josef

Administrator
Mitarbeiter
#1
Am Gelände des ehemaligen KZ-Nebenlagers "Loibl-Nord" soll lt. einem Bericht des ORF-Kärnten endlich eine Gedenkstätte entstehen:
Gedenkstätte KZ Loibl Nord soll entstehen
Am Areal des ehemaligen Außenlagers Loibl Nord des KZ Mauthausen werden Vorarbeiten für eine Gedenkstätte geleistet. Rund 56.000 Euro sind dafür veranschlagt. Damit soll ein würdiges Gedenken ermöglicht werden. Am 8. Juni findet eine Gedenkfeier statt.

Ein vom Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška unter Peter Gstettner lang gehegter Wunsch nach grundlegenden Baumaßnahmen einer Gedenkstätte am Areal des ehemaligen Außenlagers Loibl Nord des KZ Mauthausen soll nun wahr werden.

Endstation für politische Häftlinge
Im KZ Loibl waren vor allem politische Häftlinge untergebracht: meist Franzosen, aber auch viele Polen, Russen, Jugoslawen und Deutsche. Der jüngste Tote, der erst 19 Jahre alte Claude Caniotti, starb 1944 nur drei Wochen nach seiner Ankunft im KZ Loibl Nord. Wer zu schwach oder krank war, brach zusammen, verhungerte, erfror oder wurde in die Vernichtungslager nach Mauthausen oder Auschwitz geschickt. Noch heute sind nicht alle Opfer namentlich bekannt.

Folgende Maßnahmen sollen laut Kulturreferent Wolfgang Waldner vorgenommen werden: Abtragung des Bauschuttes, Abdeckung der etwaigen archäologischen Befunde durch ein Bauvlies und Sichtbarmachen der diversen historischen Flächen, Abgrenzung des KZ-Areals durch Steinblöcke, Errichtung von sechs Wachturmsymbolen (Holzkonstruktionen) an den originalen Standorten, Zuleitung eines Stromanschlusses und regelmäßige Pflege der Wiesenflächen durch den Bauhof Ferlach.

Weitere Erforschung vorantreiben
Dafür wurden 54.600 Euro zugesagt, weitere 10.000 Euro werden in die Weiterführung der archäologischen Erforschungen und Befundungen durch das Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Wien investiert. Laut Waldner sollen die Maßnahmen auf dem Areal ein würdiges Gedenken ermöglichen. Bis Anfang Juni sollen die Baumaßnahmen beendet seint. Am 8. Juni findet eine internationale Gedenkveranstaltung statt, anlässlich des ersten Häftlingstransportes von Mauthausen nach Loibl vor 70 Jahren.
Quelle: http://kaernten.orf.at/news/stories/2565157/
 
Zuletzt bearbeitet:

josef

Administrator
Mitarbeiter
#2
KZ Loibl: Gedenkveranstaltung nach Restaurierung

Zwillings-KZ Loibl: Wende der Erinnerung
Lange verdrängt und fast vergessen: Auf dem Gelände des ehemaligen KZ Loibl im Süden von Kärnten findet am Samstag erstmals am Originalschauplatz eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des NS-Regimes statt. Das Gelände wurde erst kürzlich von Archäologen der Universität Wien freigelegt.
Die finanziellen Mittel dazu sind von der neuen Kärntner Landesregierung zur Verfügung gestellt worden, das Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie der Uni Wien hat die Arbeit verrichtet.

Außenlager des KZ Mauthausen
24,5 Kilometer schlängelt sich die Loiblpass-Bundesstraße von Klagenfurt durch das sonnige Rosental und einen idyllischen Mischwald, vorbei an Wasserfällen, bis sie in den südlichen Karawanken in einen dürftig beleuchteten Betontunnel mündet. Der Loibl-Tunnel verbindet Kärnten mit Slowenien, seine beiden Enden stehen für zwei Wege der Erinnerung.

