Krieg in Europa: Angriff Russlands auf die Ukraine

josef

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#81
ORF - Liveticker zu den Kämpfen in der Ukraine - Teil 9:
Fortsetzung von Beitrag #75:

25.10.: Ukraine: Kiews Kampf gegen iranische Drohnen

26.10.: Vom Schreibtisch aus: Putin wohnt Atomwaffenübung bei

27.10.: Westliche Satelliten als „Ziel“?: Moskau baut Drohkulisse weiter auf

28.10.: Video: Ukrainische Soldaten bereiten sich auf Winter vor: "Es ist die Hölle"

29.10.: 300.000 Reservisten: Kiew erwartet weitere Mobilisierung Moskaus

30.10.: Getreidedeal gekippt: Ukraine fordert Konsequenzen

31.10.: Kiew zu großen Teilen ohne Strom und Wasser

01.11.: Video: Elon Musks Starlink-Internet bringt Ukraine Vorteil im Drohnenkrieg

02.11.: Ukraine: Russland kehrt zu Getreideabkommen zurück

04.11.: Putin will inhaftierte Schwerverbrecher in die Ukraine schicken

05.11.: Abzug oder Falle: Rätseln über russische Strategie für Cherson

07.11.: Cherson: Kachowka-Staudamm laut Moskau beschädigt

08.11.: Ukraine: Gespanntes Warten in Cherson

09.11.: Cherson: Russland ordnet Abzug von Truppen an

10.11.: Cherson: Russischer Rückzug ruft Skepsis hervor

11.11.: Cherson: Russische Armee meldet kompletten Abzug

12.11.: Cherson befreit: „Historischer Tag“ für Ukraine

14.11.: Kreml erbost: Selenskyj feiert in Cherson Rückeroberung

15.11.: Wohnhäuser getroffen: Raketen auf Kiew und andere Großstädte

16.11.: Explosion in Polen: Rakete laut USA wohl nicht aus Russland

17.11.: Querschläger aus Ukraine: Raketentreffer in Polen kein NATO-Bündnisfall

18.11.: Ukraine: Dnipro dürfte länger Front bleiben

19.11.: Absage an Gespräche: Ukraine gegen „kurze Waffenruhe“

20.11.: US-Medien: Russland baut Kamikazedrohnen mit Iran

22.11.: Cherson: Umzug in „sicherere Regionen“ empfohlen

23.11.: Luftalarm in Ukraine: Auch Kiew unter Beschuss

24.11.: „Schlimmster Winter“: Wärmestuben sollen Leid in Ukraine lindern

Fortsetzung siehe Teil 10 -
Beitrag # 83
 
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#82
KRIEGSGRÄUEL
UN-Menschenrechtsbüro in Genf untersucht Videos nach Vorwürfen von Kriegsverbrechen
Videos zeigen laut russischer Seite die Erschießung sich ergebender Kämpfer durch ukrainische Soldaten. Laut Kiew setzten sich die Soldaten zur Wehr. Indes sorgt sich die IAEA um das AKW Saporischschja

Die grausamen Szenen in den Tötungsvideos sollen sich in dem ostukrainischen Dorf Makijiwka in Luhansk zugetragen haben. Es wurde Mitte November von der ukrainischen Armee zurückerobert.
Foto: AP

Seit Beginn des russischen Krieges in der Ukraine ist die Sorge wegen eines nuklearen Zwischenfalls in einem der von Russland besetzten Atomkraftwerke groß – insbesondere im AKW Saporischschja, das seit dem Wochenende wieder in den Schlagzeilen ist. Derweil hat die Uno angekündigt, umstrittene Tötungsvideos zu untersuchen. Ein Überblick über die Ereignisse am 271. Kriegstag:

  • Grauenhafte Videos: Seit Tagen zirkulieren in sozialen Medien Aufnahmen aus der ostukrainischen Stadt Luhansk, die laut einem aktuellen Bericht der "New York Times" authentisch sind. In einem der Videos liegen sich ergebende russische Soldaten unter ukrainischer Bewachung auf dem Boden hinter einem Bauernhof im Dorf Makijiwka, dann eröffnet ein aus dem Haus stürmender Mann das Feuer. Ein weiteres zeigt Leichen in einer Blutlache. Moskau spricht von Kriegsverbrechen. Kiew widerspricht: Der Mann, der das Feuer eröffnet habe, sei ein russischer Soldat gewesen. Die Ukrainer hätten sich verteidigt. Das UN-Menschenrechtsbüro von Hochkommissar Volker Türk untersucht die Videos nun jedenfalls. Das sagte eine Sprecherin am Freitag zu Reuters. Laut Genfer Konvention bzw. humanitärem Völkerrecht ist die Tötung von Menschen, die nicht mehr an Kampfhandlungen teilnehmen, ein Kriegsverbrechen.

  • Orte des Grauens: Nach dem Rückzug russischer Besatzer aus dem südukrainischen Cherson meldet Kiew die Entdeckung von vier russischen Folterstätten. In den Gebäuden hätten die russischen Besatzer Menschen illegal festgehalten und brutal gefoltert. Seit der Befreiung Chersons durch die ukrainischen Streitkräfte am 11. November hat Kiew wiederholt russische "Kriegsverbrechen" und "Gräueltaten" in der Region angeprangert.

  • Kämpfe verlagern sich nach Cherson-Rückzug gen Osten: Die aktuellen Kämpfe konzentrieren sich nach britischen Geheimdienstangaben nun auf Swatowe im Osten des Landes. Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete jüngst von schweren Kämpfen in der Ostukraine: "Die heftigsten Gefechte finden nach wie vor in der Region Donezk statt."

