihre unternehmerische Tätigkeit nach Neunkirchen. Samuel und Heinrich Pam boten in ihrer Firma "Pams Söhne, Mechanische Papierhülsen und Spulenfabrik" vor dem Ersten Weltkrieg mehr als zweihundert Neunkirchnern Arbeit. Beide waren auch als Funktionäre für die Kultusgemeinde tätig und nahmen regen Anteil an allen religiösen Belangen. Nach dem Tod der beiden übernahm ein Sohn, Max Pam die Firmen-leitung, die er bis 1938 innehatte. Der Betrieb, der jahrzehntelang zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt beigetragen hatte, wurde arisiert, Max Pam in Wien verhaftet und im Dezember 1938 als 41jähriger in Dachau ermordet. Der Rest der Familie wurde ihres gesamten Vermögens beraubt und konnte sich mit Mühe ins Ausland retten.
Aus: http://david.juden.at/kulturzeitschrift/44-49/neunkirchen-44.htm

Ein Teil der Familie, jedoch nicht Max Pam:
Max Pam wurde am 11. November 1938 verhaftet und nach Dachau überstellt, am 13. Dezember wurde er dort ermordet. Am selben Tag verhandelten seine Mutter und Schwiegertochter in der Kontrollbank und in Anwesenheit von Harald Prinzhorn angeblich über die Aufbringung von Reichsfluchtsteuer und Sühneabgabe. 1941 “erwarb” die Papierfabrik W. Hamburger unter der Leitung von Herbert Reintaller und Harald Prinzhorn den Betrieb.

gelang es in der zweiten Hälfte des Jahres 1939 aus Österreich zu flüchten.

Habe jetzt im Findbuch gefunden, dass ein Hr. Frank Pam, geboren 1936 ungefähr im Jahr 2010 vom Abgeltungsfonds etwas erhalten hat.
Und auch ein Video von ihm:
Es gibt auch noch einige Pam's in Australien.

Interessante Geschichte, wie das Leben so spielt.
 

Bunker Ratte

Well-Known Member
#37
Nun, ich fuhr bei dem Gelände schon öfter vorbei, letzte Woche fiel mir auf, daß hier eine Diesellok abgestellt wurde auf einem vermutlich neu verlegtem Gleis. Ich habe natürlich auch die Spurweite vermessen, es ist ein Normalspurgleis mit 1435mm Spurweite! Nur was sucht die Reb Laus in Neunkirchen? Warum wurde die Lok hier her gebracht aus Strasshof?

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Der letzte Rest von der Blaufabrik
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#38
Irgendwann Ende Mai/Anfang Juni tauchte die 2143.009, und jede Menge Waggons auf dem Gleis auf. Irgendwann im Juli wurde eine zweite Lok, nämlich die 2043.53, an dieses Gespann gehängt. Seit einigen Wochen sind die Waggons weg, nur mehr die beiden Lokomotiven stehen hier... warum hab ich allerdings auch noch nicht rausgefunden.
 

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josef

Administrator
Mitarbeiter
#40
... Wäre interessant warum die Loks hier stehen ...
Beide Loks gehören nicht der ÖBB und warten auf einem privaten Anschlussgleis wahrscheinlich auf weitere Einsätze (Transportaufträge...)!

Lok 2043.53 fährt normalerweise, wie auch durch die Anschrift ersichtlich, für die NÖVOG den "Reblaus-Express" (Retz-Drosendorf). Eigentümer der Lok dürfte lt. Anschrift die ÖSEK -> Betreiber des Museums (Heizhaus) Strasshof sein.

Lok 2143.09 gehört lt. Anschrift der "Zeller Transporttechnik GmbH" -> ZTT
...und dazu 2143 009 fährt für Zeller Transporte - Schienenweg.at
 
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