Grabungen der Uni Wien:
Seit einigen Jahren unternimmt ein Team des Instituts für Urgeschichte und Historische Archäologie der Uni Wien sowohl in Mauthausen als auch in Nebenlagern wie Loibl Nord und Gunskirchen archäologische Ausgabungen (auch in Rechnitz, dem Ort des Massenmordes an rund 150 ungarischen Juden), um noch vorhandene Überreste wieder sichtbar zu machen und um die Funde zu sichern. "Gerade die Untersuchungen jetzt am Loibl haben besondere Ergebnisse ergeben. Wir haben nun die komplette Umzäunung gefunden und eine Erhebung des Ist-Zustandes gemacht", meinte Instituts-Vorstand Claudia Theune-Vogt gegenüber Ö1.

Überblick über die Grabungen, Uni Wien
Auf slowenischer Seite gilt seit Jahrzehnten: Gedenken. Auf Kärntner Seite galt bis vor kurzem: Verdrängen. Auf beiden Seiten des Tunnels stand von 1943 bis 1945 ein Konzentrationslager, das so genannte KZ Loibl, das Historiker mitunter als Zwillings-KZ bezeichnen.
Beim KZ Loibl handelte es sich um ein Außenlager des KZ Mauthausen in Oberösterreich. Vor 70 Jahren, am 3. Juni 1943, fand der erste Häftlingstransport auf den Loibl statt. Mehr als 1.600 Zwangsarbeiter, die meisten davon von den Nazis inhaftierte Mitglieder der französischen Resistance, aber auch Russen, Polen und Jugoslawen, mussten auf 1.400 Metern Seehöhe, bei bis zu minus 20 Grad und zwischen meterhohen Schneemassen einen Straßentunnel in den Berg schlagen.
Nicht nur die klimatischen Verhältnisse, auch die Umstände, unter denen Zwangsarbeit verrichtet werden musste, waren auf der Nordseite des Tunnels, in Kärnten noch menschenverachtender als im Süden. Wer zu flüchten versuchte, wurde erschossen. Wer zu schwach zum Arbeiten war, wurde entweder zurück nach Mauthausen transportiert, um dort umgebracht zu werden, oder am Loiblpass vom SS-Mann und Lagerarzt Sigbert Ramsauer, nach 1956 aus der Haft entlassen und zum Chefarzt des LKH Klagenfurt aufgestiegen, mittels Benzol-Spritze ins Herz getötet.

Verdrängt, vergessen, vernachlässigt
Menschenversuche, Hunger und Unterernährung, Misshandlungen und so genannte "Sportspiele", bei denen die geschwächten Insassen gegeneinander boxen mussten, standen an der Tagesordnung. An der Aufarbeitung der Geschichte des Loibl KZ zeigte die Kärntner Politik trotz jahrzehntelanger Bemühungen von Vereinen und Privatpersonen kein Interesse.

Die Gedenkveranstaltung auf der Südseite des Tunnels, in Slowenien, wo es bereits seit Jahrzehnten eine Gedenkstätte gibt, wurde in der Vergangenheit von den Kärntner Landespolitikern, beispielsweise vom ehemaligen Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler, nicht besucht. Obwohl beispielsweise im Jahr 2009 mit Bundespräsident Heinz Fischer und dem damaligen slowenischen Präsidenten Danilo Türk hochrangige Politiker anwesend waren.

Wurzelwerk, Sträucher, Bäume und Stacheldraht
Erst kürzlich wurde das Gelände des ehemaligen KZ Loibl von Archäologen der Universität Wien freigelegt, es war von Pflanzen überwuchert, hie und da stolperten Wanderer über alten Stacheldraht. Die Mittel für die Freilegung stammen aus dem Ressort von Kulturlandesrat Wolfgang Waldner, ÖVP.