  • Spiel mit dem Feuer: Das AKW Saporischschja ist nach Angaben beider Kriegsparteien am Wochenende erneut beschossen worden. Rafael Grossi, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), sprach von "Glück", dass es nicht zu einem potenziell schweren nuklearen Zwischenfall gekommen ist. Wer das Atomkraftwerk mit Artillerie beschieße, "spiele mit dem Feuer", warnte Grossi vor neuerlichem Beschuss. Sein Team wollte am Montag die Schäden der letzten Angriffe inspizieren. Moskau macht Kiew verantwortlich. Die Ukraine hat die Nato zum Schutz der Atomkraftwerke des Landes vor russischer Sabotage aufgerufen.

  • Mahnende Worte: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat Parlamentarier aus den Bündnisstaaten vor nachlassendem Engagement für die Ukraine gewarnt. Er wisse, dass die Unterstützung der Ukraine mit Kosten verbunden sei und dass viele Menschen unter steigenden Kosten für Energie und Lebensmittel litten, sagte Stoltenberg bei einer Plenarsitzung der Parlamentarischen Versammlung der Nato in Madrid. Würde Russland den Krieg gewinnen, wäre der Preis allerdings noch höher, warnte er. Stoltenberg rechnet außerdem mit einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben über das bislang geltende Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. "Jeder sieht jetzt die Notwendigkeit für mehr Ausgaben", sagte er angesichts des Krieges in der Ukraine.

  • Luftraum über Polen: Unterdessen will Polen zusätzliche Patriot-Luftabwehrsysteme an der Grenze zur Ukraine in Stellung bringen. Das teilte Warschau in Bezugnahme auf ein entsprechendes Angebot aus Deutschland mit, wonach Berlin Polen bei der Absicherung seines Luftraums mit Eurofightern und Patriot-Luftverteidigungssystemen unterstützen könnte. Vergangenen Mittwoch war eine verirrte Rakete in Polen abgestürzt, dabei starben zwei Menschen. Diese scheint nach aktuellem Wissensstand eher von der ukrainischen Luftverteidigung abgefeuert worden zu sein – nicht von russischer Seite.

  • Gefährliche Nachbarschaft: Deutschland hat bei einer Moldau-Konferenz in Paris zusätzliche Hilfen der deutschen Bundesregierung in Höhe von gut 32 Millionen Euro zugesagt. Laut Frankreich kann die Republik Moldau wegen der russischen Angriffe auf die Infrastruktur in der Ukraine keinen Strom mehr aus dem Nachbarland beziehen. Zudem habe Russland seine Gaslieferungen nach Moldau stark eingeschränkt. Im Westen besteht die Sorge, dass Russland Moldau als Teil seiner Einflusszone beanspruchen könnte.
  • (fmo, Reuters, APA, 21.11.2022)
UN-Menschenrechtsbüro in Genf untersucht Videos nach Vorwürfen von Kriegsverbrechen
 

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#83
ORF - Liveticker zu den Kämpfen in der Ukraine - Teil 10:
Fortsetzung von Beitrag #81:


26.11.: Angriffe auf Infrastruktur: Moskau bricht wohl Völkerrecht

27.11.: Ukraine: Wieder schwere Angriffe auf Cherson

28.11.: Kälte, Schlamm, Krankheiten: Bachmut „wie Verdun 1916“

29.11.: „Kälte als Waffe“ Russlands: NATO plant Winterhilfen für Ukraine

03.12.: Ukraine: Russland erntete Weizen in Milliardenwert

04.12.: Ukraine: UNHCR rechnet mit mehr Binnenvertriebenen

05.12.: Symbolischer Akt: Putin fährt mit Auto über Krim-Brücke

06.12.: Russland: Ukraine attackiert russische Militärflughäfen

11.12.: Kämpfe im Osten: Ukraine sieht russische Taktikänderung

12.12.: Stadt ohne Strom: Lage in Odessa „sehr schwierig“

13.12.: Kampf verweigert: Drakonische Strafen für russische Soldaten

14.12.: Explosionen in Kiew: Ukraine meldet Drohnenabschuss

16.12.: Ukraine: Stromausfälle nach russischen Angriffen

19.12.: Probleme an der Front: Moskau schickt „kreative Brigaden“

20.12.: Drohkulisse oder Angriffsplan?: Belarus für Ukraine kaum einschätzbar

21.12.: Bachmut: Russen rücken in „östliche Festung“ vor

22.12.: Militärbasen wachsen: Russland rüstet in der Arktis stark auf

26.12.: Kiew meldet über 30 Raketen: Cherson erneut unter russischem Beschuss

29.12.: Charkiw bis Odessa: Schwere Raketenangriffe auf Ukraine

30.12.: Mehr Anschläge: Putin erhöht Strafen für Sabotage

31.12.: Russische Angriffe: Erneut Raketenhagel auf Kiew

Fortsetzung siehe Teil 11 -
Beitrag # 84
 
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#84
ORF - Liveticker zu den Kämpfen in der Ukraine - Teil 11:
Fortsetzung von Beitrag #83:

2023

01.01.: Ukraine: Drohnenangriffe in der Silvesternacht

02.01.: Ukraine-Krieg: Experten erwarten Waffenstillstand für 2023

03.01.: Rumoren in Russland: Kiew meldet nächsten erfolgreichen Schlag

04.01.: Viele Tote bei Angriff: Moskau gibt eigenen Soldaten Mitschuld

05.01.: Reisner: „Ukraine-Krieg ist Abnutzungskrieg“

06.01.: Panzer für Ukraine: Westen erhöht Einsatz

07.01.: Feier in Kiewer Höhlenkloster: Orthodoxe Weihnacht im Zeichen des Krieges

