#1
Hallo ans Forum
Habe gestern das Buch Die Steiermark im Dritten Reich von Stefan Karner bekommen und habe da einige Fragen und zwar schreibt er zu den Thema U Verlagerung " Die wichtigsten waren im Februar 1945 die Objekte mit den Decknamen Anna - Reininghauskeller Graz,Feldspat- Marburg , Kalzit - Weiz und Salm Aflenz " Wenn Weiz zu einen der wichtigsten U Verlagerungen gehört haben soll warum ist dann so wenig darüber bekannt ???
Gibt es Aufzeichnungen über Größe , Lage und heutigen Zustand ???
Desweiteren ist eine Auflistung ( siehe Anhang) drin über die Verlagerungsflächen und da steht einmal Gr. Peggauer Höhle 9400m und auch Felshütte Peggau 14000m .
Meine Frage dazu was war die Anlage Marmor ????
Und was wurde im Annabergtunnel 840m Gefertigt ????
Grüße Tom

Anhang ist aus den Buch -Die Steiermark im Dritten Reich von S. Karner
 

Anhänge

josef

Administrator
Mitarbeiter
#2
Hallo Tom,

Karner führt als Quelle für die Tabelle und Karte auf Seite 247 „Verlagerung steirischer Rü-Betriebe in unterirdische Räume im Herbst 1944“ eine Zusammenstellung des Bundesarchivs (BA R 3/3010) an. Ist m.E. ebenso unvollständig bzw. ungenau wie die (bekannten) fehlerhaften Auflistungen bei Wichert; „Decknamenverzeichnis deutscher unterirdischer Bauten“…

So fehlen in der Aufstellung und Skizze von Karner „Syenit“ – Kapfenberg-Deuchendorf (Böhler AG) und „Anna“ – Brauereikeller Graz Reininghaus, obwohl die Anlagen bei Wichert schon in einer Bestandsliste zum 06.07.1944 aufscheinen.

„Kalzit“ Weiz (Elin):
Scheint bei Wichert erst in einer Liste zum 15.01.1945 auf, ohne weitere Details. @Markus schreibt bei http://www.geheimprojekte.at/deckname_kalzit.html von einer alliierten Geheimdienstmeldung vom 29. November 1944 (Fertigung von Steuerungen für V1 ?, leider ohne Quellenangabe…).

“Marmor” Peggau (SDP):

Bei Wichert mehrmalige Nennung, jeweils nur ein Deckname => „Marmor“
Seite 13: „Peggauer Wand“ – Std. 06.07.1944
Seite 110: „Große Peggauer Höhle“, 9.400m²,
dann mehrfach korrigierte m²: 1.200m², 11.000m², neu 8.000m².
Steyr-Daimler-Puch 12.800 m² - Kurbelwellen, Std. 04.09.1944
Seite 133: Letzte Erwähnung zum Std. 15.01.1945, „Peggauer Wand“, Objekt Nr. 504

Ein Deckname „Felshütte“ scheint bei den Rüstungsverlagerungen von Wichert nicht auf! Ist mir aber schon irgendwo im Zusammenhang mit den LS-Stollen im Grazer Schlossberg untergekommen…

Meine Vermutung dazu: „Marmor“ in Peggau verfügte in der ersten Baustufe 9.400 m² und wurde dann sukzessive auf 12.800 m² oder 14.000 m² ausgebaut/erweitert.

„Annnabergtunnel“ bei St. Michael:
Auf Seite 246 schreibt Karner, dass der Annabergtunnel bis September 1944 noch von keiner Firma genutzt wurde.
Auch bei Wichert ist keine Firma eingetragen, nur ein irreführender Deckname => „Butt“!
Mit Stand 04.08.1944 wird unter „Unterirdische Räume – Eisenbahntunnel“ auf Seite 30 unter Position 51) der „Annabergtunnel/Leoben bei St. Michael (XVIII) – „Butt“ - 840 m², angeführt. Beim Decknamen „Butt“ liegt mit Sicherheit eine Verwechslung vor, da Bahntunnels Decknamen aus der „Vogelwelt“ hatten und „Butt“ als „Fischname“ der Kategorie „bestehende Stollenanlagen (Bergbau)“ zuordenbar ist.