"Im Land Kärnten hat sich in den vergangenen Monaten das erinnerungskulturelle Bewusstsein weiter entwickelt", sagt der Erziehungswissenschaftler Peter Gstettner von der Universität Klagenfurt, der sich seit knapp zwei Jahrzehnten mit dem Mauthausen Komitee Kärnten / Koroška um eine Gedenkstätte am Konzentrationslager Loibl bemüht.
Mit der Anschubfinanzierung von mehr als 54.000 Euro durch das Land Kärnten konnten nun die Reste von Waschbaracke, Appellplatz, Zisterne, Häftlingsblöcken und Zivillager freigelegt werden, so Peter Gstettner: "Das, was noch aussteht, ist eine würdige Gedenkstätte. Dazu gehört sicher auch, dass die Namen der am Loibl umgekommenen Häftlinge sichtbar gemacht werden - wir haben bisher 39 Namen recherchiert."

Flucht besser möglich als anderswo
Um die 40 Häftlinge des KZ Loibl starben bei den Arbeiten, wurden Opfer von Euthanasie oder bei der Flucht erschossen. Dutzende kamen nach dem Rücktransport im KZ Mauthausen um. Und dennoch: Aus keinem anderen KZ auf österreichischem Boden gelangen so viele Fluchten, wie vom KZ Loibl im deutsch-slowenischen Südkärnten.
Der Grund: Das KZ lag im Einzugsgebiet der widerständischen Partisanenbewegung, wer flüchten konnte, wurde von ihnen aufgenommen bzw. von der lokalen Bevölkerung unterstützt.


Tanja Malle, Ö1 Wissenschaft
Quelle: http://science.orf.at/stories/1719178/
 

Geist

Worte im Dunkel
Mitarbeiter
#3
Ende des Grauens: 70 Jahre KZ Loibl

Der Loibltunnel ist einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Kärnten und Slowenien. An die leidvolle Geschichte der Menschen, die ihn gebaut haben, erinnert heute - 70 Jahre danach - auf Kärntner Seite noch immer sehr wenig.

Vor 70 Jahren, im Mai 1945, ging der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation von Nazi-Deutschland zu Ende. Bereits am 16. April 45 wurde das KZ-Außenlager Mauthausen auf der Kärntner Seite des Loibl geschlossen. Die Häftlinge wurden in das Lager an die Südseite verlegt. In nur etwas mehr als einem Jahr bauten 1.350 Gefangene den Tunnel - Schwerstarbeit unter unmenschlichen Bedingungen und unter Aufsicht der SS-Wachen.

Nazis wollten Tunnel für Truppentransporte

1943 beschlossen die Nazis, die Verbindung nach Jugoslawien auszubauen - nicht über, sondern durch den Berg sollten die Truppentransporte in Richtung Balkan rollen. Für den Bau des Tunnels wurden Häftlinge aus dem KZ Mauthausen als Zwangsarbeiter eingesetzt. Untergebracht wurden diese in den Barackenlagern an der Süd- und Nordseite der Karawanken. Peter Gstettner vom Mauthausen Komitee: „Die kranken und verletzten Häftlinge wurden in der Regel nach Mauthausen zurückgebracht, dort getötet und neue Häftlinge hier angeliefert.“

SS-Arzt Ramsauer wurde später LKH-Chefarzt

Etwa 40 Häftlinge wurden in den beiden Lagern am Loibl ermordet - auf der Flucht erschossen, zu Tode gequält oder von SS-Arzt Sigbert Ramsauer bei medizinischen Versuchen umgebracht. Ramsauer wurde nach dem Krieg nach kurzer Haft sogar Chefarzt im LKH. Seine Opfer wurden in zwei Krematorien direkt im Lager verbrannt.

Gstettner: „Das Nordlager galt quasi als Strafverschärfung, darüber hinaus war es so, dass es durch diese harten Bedingungen auch für die KZ-Wächter so etwas wie eine Strafe war – und sie diese Frustration an den Häftlingen in Form sadistischer Schlägereien und Mordorgien ausgelassen haben.“

Lager Nord aus Angst vor Partisanen geschlossen

Gearbeitet wurde Tag und Nacht und rund um die Uhr. Im Dezember 1944 rollten bereits die ersten Wehrmachtsfahrzeuge durch den Loibltunnel. Weil die Nazis einen Angriff der Partisanenverbände erwarteten, wurde das KZ Außenlager Nord nur wenige Monate später geschlossen. „Die Häftlinge wurden am 16. April aus dem Nordlager in das Südlager verlegt“, so Gstettner.