08.01.: „Waffenruhe“ vorbei: Explosionen in Charkiw

11.01.: Bachmut und Soledar: Russische Fortschritte mit unklarem Ziel

12.01.: Moskau: Rätseln über Motive für Kommandowechsel

13.01.: Soledar: Moskau meldet Einnahme – Kiew dementiert

14.01.: Ukraine: London prescht mit Panzerlieferung vor

15.01.: Mehr als 20 Tote: Kiew nennt Angriff auf Hochhaus „Terror“

16.01.: NATO-Chef: Mehr Waffen für Kiew „in naher Zukunft“

17.01.: „Kein Konflikt“: Kreml-Schlingerkurs mit Wagner-Gruppe

18.01.: Hubschrauberabsturz bei Kiew: Suche nach Absturzursache läuft

19.01.: Vor Ukraine-Treffen: Tauziehen um Panzer in heißer Phase

20.01.: Waffen für Ukraine: Weichenstellung in Ramstein

21.01.: Deutsche Kampfpanzer: Kiew kündigt Leopard-Training in Polen an

22.01.: Korruption und Streitigkeiten: Selenskyjs schwere Probleme in der Ukraine

23.01.: Panzer für Ukraine: Polen beantragt in Berlin Liefererlaubnis

25.01.: Leopard, Abrams, Challenger: Panzerallianz für Ukraine zeichnet sich ab

26.01.: Ukraine-Krieg: Opferzahlen im „Nebel des Krieges“

27.01.: Panzer für Ukraine: Auch Kampfjets kein Tabu mehr

29.01.: Raiffeisen und UniCredit betroffen: Ukrainische Sanktionen gegen ‚Kriegshelfer‘

Fortsetzung siehe Teil 12 -
Beitrag # 93
 
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#85
UKRAINE-KRIEG
Marder, Bradley und der AMX-10: Was können die Panzer für die Ukraine?
Die ukrainischen Streitkräfte werden mit amerikanischen und deutschen Schützenpanzern sowie einem leichten französischen Panzer ausgestattet. Doch Panzer ist nicht gleich Panzer


Deutschland liefert den Marder an die ukrainischen Streitkräfte.
Foto: FABIAN BIMMER, Reuters

Plötzlich ist alles anders: Monatelang weigerte man sich im Westen, Panzer an die Ukraine zu liefern, jetzt haben die USA, Deutschland und Frankreich angekündigt, schwereres Kriegsgerät zur Verteidigung der Ukraine vor dem russischen Angriff zur Verfügung zu stellen. Während die USA und Deutschland mit dem Bradley beziehungsweise Marder erprobte Schützenpanzer liefern, schickt Frankreich mit dem AMX-10 RC einen eher exotischen leichten Panzer. Doch worin liegen die Unterschiede? Was können die drei Fahrzeuge? Eine kurze Erklärung.

Der Marder, das Eisenschwein

Der Schützenpanzer Marder der deutschen Bundeswehr.
Foto: imago images/Sven Eckelkamp

Das längstgediente Militärfahrzeug des Trios ist der deutsche Marder, von Bundeswehrsoldaten auch liebevoll Eisenschwein genannt. In den 60er-Jahren konzipiert, ist der Marder der Prototyp eines Schützenpanzers des Kalten Krieges. Er wurde dazu entwickelt, mit dem Leopard-Kampfpanzer mitzuhalten und Infanterie ins Gefecht zu bringen und zu unterstützen. Der Marder hätte durch den Puma abgelöst werden sollen, nachdem jüngst aber gravierende Probleme mit dem neuen Hightech-Schützenpanzer der Bundeswehr auftraten und 18 von 18 eingesetzten Pumas während einer Übung ausfielen, muss der Marder wohl noch einige Zeit mithalten.

Der Marder ist mit 33 Tonnen auch deutlich leichter als der M2 Bradley. Auch wenn der Marder technisch nicht mehr der modernste Schützenpanzer ist, kann er es doch mit den russischen BMP-1 und BMP-2 aufnehmen. Und er hat einen weiteren Vorteil: Er ist in relativ großen Mengen verfügbar, so hat die Bundeswehr noch etwa 370 Stück im Einsatz. Der Marder verfügt über eine 20-mm-Maschinenkanone von Rheinmetall, die gegen ungepanzerte Ziele auf bis zu 2.000 Meter effektiv ist. Ab der Variante A3 verfügt der Marder auch über die Möglichkeit, Lenkwaffen vom Typ Milan abzufeuern. Die in die Ukraine gelieferte Variante dürfte aber nicht über Raketenbewaffnung verfügen. Deutschland wird 40 Marder, voraussichtlich in der Variante 1A3, an die ukrainischen Streitkräfte liefern.

Der Bradley, das Rückgrat der US-Armee

Der M2 Bradley
Foto: Baderkhan Ahmad

Wie der Marder ist auch der M2 Bradley ein Schützenpanzer, also ein Infantry Fighting Vehicle. Im Gegensatz zum Marder ist der Bradley gut ein Jahrzehnt jünger, aber dennoch eine Entwicklung des kalten Krieges. Der Bradley sollte den stark veralteten Schützenpanzer M113 ablösen und dabei gleichzeitig in der Lage sein, seine sowjetischen Konterparts auszuschalten. Dazu wurde der Bradley mit einer 25 mm Maschinenkanone des Typs Bushmaster ausgestattet, die sowjetischen BMP-1 und BMP-2 Schützenpanzer frontal durchschlagen kann. Die Bewaffnung ist stabilisiert, was bedeutet, dass der Richtschütze das Ziel beibehalten und bekämpfen kann, auch wenn das Fahrzeug in voller Bewegung ist. Eigentlich sollte der Bradley schon bei der US-Armee schon ausgemustert werden, aber die Nachfolgesuche gestaltet sich extrem schwierig, wie man hier nachlesen kann.

