Bunker Hirschstetten

#1
Liebe Artgenossen,

bin neu hier, stelle mich kurz vor:
Jahrgang 1954, in Wien-Erdberg aufgewachsen (Prater, Lobau, Freudenau,...) In meinen Jugendtagen gab's noch keine PC's, aber viele Bunker, von denen die meisten leider schon verschwunden oder nicht mehr zugängig sind. Das waren unsere Abenteuerspielplätze. Auch Funde waren an der Tagesordnung, obwohl wir damals natürlich noch keine Sonden hatten (kein Geld, viel Freizeit). Habe zahlreiche Erinnerungen und etliche Bilder.

Genug gequasselt.
In meiner neueren Heimat Hirschstetten (22. Bezirk) gibt es noch den Bunker in
der Spargelfeldstraße. Kennt jemand den gneaueren Zweck dieser Bauten ?
War wohl nicht für die Zivilisten gedacht, die Gegend war damals nur sehr dünn
besiedelt. Anbei 2 Bilder. Von den Eingängen gibt es 2 im Abstand von ca 150m. Die Anlage könnt größer sein, als an der Oberfläche zu vermuten ist.

Gruß
maulwurf
 

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#2
Willkommen Maulwurf,

Bei diesem Bunker handelt es sich um einen Luftschutzdeckungsgraben. Innen ist er ca. 2,20m hoch und 1,4m breit. Der Gang ist zwischen den beiden Ausgängen mehrmals im rechten Winkel abgewinkelt. Bei einer Länge von 150m (kommt mir lang vor) müssten zwischendurch Notausgänge (ca. 60x60cm) sowie Lüftungsrohre gewesen sein. (Ausnahmen bestädtigen die Regel)
Nach dem dein Nickname Maulwurf ist, nehme ich an du warst schin drinnen.

lg

Cerberus9
 
#3
Hallo Cerberus9,

danke für die rasche Info !
Werde stöbern und versuchen, weitere Details zu diesem Platz in Erfahrung zu bringen. Drin war ich in diesem Fall noch nicht, da ziemlich schwierig.

Beste Grüße

maulwurf
 
#4
Ursprünglich waren es mehrer Splitterschutzgräben. Diese reichten bis an die Spargelfeldstraße. Gebaut für die Zivilbevölkerung wurden sie jedoch wegen mangender Akzeptanz schließlich für russische Kriegsgefangene (Zwangsarbeiter) der Fa. Wagner & Biro verwendet.

Quelle: Aussage eines Zeitzeugen

Gruß

Cerberus9
 
#5
Hallo

Es gibt / gab noch zwei dieser Splittergräben. Einer befindet sich in dem Grundstück Ecke Hyazinthengasse # Rittersporngasse in Stadlau. Früher konnte man von oben die betonierte Decke sehen. Da die Stiegenabgänge nicht sehr tief waren, kann die Deckenstärke nur relativ gering gewesen sein. Über einem Ausgang steht heute das Haus, der zweite Ausgang ist im Garten und zugeschüttet. Es ist praktisch nichts mehr zu sehen, nur dass der Garten etwas hoch liegt. Klarer Weise ist der Splittergraben nicht mehr öffentlich zugänglich.

Der Zweite lag in der heutigen Einfahrt der A22 von der Erzherzog-Karl-Straße, also zwischen Ostbahn und GH Hillinger. Er wurde bei den Bauarbeiten abgetragen. In diesem Bunker war ich als Kind öfter. Es war ein gerader Gang zwischen den beiden Eingängen, etwa in der Mitte zweigte ein Seitengang ab. Am Ende dieses Seitenganges war Lichteinfall, die Überdeckung war also sehr gering. Laut meiner Großmutter wurden beide Anlagen für Arbeiter der Waagner Biro verwendet. Obwohl meine Großmutter in der Nähe des erstgenannten Bunkers wohnte, war sie nie drinnen. Bei Fliegeralarm gingen sie in den Keller der Nachbarin.

L.G. Rickie
 
#6
zu den fotos

einen ganz ähnlichen einstieg gibt es auch in wien 2,auf der Jesuitenwiese,Russenscherallee (Hügel nahe dem Waldanfang,richtung Hauptallee ! (zugeschüttet seit den 70er jahren,nur erkennbahr wenn man weis das da mal was war,ansonsten hält man es für Betonstück in der Wiese)
 
#8
Splitterschutzgraben Hirschstetten (1/2)

Ich wärme das Thema nochmals auf, weil mir diese Anlage(n) irgendwie nicht sinnvoll vorkommen.

Bild 1 zeigt den östlichen Eingang. Man sieht den Hügel der die Überdeckung bildet und nach ca 22m ausläuft. Im Hintergrund sieht man auch heute noch Felder, auch 1940 war hier dünn besiedeltes Gebiet.