Aufarbeitung dauert an

Endgültig befreit wurden die Gefangenen dann erst im Mai 45. Das KZ Süd wurde schon kurz nach dem Krieg zur historischen Gedenkstätte. In Kärnten ist man erst seit 20 Jahren dabei, eine würdige Gedenkstätte einzurichten. Ein Kunstprojekt von Georg Planer ist zumindest ein Anfang.

Publiziert am 15.04.2015
Quelle mit Bildern: http://kaernten.orf.at/tv/stories/2705529/
 

Geist

Worte im Dunkel
Mitarbeiter
#4
Gedenkfeier an KZ-Opfer auf Loiblpass

Mit einer ergreifenden Gedenkfeier ist am Samstag an die Opfer des ehemaligen Konzentrationslagers auf dem Loiblpass erinnert worden. Mehr als 1.300 Zwangsarbeiter aus dem KZ Mauthausen waren bis Kriegsende unter menschenunwürdigen Bedingungen am Bau des Loibltunnels beteiligt gewesen.

33 Zwangsarbeiter kamen vor 70 Jahren auf dem Loiblpass zu Tode. Delegationen aus Frankreich, Italien, Polen, Slowenien, Deutschland und Österreich, Partisanen- und KZ-Verbände sowie Angehörige der ehemals Deportierten und auch Politiker erwiesen den NS-Opfern am Samstag die Ehre.

Kranzniederlegung am Nordportal

Die Feierstunde begann mit einer Kranzniederlegung am Nordportal des Loibltunnels, gefolgt von einer Gedenkveranstaltung auf dem ehemaligen „Appellplatz“. Gedacht wurde jener Zwangsarbeiter, die zwischen 1943 und 1945 auf der „Baustelle des Todes“ auf dem Loiblpass erniedrigt, gequält und getötet worden waren.

Ehemaliges Opfer: Lernt aus der Vergangenheit

Einer der Überlebendes dieses Martyriums ist Stanislaw Leszczynski aus Polen. Er appellierte an die Jugend, aus der Vergangenheit zu lernen: „Sorgt dafür, dass Menschen anderen Menschen niemals wieder solch ein grauenvolles Schicksal bereiten. Bringt Toleranz, Nächstenliebe, Mitleid und Verständnis. Nur so kann es eine Garantie dafür geben, dass der Frieden in Europa stabil bleibt.“

Unter den Gästen aus dem In- und Ausland waren auch zahlreiche politische Vertreter. Kärnten wurde von Landeshauptmann Peter Kaiser vertreten, der Bund durch Sozialminister Rudolf Hundstorfer von der SPÖ. Er sagte in seiner Ansprache: „In Zeiten wie diesen, in denen der Extremismus mancherorts wieder auflebt, in denen religiös und politisch motivierter Hass von manchen geschürt wird, ist es so notwendig wie eh und je, auf der einen Seite die Vergangenheit aufzuarbeiten, Schicksale aufzuzeigen und mit diesem Wissen in eine Zukunft zu schreiten, in der die Würde der Menschen außer Frage steht.“

Mauthausen Komitee: Noch keine Gedenkstätte

Das Mauthausen Komitee Kärnten/Koroska setzt seit Mitte der 1990er Jahre durch Initiativen wie der Gedenkfeier auf dem Loiblpass Zeichen gegen das Verdrängen der NS-Gräueltaten. Dass es nach wie vor keine angemessene Gedenkstätte auf dem Loiblpass gebe, liegt für Peter Gstettner vom Mauthausen Komitee nicht an der Finanzkrise: „Weil wir uns in einer tiefgreifenden moralischen Krise befinden, wurden zwar Banken gerettet, aber noch keine würdige Gedenkstätte hier errichtet. Dabei geht es nicht um große Investitionen, sondern eher um symbolische Zeichen.“