Der Bradley kann auch Kampfpanzern wie den russischen T-72, T-80 oder T-90 gefährlich werden, wenn die dünnere Seiten- oder Heckpanzerung getroffen wird. Für den Einsatz gegen Kampfpanzer ist allerdings ein TOW-Lenkflugkörper im Einsatz. In den Feldzügen im Irak konnte sich der Bradley auch ohne Unterstützung durch M1-Abrams-Kampfpanzer dank der Lenkraketen gegen russische T-72 gut durchsetzen.

Die aktuellste Variante des Bradley ist die A4 mit verbesserter Mobilität, leichteren Bauteilen sowie besseren elektronischen Kommandosystemen. Dieses Modell wird aber erst an die US-Armee geliefert, es ist daher unwahrscheinlich, dass die fortschrittlichere Variante des Bradley in der Ukraine auftaucht. Als wahrscheinlicher gilt, dass Bradleys in der Variante A2, wie sie während "Operation Desert Storm" im Jahr 1990 eingesetzt wurden, an die Ukraine geliefert werden.

Der AMX-10, der Exot

Der AMX-10 RC
Foto: APA/AFP/FRANCOIS NASCIMBENI

Während der Marder und der Bradley ganz klassische Schützenpanzer sind und Infanterie transportieren, sorgt der französische AMX-10 RC für etwas mehr Verwirrung. Wegen seiner schweren Bewaffnung mit einer 105-mm-Kanone wird er oft mit einem Kampfpanzer verwechselt. Tatsächlich handelt es sich um einen Spähpanzer, der sich aber auch in einem Begegnungsgefecht während dieser Aufgabe behaupten kann. Mit nur 16 Tonnen Gewicht ist der AMX-10 RC der leichteste Vertreter des Trios. Und: Der AMX-10 RC ist kein Battle-Taxi, wie Schützenpanzer gerne bezeichnet werden.

Die Panzerung schützt den AMX gegen russische Maschinenkanonen und panzerbrechende Geschoße bis 14,5 Millimeter. Die Kanone des leichten französischen Panzers kann auch Kampfpanzern sowjetischer Bauart wie dem in der Ukraine am häufigsten eingesetzten T-72 gefährlich werden. Jedoch ist die Waffe nicht stabilisiert, was gezieltes Feuer aus der Bewegung deutlich erschwert. Der AMX-10 wurde in Kampfeinsätzen im Tschad, während Operation Desert Storm 1991, im Kosovo, in Afghanistan sowie im Mali-Konflikt erfolgreich eingesetzt. Der aus den 70er-Jahren stammende AMX soll in den kommenden Jahren durch den EBRC Jaguar ersetzt werden.
(Peter Zellinger, 9.1.2022)
Marder, Bradley und der AMX-10: Was können die Panzer für die Ukraine?
 

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#86
UKRAINE-KRIEG
Großbritannien will nun auch Kampfpanzern des Typs Challenger 2 liefern:
Leopard und Challenger: Der Mythos "Kampfpanzer" erklärt - was ist ein Hauptkampfpanzer, wer bedient ihn, und wozu dient er? Eine Vorstellung der deutschen und der britischen Waffensysteme

Leopard 2 der spanischen Streitkräfte während einer Nato-Übung 2022.
Foto: INTS KALNINS, Reuters

Großbritannien will Kampfpanzer an die Ukraine liefern, das bestätigte ein Sprecher von Premierminister Rishi Sunak am Samstag. Deutschland ziert sich noch, doch kommt die Regierung von Olaf Scholz (SPD) zunehmend unter Druck, Leopard-2-Kampfpanzer zur Verfügung zu stellen. Doch was sind der Leopard 2 und der Challenger 2 überhaupt?

Es handelt sich bei beiden Modellen um einen sogenannten Hauptkampfpanzer, im Nato-Jargon Main Battle Tank. Auch wenn es in manchen Ländern wie Schweden andere Auslegungen gibt, ist ein Hauptkampfpanzer üblicherweise ein gepanzertes Fahrzeug, das sich mithilfe von Gleisketten bewegt und über einen drehbaren Turm verfügt.

Seine Aufgabe besteht hauptsächlich darin, andere Panzer zu bekämpfen, Stichwort "Duellfähigkeit", auch wenn die Unterstützung von Infanterie ebenfalls ein Einsatzzweck sein kann. Anders als bei Schützenpanzern gehört es aber nicht zum Job von Kampfpanzern, Soldaten auf das Schlachtfeld zu bringen.

Vierköpfige Besatzung mit eigenen Aufgaben
Beide Panzer werden von einer vierköpfigen Besatzung gesteuert: Fahrer, Ladeschütze, Richtschütze und Kommandant. Das ist um eine Person mehr, als die ukrainischen Streitkräfte gewöhnt sind, denn die T-72 und T-80 oder deren Abwandlungen verzichten auf den Ladeschützen und setzen stattdessen auf ein automatisches Ladesystem. In den meisten westlichen Panzern ist hingegen ein viertes Crewmitglied an Bord, vor allem, weil es nicht schadet, noch ein Paar Hände zusätzlich dabeizuhaben, die mit anpacken können. So bedient der Ladeschütze auch das Turm-MG beider Panzer im Standardkaliber 7,62 mm.

Die eigentliche Rolle des Ladeschützen ist aber deutlich anstrengender: Er muss die rund 20 Kilo schwere 120-mm-Munition aus dem Bunker im Turm holen und die Kanone laden – alles, während der Panzer durch ruppiges Gelände fährt. Ladeschützen übernehmen aber auch noch andere Rollen: So gehört es in der britischen Armee unter anderem zu dessen Auftrag, Tee zu kochen, weshalb der Challenger 2 über einen eigenen Teekocher verfügt. In Österreich ist der Ladeschütze übrigens für die Zubereitung des Kaffees zuständig, wie man beim Bundesheer erklärt.

Der Richtschütze ist hingegen für die Bedienung der Kanone sowie des parallel montierten Maschinengewehrs verantwortlich, während der Kommandant die Ziele vorgibt und den Überblick über das Geschehen behält und auch den Fahrer anweist.