Weiters kommt „Butt“ auf Seite 117 nochmals vor, diesmal richtig unter Annaberg-Niederdonau, Objekt-Nr. 173 (Altbergbau – noch nicht genau lokalisiert)!

Da einige Eisenbahntunnels nur für die Aufnahme von U-Verlagerungsbetrieben untersucht wurden und später keiner Verwendung in diese Richtung erfolgte, wieder meine persönliche Vermutung, dass auch in den Tunnel bei St.Michael kein Betrieb mehr einzog!

Soweit die Ergebnisse meiner kurzen Recherche und persönlichen Vermutungen zum Thema, vielleicht kann jemand noch mehr dazu berichten…?

Lg
josef
 
Zuletzt bearbeitet:

josef

Administrator
Mitarbeiter
#4
Hallo Rene,
zuerst einmal ein herzliches Willkommen im Forum!

Nun zur Frage:
Wie viel Info ist denn zu Kalzit/Weiz im Buch von Karner drinnen?
Sehr wenig und teilweise irreführend! Nachstehend der kurze Textauszug dazu auf S. 248:
Neben der Untertageverlagerung als eine Art der Dezentralisation spielten die Verlagerungen von Rüstungsaufträgen bis zu ganzen Betriebsteilen in behelfsmäßig eingerichtete Fertigungsstätten aufgelassener Betriebe und in größere Gutsbetriebe eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der trotz des massierten Luftkrieges hohen Fertigungsraten im Jahre 1944. Die wichtigsten waren im Februar 1945 die Objekte mit den Decknamen "Anna" - Reininghauskeller Graz), "Feldspat" (Marburg/Maribor), "Kalzit" (Weiz) und "Salm" (Aflenz).
Sonst wird im Kapitel über "Luftkrieg und unterirdische Rüstung" die Verlagerung "Kalzit" nicht erwähnt... Wie ich im Beitrag #2 schon schrieb, fehlen in einer im Buch auf der Vorseite 247 veröffentlichten Aufstellung und Skizze über die U-Verlagerungen einige Objekte... Dürfte eventuell an den verschiedenen Stichtagen der Objekt-Auflistungen liegen...?


Jedenfalls deuten die vergebenen Decknamen auf folgendes hin:

Alte Kelleranlagen -> weibliche Vornamen: "Anna" - Reininghauskeller Graz
Alte Stollenanlagen -> Fisch- u. Amphibiennamen: "Salm" - Aflenz
Neue Stollenanlagen -> Geologische Begriffe: "Kalzit" - Weiz...

Leider ist bei Karner nicht mehr zu finden. Da müsste man ins Bundesarchiv nach Freiburg oder an Unterlagen der "alten Elin" herankommen...

lg
josef
 
Zuletzt bearbeitet:
#5
Feldspat

Hoffe ich bin nicht Offtopic.

Hat wer Infos zu Produktionsverlagerung Feldspat in Marburg/Maribor ??
Was wurde verlegt?? (meine Vermutung die Produktionsstätten der Flugmotorenwerke Ostmark)
War das nur ein Projekt oder wurde es auch (zumindest in Teilen) umgesetzt??

Für info´s mache ich jetzt schon: :danke

Odessa
 
R

rmr77

Guest
#6
Hallo Josef,

danke für die rasche Antwort.

Aus Gesprächen mit Zeitzeugen (damaligen Elin-Mitarbeitern) habe ich zum Thema Kalzit nur eine Antwort erhalten: keiner glaubt die Sache, keiner weiß was.

Wie auf geheimprojekte steht, soll die Anlage ja östlich des Werksgeländes gewesen sein. Da ist zwar ein kleiner Steinbruch, aber der Hügel reicht kaum aus für ein Stollensystem brauchbarer Größe.

Mein Fazit: evtl geplant, wahrscheinlich nie umgesetzt.

lg,
rene
 
Oben