In Kokons eingesponnene Seelen

Bis dahin erinnert das Kunstwerk mit dem Titel „Ein Grab in den Lüften“ von Bernadette Grabner in Anlehnung an die „Todesfuge“ Paul Celans an die Seelen der Verstorbenen, die symbolisch in Kokons eingesponnen in einer Baumkrone, unweit des ehemaligen KZ Loibl, darauf warten, endlich befreit zu werden.

Publiziert am 13.06.2015
Quelle: http://kaernten.orf.at/news/stories/2716026/
 

Geist

Worte im Dunkel
Mitarbeiter
#5
Gedenken beim KZ Loibl: Appell für Europa

Die Rede des slowenischen Ex-Staatspräsidenten Milan Kucan bei der Gedenkfeier am Samstag auf dem Gelände des ehemaligen KZ Loibl-Nord war ein glühender Appell für ein friedliches Europa gegen einen Rechtsruck. Auch Peter Kaiser (SPÖ) sprach Mahnworte.

„Erinnern statt vergessen“: Unter diesem Motto lud das Mauthausen Komitee Kärnten/Koroska auf das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Loibl-Nord an der Grenze zwischen Kärnten und Slowenien ein. Menschen seien auf diesem Platz wie herrenlose Sklaven behandelt und getötet worden, sagte der Historiker Peter Gstettner.


KZ Loibl
ORF

„Gegen den Verlust des historischen Gedächtnisses“

71 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges erinnerten am Samstag Zeitzeugen und Historiker an die Gräueltaten des Nationalsozialismus. In Zeiten, da rechte Parteien europaweit auf dem Vormarsch sind und rechtsradikale Gewaltaktionen zunehmen, verfasste der erste slowenische Staatspräsident, Milan Kucan, in seiner Festrede einen glühenden Appell für ein friedliches Europa.

Kucans Redeausschnitt in deutscher Übersetzung: „An dieser Stelle sind wir verpflichtet, zu protestieren gegen die mangelnde Sensibilität und den Verlust des historischen Gedächtnisses. Weil wir die Idee eines vereinten und freien Europas verwirklichen wollen, weil wir der Zivilisation des Friedens, der Toleranz, der Akzeptanz und des gegenseitigen Respekts Raum geben wollen, müssen wir der Feindseligkeit und den nationalen Egoismen eine klare Absage erteilen.“


ORF/Bernd Radler

Mahnworte von LH Kaiser

Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) will seine Grußworte als Mahnworte verstanden wissen: Zwei Tage nach dem Eindringen einer rechtsextremen Gruppe in einen Hörsaal der Klagenfurter Uni oder nach Drohungen gegen die Wasserrettung, weil sie Flüchtlinge das Schwimmen lehren: „Ereignisse, auch wenn sie hier und da verniedlicht werden, sind in ihrer Wirkung etwas, was schon einmal dagewesen ist. Wehret den Anfängen.“

"Demokratie ist täglich neu zu lernen“, zitierte Kaiser den Philosophen Oskar Negt und rief dazu auf, sich als Lehrer zu Demokratie und Menschlichkeit zu erweisen.

Zwangsarbeit bis zum Tod

Am Loiblpass mussten von 1943 bis 1945 Deportierte vieler Nationen aus dem KZ Mauthausen den Tunnel graben, durch den heute die Autos fahren. Die Veranstaltung will alljährlich ein deutliches Zeichen gegen das Vergessen und Verdrängen setzen, um diesen NS-Verbrechensort stärker im kulturellen Gedächtnis der Bevölkerung zu verankern. Sie will Grenzen überschreiten und Generationen und Völker verbinden.