Der Leopard 2A4, wie er auch vom österreichischen Bundesheer verwendet wird. Dieser ist mit 55 Tonnen deutlich leichter als die Nachfolgerversionen. So wiegt der 2A7V 66,5 Tonnen.
Foto: APA, dpa

Österreichs Bundesheer

Schneller Leopard, langsamer Challenger
Der Leopard 2 gehört dank des 1.500 PS starken Dieselmotors zu den schnelleren Vertretern seiner Art: Dieser lässt das bis zu 62 Tonnen schwere Fahrzeug auf rund 70 km/h beschleunigen, im Gelände liegt dieser Wert aber oft deutlich darunter. Der Challenger 2 ist dagegen deutlich langsamer. Obwohl er ähnlich schwer ist wie der Leopard 2, wird er nur von einem 1.200-PS-Motor angetrieben, was ihm eine Geschwindigkeit von maximal 59 km/h verleiht.

Die Panzerung beider Waffensysteme ist geheim, wobei nur bekannt ist, dass es sich um sogenannte Verbundpanzerung handelt, die aus mehreren Schichten unterschiedlicher Materialien bestehen. Diese kommt deshalb zum Einsatz, weil herkömmlicher gehärteter Stahl seit Ende des Zweiten Weltkriegs keinen ausreichenden Schutz mehr bietet. So dienen etwa Keramikplatten als zusätzliches Panzerungselement.

Glatt und gezogen
Auch bei der Bewaffnung unterscheiden sich die beiden Panzer. Zwar nutzen beide eine Kanone im Standardkaliber 120 mm, jedoch haben sich die Briten für einen gezogenen Lauf entschieden, während der Leopard 2 über eine Glattrohrkanone verfügt.

Kurz zur Erklärung: Ein gezogener Lauf bedeutet, dass sogenannte Züge und Felder in das Innere des Rohrs geschnitten werden, ganz wie bei einer Handfeuerwaffe. Das verleiht den daraus abgefeuerten Geschoßen einen Drall, was die Flugbahn stabiler macht und die Reichweite erhöht, aber zulasten der Durchschlagskraft geht. Der Challenger 2 kann so zwar Ziele aus bis zu acht Kilometern Entfernung beschießen, das ist in der Praxis aber nicht so relevant wie die Durchschlagsleistung.


Der britische Challenger 2 ist seit den frühen 90er-Jahren im Einsatz. Vorne am Rohr sind die "Kerben" des gezogenen Laufs gut zu erkennen.
Foto: APA/AFP/ADRIAN DENNIS

Geschoße wie Dartpfeile
Deshalb rüsten die Briten ihre Panzer nach und nach auf die Kanone des Leopard 2 von Rheinmetall um. Diese verschießt gegen gepanzerte Ziele ein sogenanntes Wuchtgeschoß mit der etwas sperrigen Nato-Bezeichnung "Armor Piercing Fin Stabilizied Discarding Sabot-Tracer" oder APFSDS-T. Am besten kann man sich dieses Geschoß wie einen Dartpfeil vorstellen. Es verlässt sich nicht auf zusätzliche Sprengladungen oder wie beim britischen Challenger auf Plastiksprengstoff, sondern einzig auf die kinetische Energie beim Aufprall.

Der Pfeil dringt durch die Panzerung und erzeugt allein durch die Wucht des Aufpralls eine Verdrängung der Panzerung. Dadurch entsteht ein Regen aus Metallsplittern im Inneren des gegnerischen Panzers, der die Besatzung töten soll. Darüber hinaus können Hohlladungsgeschoße abgefeuert werden. Diese verursachen beim Aufprall auf die Panzerung einen Strahl aus extrem heißem Metall, der sich durch die Panzerung brennt.


Die Munition des Leopard 2: Links ist die "Pfeilspitze" eines Wuchtgeschoßes zu erkennen. Nach dem Abfeuern zerfällt die Treibkäfig genannte Hülle und gibt ein Geschoß frei, das wie ein Dartpfeil aussieht.
Foto: VLADIMIR PRYCEK, EPA

Österreich setzt den Leopard 2 ebenfalls ein, aber in der älteren Variante A4 aus der Mitte der 80er-Jahre. Mittlerweile plant das Bundesheer aber eine umfassende Modernisierung, auf welche Ausbaustufe, ist bislang aber noch nicht geklärt. Die modernste Variante ist der Leopard 2A7V mit einer Klimaanlage, zusätzlicher Panzerung an der Front, einem verbesserten Getriebe und zusätzlichen Fahrassistenzsystemen.

Zukünftig sollen die Leopard 2 auch noch mit einem sogenannten Hardkill-System vom Typ Trophy HV ausgestattet werden. Dabei handelt es sich um ein in Frankreich und Israel entwickeltes System, das anfliegende Geschoße erkennt und mithilfe einer kurz vor dem Aufschlag gezündeten Explosion einen Splitterkegel erzeugt, der die angreifende Waffe zerstört.

Frage der Variante
Welche Varianten des Challenger 2 und des Leopard 2 an die Ukraine geliefert werden, ist noch unklar. Kurz zum politischen Hintergrund: Will ein Land Kampfpanzer aus deutscher Produktion an ein anderes weitergeben, muss die deutsche Bundesregierung zustimmen. Aktuell will die polnische Regierung Leopard 2 an die Streitkräfte der Ukraine liefern, darf dies aber noch nicht, weil die Erlaubnis aus Berlin fehlt.

Sollten tatsächlich polnische Panzer geliefert werden, dürfte es sich wohl um Leopard-2A4-Varianten handeln, ähnlich wie sie auch vom österreichischen Bundesheer verwendet werden.