Bild 2 ist der östliche Eingang, heute angeschüttet. Eigenartig finde ich, dass der Eingang offenbar direkt (gerade) in den Gang führt. Für den Schutz vor Druckwellen wäre das sehr problematisch. Die Luftschutzanlagen die ich sonst kannte hatten bei jedem Abgang jeweils 2 gegenüberliegende Stiegen von deren gemeinsamen Boden es im rechten Winkel in den Gang führte. Eine Druckwelle wäre dadurch bei der einen Stiege "runter", bei der zweiten wieder "rauf" gelaufen ohne übermäßig in den Gang zu laufen.

Bild 3 ist ein Blick vom östlichen zum westlichen Abgang (rechts hinten), die Distanz ist 89 (!) Meter.

Bild 4 ist der westliche Abgang, auch ebenerdig zugeschüttet.

Bild 5 zeigt den westlichen Hügel, diesmal 7 - 8 Meter lang.

Bild 6 ist eine Skizze von mir um die räumliche Lage zu verdeutlich.

Ich glaube nicht, dass das eine Anlage ist, denn im Grunde wäre die ja ziemlich groß. Und für eine große Anlage waren die Abgänge doch viel zu unsicher angelegt. Warum aber hätte man zwei solche Luftschutzgräben mehr oder weniger am Feld bauen sollen? Wurden solche Anlagen eigentlich immer nach rationalen Gesichtspunkten gebaut oder gab es da so etwas wie Quoten oder sonstige Einflussnahmen?

Besonderes Kopfzerbrechen macht mir die Lage, am Ortsrand von Hirschstetten, Waagner Biro, Elin etc. ein gutes Stück ab. Eigentlich keine Fabriken in unmittelbarer Nähe um bei Fliegeralarm rechtzeitig herzukommen (für Gefährdung durch Fehlabwürfe waren sie natürlich nahe genug). Zwangsarbeiter wurden tatsächlich in solchen Luftschutzanlagen untergebracht, die waren aber im direkten Umfeld der Waagner Biro. (Zur Lage gibts noch ein Bild im nächsten Posting).

Kann da jemand etwas dazu sagen?

lg Rickie
 

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#10
@rickie

Das waren Luftschutzdeckungsgräben. Diese wurden nach Standard gebaut.
DieEingangsbereiche waren nahezu immer so ausgeführt. Nach dem Betretten biegt der Gang 90 Grad nach rechts od. links ab (Druckwellen). Die Deckenstärke war, je nach Bauausführung zwischen 8 und 40 cm.
Nochmals; das waren Luftschutzdeckungsgräben, keine Bunker. Wie der Name schon sagt, boten sie nur gegen Splitter Schutz.

Ich weis nicht was du unter Anlage verstehst.

Fix ist das dieser LSDG zumind. einen Notausgang gehabt haben muß. Dieser ist mit Sicheheit heute zugeschüttet. Theoretisch könnte jeder Eingang zu einem eigenen LSDG gehören. Wären also zwei LSDG´s.

Zur Lage: Diese LSDG wurden für die Zivilbevölkerung gebaut. Hatten also in erster Linie nichts mit Wagner Biro etc. zu tun.
Wurden erst später für die Firmen genutzt.
Die Entfernung zu Firmen wurde oft weit entfernt gewählt. Um bei Bombardierung nicht getroffen zu werden. Im Übrigen ist die Entfernung nicht allzu groß. ZB.: zu LSDG der Fa. Semperit ging man teilweise bis zu 30 min.
Wenn alles nach Vorschrift, Voralarm etc., ging (gegangen wäre) hätte man genug Zeit gehabt um die Schutzräume zu erreichen.


lg

Cerberus9
 
#11
Hallo cerberus9

> Nach dem Betretten biegt der Gang 90 Grad nach rechts od. links ab (Druckwellen).

Genau das scheint mir hier nicht der Fall zu sein. Auf Grund der Erdhügel vermute ich, dass es nur ein Stück gerade in die Erde geht, ohne Biegung. Eine rechtwinklige Röhre würde auch nicht direkt (ohne Biegung) zum anderen Ende führen. Aber den wirklichen Verlauf kann man mit Sicherheit halt nur mittels Plänen feststellen. Könnten solche noch in einem Archiv existieren (und in welchem)? Kann man den Verlauf von solchen Gängen eigentlich auch (mit vernünftigem Aufwand) mittels Sondierung feststellen?

> Ich weis nicht was du unter Anlage verstehst.

Ich hab damit nur "Bauwerk" gemeint, also dass ich bezweifle dass es ein und nicht 2 Bauwerke sind.

Schade, dass ich keine Zeitzeugen mehr auftreiben konnte.