Internationale Solidarität beschworen"

Daniel Simon (vom Amicale de Mauthausen, Paris) ortet den Vormarsch der Extremrechten. Er erinnerte an den Schwur von KZ-Überlebenden, der so laute: „Der vieljährige Aufenthalt im Lager hat in uns das Verständnis der Völker vertieft. Es lebe die internationale Solidarität“. Nichts dürfe über dem Wert der menschlichen Brüderlichkeit stehen, so Simon.


ORF/Bernd Radler

Zeitzeuge will Vermächtnis weitergeben

Dusan Stefancic war bei der Gedenkveranstaltung einer der letzten Zeitzeugen, er überlebte mehrere Konzentrationslager. Er sagte, dass die Überlebenden der KZ heute kaum mehr in der Lage seien, ihren Kampf gegen rechtsextremes Gedankengut fortzuführen. „Sie werden daher ihr Vermächtnis und ihren Auftrag für eine offene und tolerante Gesellschaft an die europäische Jugend weitergeben“. Er bedauerte, dass wir in Zeiten leben, in denen die menschliche Solidarität schwindet.

Drei Jugendliche des österreichischen Auslandsdienstes übernahmen diesen Auftrag. Sie sind europaweit unterwegs, gegen das Vergessen und für ein friedliches Miteinander.
Quelle: http://kaernten.orf.at/news/stories/2779731/
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#6
Loibl-Gedenkstätte: Kritik an „Sarkophag“
Eine Betonummantelung der historischen Grundmauern einer Waschbaracke im ehemaligen NS-Konzentrationslager Loibl Nord sorgt für Kritik. Das Mauthausen Komitee Kärnten spricht von „zudecken statt aufdecken“ und will die Präsentation boykottierten.
Der Betonsarkophag wurde vor zwei Wochen fertig gestellt. Er ummantelt laut Normen des Denkmalschutzes die Mauerreste der Waschbaracken am Gelände des KZ Loibl Nord. Sie wurden zu Zeiten der Nazi-Herrschaft stille Zeugen, als im Außenlager von Mauthausen 40 Tunnel-Arbeiter zu Tode geschunden oder ermordet wurden.

„Fundament wie bei einem Bungalow“

Heftige Kritik an der Betonummantelung kam am Mittwoch vom Mauthausen Komitee Kärnten/Koroska. Vorstandsmitglied Peter Gstettner sagte gegenüber dem ORF, dass „man sich jetzt eigentlich gar nichts mehr vorstellen kann“. Das sei ein Betonfundament wie es für jeden x-beliebigen Bungalow hergestellt werde, so Gstettner weiter. „Damit werden wir der Möglichkeit beraubt, diese historischen Relikte her zu zeigen und sie zu erklären.“


Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška, Obmann Peter Gstettner
Sorgt für Kritik: Die Betonummantelung der ehemaligen Waschküche

Das Komitee wird die vom Bundesdenkmalamt veranstaltete Einweihung am kommenden Samstag geschlossen boykottieren, so Gstettner. Er kündigte aber an, stille Beobachter zu schicken.

Permanenter Schutz erforderlich
Der angekündigte Boykott mache ihn betroffen und traurig, sagte Stephan Matyus, der das Gedenkbüro in der zuständigen Bundesanstalt KZ-Gedenkstätte Mauthausen leitet. Die Bundesanstalt erteilte den Auftrag für die Betonummantelung. Für Matyus sei der Sarkopharg eine gute Kompromisslösung. „Es geht darum, dass man einen permanenten Schutz historischer Bausubstanz braucht.“ Bei Bedarf - wenn etwa ein Pavillon errichtet werden würde - dann könne man den Sarkophag auch wieder entfernen. „So gesehen erscheint mir die Ummantelung sinnvoll und als durchaus gelungen“, sagte Matyus.