Trotz des ernsten Themas bat das ukrainische Verteidigungsministerium bereits im Vorjahr um eine Lieferung von Leopard 2.
(Peter Zellinger, 15.1.2023)
Leopard und Challenger: Der Mythos "Kampfpanzer" erklärt
 

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#87
Russlands Parade-Panzer werden zum Massengrab für die eigenen Truppen
Moskau - Die Bilder gleichen sich. Immer wieder sind im Ukraine-Krieg zerstörte russische Panzer zu sehen. Manche sind völlig ausgebrannt, bei anderen sind die Türme abgesprengt, mitunter sind schwer verwundet oder gar tote Soldaten zu beklagen. Die enorm hohen Verluste Russlands an Panzern gehören laut Fachleuten zu den größten Problemen, mit denen Russland seit Beginn der Invasion zu kämpfen hat.

Die Zahlen, die die in den Niederlanden ansässige Forschungsgruppe Oryx nennt, sind in der Tat verheerend. Demnach wurden bis zum 9. Januar insgesamt 944 russische Panzer zerstört, 73 wurden beschädigt, 60 von Russland aufgegeben und 533 von den Ukrainern erbeutet. Als neutrale Beobachterin nimmt Oryx nur Fälle in ihre Statistik auf, bei denen ein handfester Beweis für eine Beschädigung oder Zerstörung vorliegt. In der Regel ist das ein glaubwürdiges Foto des betreffenden Panzers. Der ukrainische Generalstab gibt die Zahl der zerstörten russischen Panzer mit 3080 an (Stand: 9. Januar).


Russland muss im Ukraine-Krieg den Verlust zahlreicher Panzer erdulden. © SAMEER AL-DOUMY/AFP

Um sich das Ausmaß der Verluste vor Augen zu führen, genügt ein Blick auf die Zahl der Panzer, über die die gesamte russische Armee zu Beginn des Ukraine-Kriegs verfügt hat. Nach Angaben des Center for Strategic and International Studies (CSIS, deutsch: Zentrum für internationale und strategische Studien) waren dies etwa 2800 Panzer.

Russische Panzer erweisen sich im Ukraine-Krieg als enorm anfällig
Tatsächlich sind die russischen Panzer in der Tat sehr anfällig für die High-Tech-Raketen, die die Ukraine zur Verteidigung benutzt. „Das eigentliche Problem für Panzer ist, dass sie kaputtgehen“, sagte Vadym Yunik, Entwickler privater Kampfdrohnen, in einem Interview mit Kyiv Post. „In diesem Krieg ist alles, was still sitzt, verwundbar“, sagte Yunik. „Panzer sind mit einer Drohne leicht zu finden und einer, der sich nicht bewegt, ist ziemlich leicht zu treffen.“

James Lewis vom CSIS sprach in einem Interview mit der Moscow Times sogar davon, dass Russlands Unfähigkeit, eine Antwort auf moderne Panzerabwehrwaffen zu finden, die Zukunft der Panzereinsätze infrage stelle. „Panzer werden immer noch einen Platz haben, aber ihre Zukunft wird aufgrund ihrer Verwundbarkeit eine geringere Rolle spielen“, sagte er.

Kann Russland seine Panzerflotte rechtzeitig wieder aufrüsten?
Ob es Russland möglich sein wird, ihre Panzerflotte im Ukraine-Krieg wieder aufzustocken, ist fraglich. So war Russlands wichtigste Produktionsstätte Uralwagonsawod in Nischni Tagil dem ukrainischen Magazin Defense Express selbst vor dem Krieg nur in der Lage, 20 bis 30 moderne Panzer pro Monat herzustellen oder aufzurüsten.

Jetzt machen Russland die westlichen Sanktionen zu schaffen, da wichtige Komponenten nicht in Russland hergestellt werden. Das gilt auch für Russlands Wunderwaffe, den Panzer T-14, den ein britischer Stabsoffizier einst als revolutionärsten Kampfpanzer der Welt bezeichnet hat. Bisher ist der T-14 in mehreren Paraden über den Roten Platz gefahren, im Ukraine-Krieg kam er allerdings noch nicht zum Einsatz.

Russische Panzerreserve: nur ein Hirngespinst Moskaus?
Auch die Panzerreserve, die zu Beginn des Krieges angeblich 8000 Fahrzeuge umfasste, scheint mehr oder weniger nur ein Hirngespinst zu sein. So beging Ende März 2022 der Kommandant des 13. Garde-Panzerregiments laut ukrainischen Geheimdienstberichten Suizid, nachdem er erfahren hatte, dass 90 Prozent der Panzer, mit denen seine Einheit in den Krieg ziehen sollte, in Wirklichkeit völlig verrostet waren.

Bis Juni war Russland, das Land mit der theoretisch größten Panzerflotte der Welt, darauf angewiesen, angeblich 41 generalüberholte T-62-Panzer, die ursprünglich für den Export nach Afrika bestimmt waren, nach Cherson zu schicken, um das dortige Gebiet zu stützen. Bis Oktober 2022 hatte die Ukraine Cherson eingenommen und nach eigenen Angaben mindestens 38 der größtenteils veralteten T-62 erbeutet oder zerstört. (cs)
Erstellt: 19.01.2023,
von: Christian Stör
Russlands Parade-Panzer werden zum Massengrab für Putins Soldaten
 
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#88
Der neuralgische Punkt:
Warum werden viele russische Panzer zerstört?

Russlands Präsident Wladimir Putin glaubte beim Einmarsch in die Ukraine an ein leichtes Spiel. Militärisch schien die russische Armee haushoch überlegen. Doch mit der Gegenwehr der ukrainischen Streitkräfte verliert Putin nicht nur Soldaten, sondern auch Material. Ein neuralgischer Punkt scheinen die russischen Panzer zu sein.
Wie hoch die Verluste der russischen Streitkräfte sind? Unklar. Nach Angaben der Ukraine immens. Was Propaganda ist, was nicht, ist nur schwer zu unterscheiden. Angesichts der vermuteten Schlagkraft, mit der die russische Armee in den Krieg gezogen ist, bieten die Aufnahmen und Videos zerstörter russischer Panzer und Konvois dennoch ein erstaunliches Bild. Gerade bei den gepanzerten Fahrzeugen hätte man angenommen, dass Russland hier absolut überlegen ist.