Danke - Rickie
 
#12
@rickie

Sondierung sicherlich möglich. Aber der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Probieren könnte man es mit einem Metallsuchgerät. Falls Baustahl verwendet wurde (sicher nicht viel), und es nicht zu tief liegt könnte es gehen. Betonung liegt auf könnte.
Mit Plänen sieht es schlecht aus; ev. Baupolizei. Aber das ist nicht so einfach. Möglicherweise existiert irgenwo ein Plan.

lg

Cerberus9
 
#13
@Rickie

Kleine Skizze wie der LSDG möglicherweise ausgesehen hat. Die linke Hälfte ist Spekulation. Falls er wirklich so aussah ist er eine sehr einfache Ausführung, was den Verlauf betrifft. Ich kennen keinen anderen LSDG der derartig lange geradeaus läuft.
An der von die mit rotem x gekennzeichneten Stelle kann ich keine Anzeichen für ein Lager od. LSDG erkennen. Noch dazu war dort früher ein Wäldchen.


lg

Cerberus9
 
#15
@Rickie


An der von die mit rotem x gekennzeichneten Stelle kann ich keine Anzeichen für ein Lager od. LSDG erkennen. Noch dazu war dort früher ein Wäldchen.

lg

Cerberus9
Hallo Cerberus9
Das rote X ist aber korrekt, die Objekte sind sogar im Stadtplan eingezeichnet. Das mit dem Wäldchen ist interessant, grossflächig hätte man wohl nicht ohne Rodung bauen können. Von wann stammen die Karte/Fotos mit dem Wäldchen?

lg Rickie

Karte von www.wien.at, ViennaGIS
 

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#16
@rickie

Glaube wir reden da ein bischen aneinander vorbei was die Stelle mit dem X betrifft. Aber nicht so wichtig.
Stammen von einem allierten LUBI uuf dem auch der LSDG teilweise zu erkennen ist.

lg

Cerberus9
 
A

alleswisser1

Guest
#17
Unweit Schloss Hirschstetten

Die Anlage liegt letztlich unweit dem was einst das Schloss Hirschstetten war. Die Zerstörungen sind in diversen Threads außerhalb bereits angeführt. Der ebenfalls nahe Friedhof legt innen wie außen Zeugnis davon ab.

Wo heute diese Siedlung Eisenhof o.ä steht, da dürfte früher ebenfalls etws gestanden haben. zumindest kenne ich noch pers. Mauerreste davon.

Habe jüngst versucht nochmal zu Informationen zu kommen die ich wenn auch unbestätigt damals aus dem Bezirksmuseum mitbrachte:
Demnach wäre auf dem heutigen Reservegarten eine Art Fernmelde bzw. Funkaufklärungstruppe- oder Schule ? stationiert gewesen was ebenfalls direkt daran anschließen würde.

Ebenfalls in Hirschstetten gab/gibt es einen als Atombunker bezeichneten ebensolchen auf Privatinitiative gebauten. In den 1980er Jahren wurden sogar einmal die Woche öffentliche Führungen veranstaltet. Ein Expertenteam hat dem Bunker auch ein gutes Zeugnis ausgestellt, lediglich die Sache mit dem Rauchfang wurde als etwas kontraproduktiv bemängelt.
 
#18
Ebenfalls in Hirschstetten gab/gibt es einen als Atombunker bezeichneten ebensolchen auf Privatinitiative gebauten. In den 1980er Jahren wurden sogar einmal die Woche öffentliche Führungen veranstaltet. Ein Expertenteam hat dem Bunker auch ein gutes Zeugnis ausgestellt, lediglich die Sache mit dem Rauchfang wurde als etwas kontraproduktiv bemängelt.
Der "Atombunker" befand sich auf dem Grund des damaligen Alteisenhändlers B. der deswegen als verschrobener Sonderling belächelt wurde. Er hat auch nie aus seinen Bauarbeiten ein Geheimnis gemacht und sogar ein kleines Schaufenster mit einer Gasmaske und so gehabt. Als Kinder verkauften wir ihm öfter gefundenes Eisen (richtig gefunden, nicht so wie heute das Kupfer gefunden wird :schlecht: ). Wir haben ihn so lange sekkiert bis er für uns eine Bunkerführung machte. Das muss übrigens so um +- 1973 gewesen sein. Soweit ich mich erinnern kann war es einfach ein unterirdischer Schutzraum gegen Strahlung und Fallout für seine Familie außerhalb des Hauses. In welchem Zustand der Schutzraum heute ist, kann ich nicht sagen, aber das Mauerwerk muss auf alle Fälle noch da sein.
Er erzählte damals, dass er noch einen 2. großen "Bunker" für Kinder bauen werde, ob er das aber jemals (Teil)realisiert hat weiß ich nicht.

Liebe Grüße
Rickie
 
H

hugoelf

Guest
#20
Besonderes Kopfzerbrechen macht mir die Lage, am Ortsrand von Hirschstetten ...
Laut mündlicher Überlieferung waren in diesen Anlagen, es gab einige davon in der Gegend, Funkstationen für die Luftabwehr zum Schutz des Flughafens Wien-Aspern untergebracht. Soweit ich mich erinnern kann, gab es da ganz kurze gerade Ausführungen, die nur wenige Meter Deckenfläche besaßen; man konnte durchsehen.
 
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