Sarkophag kostete 80.000 Euro
Die Bundesanstalt und das Land Kärnten haben zu gleichen Teilen 80.000 Euro für den Sarkophag investiert. Eine Erweiterung der Gedenkstätte in den nächsten Jahren sei angedacht, heißt es. Ob sich das Mauthausen Komitee Kärnten Koroska daran beteiligt, ist momentan offen. Zur Feier am kommenden Samstag wird die zuständige Staatssekretärin Karoline Edtstadler erwartet.

Publiziert am 27.09.2018
Loibl-Gedenkstätte: Kritik an „Sarkophag“
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#8
Kunstinstallation als Mahnmal am Loiblpass
Unter dem Motto „Unvergessen - Ungebrochen“ ist eine sechs Meter hohe Kunstinstallation am Loiblpass eingeweiht worden. Das Mahnmal des japanisch-deutschen Künstlers Seiji Kimoto soll an die Sklavenarbeit von KZ-Häftlingen erinnern.
Die Kunstinstallation wurde am Mittwoch, am Loibl Nord, im Rahmen eines Festaktes eingeweiht. Das künstlerische Objekt soll an die Sklavenarbeit der KZ-Häftlinge von Mauthausen beim Tunnelbau am Loibl 1943 bis 1945 erinnern und nicht nur die Toten unvergessen machen, sondern auch die Gräueltaten und Experimente, derer sie zum Opfer fielen, hieß es in einer Aussendung des Landes. Ab März 1943 wurden auf beiden Seiten des Tunnels Konzentrationslager für den Tunnelbau errichtet. 1.800 Häftlingen mussten den Tunnel durch die Karawanken, der Grenze zwischen Slowenien und Österreich, graben. Dabei wurden etwa 40 Insassen zu Tode geschunden oder vorsätzlich ermordet.


ORF
Die Kunstinstallation erinnert an die Sklavenarbeit von KZ-Häftlingen

Seiji Kimoto: Friedensprojekt Europa verteidigen
Die Kunstinstallation von Seiji Kimoto ist nicht nur ein Nachdenk-Geschenk an das Land Kärnten, sondern auch eines an die Alpen-Adria-Region und ihr internationales Publikum. Das heutige Europa müsse laut Kimoto das gemeinsame Friedensprojekt gegen die nationalistischen Egoismen und Angriffe verteidigen, die die EU zu zerstören versuchen.


ORF
Der japanisch-deutsche Bildhauer Seiji Kimoto schenkte die Installation dem Land Kärnten

An der Feier nahmen neben Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) der Botschafterin Sloweniens in Wien, Ksenija Skrilec, des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland, Johannes Konrad Haindl, Klagenfurts Stadtrat Franz Petritz, des Künstlers selbst und der Initiators des Projektes, Peter Gstettner, teil.

Dunkles Kapitel in Vordergrund rücken
Manfred Morokutti vom Mauthausen Komitee betonte in seiner Begrüßung, dass die Installation „ein weiterer Schritt sei, das dunkle Kapitel des Landes in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken“.


ORF
Gedenkfeier am Loiblpass

Kaiser: Bereitschaft, niemals zu vergessen
LH Kaiser sagte, dass die Installation „wohl die wichtigste Schenkung an das Land Kärnten sei und die Übergabe der Kunstinstallation eine der bedeutendsten Erinnerungsveranstaltungen sei“. Kaiser erinnerte auch daran, dass das Bewusstsein für eine Erinnerungskultur erst stieg, als das Bekenntnis Österreichs, nicht nur Opfer des NS-Regimes zu sein, sondern auch Täter. „Damit wurde die Bereitschaft zu gedenken, niemals zu vergessen und eine Erinnerungskultur zu pflegen, erst Teil der Gesellschaft.“

Auch Botschafter Haindl betonte, dass diese Installation eine Mahnung sei, niemals zu vergessen, denn die Botschaft „Nie mehr wieder“ habe nichts an Aktualität verloren. „Und Patriotismus ist ganz etwas anderes als Nationalimus“, so Haindl.

Publiziert am 23.05.2019
Kunstinstallation als Mahnmal am Loiblpass
 
Oben