Aber blickt man auf die Geschichte des im Krieg eingesetzten T-90 zurück, ist der Panzer wohl doch eher veraltet. Der erste Prototyp entstand bereits im Jahr 1989, trug die Bezeichnung Objekt 188 und war schlicht ein umgebauter T-72B mit der Feuerleitanlage des T-80U und einer neuen Reaktivpanzerung (ERA) vom Typ Kontakt-5, die das Fahrzeug vor feindlichem Beschuss schützen soll. Die ersten Experimente mit einer Reaktivpanzerung wurden in der Sowjetunion bereits im Jahr 1949 durchgeführt. In den 1960er Jahren gab es dann erste Prototypen.

Die Reaktivpanzerung

Die Reaktivpanzerung ist eine besondere Art, Panzer vor Beschuss zu schützen, und wird vorzugsweise von Russland und Israel genutzt.
(Foto: dpa)

Bei der Reaktivpanzerung werden Kacheln auf die Verbundpanzerung aufgebracht, die aus einer Metallplatte und einer Schicht Sprengstoff bestehen. Trifft jetzt ein Projektil auf diese Kachel, explodiert die Sprengstoffschicht und schleudert die Metallplatte dem Projektil entgegen. So kann die Granate nicht ihre volle Kraft an der Panzerung entfalten, die dann den Rest der Sprengkraft abfängt. Das Problem bei der Reaktivpanzerung ist, dass das nur einmal funktioniert. Ist die Kachel von der Panzerung verschwunden, kann nur noch die eigentliche Verbundpanzerung bei nachfolgendem Beschuss schützen.

Hinzu kommt, dass die Reaktivpanzerung je nach Art des Beschusses ihre Grenzen hat. Während Hohlladungen, also Geschosse, die sich in der Panzerung festkrallen und per Druck und Hitze ins Innere vordringen, gut abgewehrt werden, bietet die Reaktivpanzerung gegen sogenannte Tandemhohlladungen und gegen Hartkerngeschosse, die allein durch ihre Wucht beim Aufschlag die Panzerung durchbrechen, kaum Schutz. Hinzu kommt, dass diese Art des Schutzes eine verheerende Wirkung auf die eigenen Soldaten haben kann, die sich als Fußtruppen in der Nähe des Panzers befinden und durch die Gegenexplosion der Sprengstoff-Kachel verletzt oder getötet werden.

Vorteile der Reaktivpanzerung
Letztlich hat die Reaktivpanzerung den Vorteil, dass die passive Panzerung leichter sein kann, der Panzer somit schneller unterwegs ist, weniger Sprit verbraucht und längere Strecken zurücklegen kann. Der T-90 kann beispielsweise 375 Kilometer und mit externen Tanks 550 Kilometer zurücklegen. Allerdings hat das Gewicht des T-90 im Vergleich mit dem T-72 auch wegen der weiterentwickelten Panzerung auf 46,5 Tonnen zugenommen, was es notwendig machte, den Motor zu ersetzen. Seit 2004 wird der im Traktorenwerk in Tscheljabinsk gebaute W-92 S2, ein V-12-Dieselmotor mit 1006 PS, genutzt, der den T-90 bis zu 65 km/h schnell macht.



Die im Jahr 2015 angekündigte Runderneuerung der russischen Landstreitkräfte hat aus Geldmangel nie stattgefunden.
(Foto: dpa)

Allerdings bleibt zu bedenken, dass der T-90 wie schon erwähnt auf der Basis des T-72B umfassend modernisiert wurde. Von der Mitte der 1990er Jahre bis 2005 war es den russischen Streitkräften aus Geldmangel aber kaum möglich, ausreichend T-90 zu kaufen. Es wird damit gerechnet, dass sich etwa 600 Fahrzeuge im Bestand der russischen Streitkräfte befinden, zehn Prozent davon in der Version T-90A. Die im Jahr 2015 angekündigte Runderneuerung der Landstreitkräfte hat bis heute aus Geldmangel nicht stattgefunden.

T-72 - die Mutter des T-90
Werfen wir noch einen Blick auf den T-72, der ab 1972 von der damaligen Sowjetarmee in Dienst gestellt wurde. Angetrieben wird der von einem V-12-Dieselmotor mit maximal 840 PS. Die Reichweite beträgt 450 Kilometer, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 60 km/h. Bereits im ersten Tschetschenienkrieg im Jahr 1994 offenbarten der T-72 und die Weiterentwicklung T-80 Schwächen. Bei dem Versuch, die tschetschenische Hauptstadt Grosny zu erobern, wurden sie mit Panzerfäusten des Typs RPG-7 und RPG-22 - beide aus russischer Produktion - zerstört. Vorzugsweise wurde von hohen Gebäuden auf den schwächer gepanzerten hinteren Teil der Turmdecken und die Motorabdeckung gefeuert. Die Turmwaffen des Panzers selbst konnte nicht so weit erhöht werden, um den Angreifern Paroli zu bieten.

In Grosny wurde nahezu der gesamte Panzerbestand der 131. "Maikop"-Brigade zerstört. Ob es sich dabei um den Typ T-72A oder T-72B handelte, ist heute strittig. Fakt ist, dass die Panzer sich als ungeeignet für den Straßenkampf erwiesen und in Zukunft ihr Einsatzgebiet vorzugsweise im großen Abstand zu gegnerischen Stellungen eingesetzt wurden, um die Reichweite von über 6000 Metern der 125-Millimeter-Bordkanonen ausnutzen zu können. Wobei die Kampfbeladung des T-72 aus 44 Schuss besteht.


Eine Panzerstellung mit einem T-72 im Jahr 2017 in Mossul im Irak.
(Foto: dpa)

Auch im Zweiten Golfkrieg 1990 und im Irakkrieg 2003 machten die T-72, T-72M und T-72M1 keine gute Figur. Etwa 30 bis 40 Prozent der irakischen Panzer wurden aus der Luft zerstört, die verbliebenen im offenen Gelände in provisorischen Stellungen. Im Kaukasus-Konflikt im August 2008 setzten die georgischen Streitkräfte Panzer ein, um die südossetische Hauptstadt Zchinwali zu besetzen. Dort zerstörten die örtlichen Milizen mehrere T-72 mit Panzerfäusten, andere wurden durch die russische Luftwaffe aufgebracht.

Natürlich werden in der Ukraine nicht mehr die alten T-72 eingesetzt, sondern entsprechende Weiterentwicklungen. Es dürften hier die drei Hauptkampfpanzertypen T-72 B3/B4 und T-90M von den russischen Truppen genutzt werden. Trotz wesentlicher Verbesserungen in der Bewaffnung und in der Panzerung scheinen aber bestimmte neuralgische Punkte geblieben zu sein. Andernfalls wäre es nicht zu erklären, dass die ukrainischen Streitkräfte offenbar in der Lage sind, die Panzer zu vernichten.

Rein rechnerisch gesehen ist jeder verlorene Panzer auch ein harter Schlag für die russische Regierung. Ein T-72 wird im Durchschnitt mit 22 Millionen Rubel, das sind umgerechnet derzeit knapp 233.000 Euro, berechnet.
Quelle: ntv.de
Warum werden viele russische Panzer zerstört?
 

josef

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#89
Der "Jack in the box"-Effekt:
Die tödliche Schwachstelle der russischen Panzer



Im Laufe des Kriegs in der Ukraine mehren sich die Bilder von russischen Panzern, bei denen der Panzerturm abgesprengt wurde.
(Foto: Collage, Fotos dpa)
Bei den russischen Kampffahrzeugen scheint es ein eklatantes Problem zu geben: abgesprengte Panzertürme. Die Schwäche vor allem der T-72 Kampfpanzer ist so gravierend, dass nicht nur das Fahrzeug zerstört, sondern auch die Besatzung getötet wird. Der Westen kennt das Problem. Und hat daraus für seine Panzer-Konstruktion gelernt.
Die Lage im Krieg zwischen der Ukraine und Russland ist unübersichtlich. Vor allem, was die materiellen Verluste der einzelnen Kriegsparteien betrifft. Aufgrund jüngster Fotos, auf denen abgesprengte Panzertürme zu sehen sind, mutmaßt der britische Verteidigungsminister Ben Wallace in einem auf CNN veröffentlichten Artikel, dass Russland bis jetzt etwa 580 Kampfpanzer verloren hat.


Zerstörter russischer Panzer vom Typ T-72 in der Region um Kiew.
(Foto: dpa)

Doch Experten entnehmen den Bildern noch mehr: Sie gehen davon aus, dass die russischen Panzer an einem Fehler leiden, der in der Fachsprache als "Jack in the box" bezeichnet wird. Im Deutschen könnte man diesen Ausspruch wohl am ehesten mit "Springteufel" übersetzen. Letztlich bedeutet es nichts anderes, als dass die zusätzlichen Granaten für die Glattrohrkanone der Kampfpanzer in den Türmen gelagert werden.
Selbst ein indirekter Treffer des Turms kann also dazu führen, dass hier eine Kettenreaktion ausgelöst wird, die die eigene Munition im Panzer zur Explosion bringt. Wenn das passiert, wird ein Vorrat von bis zu 40 Granaten zur Detonation gebracht. Die daraus resultierende Druckwelle reicht aus, um den Turm des Panzers in die Höhe eines zweistöckigen Hauses zu katapultieren.

Auch die Panzerbesatzung wird getötet
Die Explosion im Panzer reißt aber nicht nur die Kanzel ab, sondern tötet auch die dreiköpfige Besatzung, bestehend aus Kommandant, Fahrer und Richtschütze. "Wer hier nicht in den ersten Sekunden des Beschusses aus dem Panzer kommt, der wird einfach nur geröstet", erklärt Nicholas Drummond, ein auf Landkrieg spezialisierter Analyst der Verteidigungsindustrie und ehemaliger Offizier der britischen Armee, gegenüber CNN.


Nicht nur Kampfpanzer wie der T-72 sind von dem Fehler der Munitionslagerung betroffen.
(Foto: dpa)

Drummond sieht den "Jack in the box"-Effekt aber nicht nur bei den russischen Kampfpanzern wie dem T-72, sondern auch bei Infanterie-Fahrzeugen wie einem BMD-4, der ebenfalls drei Besatzungsmitglieder und weitere fünf Soldaten transportiert. Auch der BMD-4 ist nach Aussagen des Spezialisten aufgrund der Lagerung seiner Munition im Innenraum ein "fahrender Sarg".

Für Moskau ist das Problem besonders ärgerlich, denn westliche Militärs hatten den Schwachpunkt bereits während der Golfkriege gegen den Irak im Jahr 1991 und 2003 erkannt. Eine große Zahl der von der irakischen Armee benutzten T-72-Kampfpanzer ereilte nämlich das gleiche Schicksal. Laut Drummond hat es Russland versäumt, entsprechende Veränderungen an den Panzern vorzunehmen, um sie vor der Selbstzerstörung zu schützen. Zwar wurde mit dem T-90, dem Nachfolger des T-72 und T-80, erneut die Panzerung des Fahrzeuges verbessert, aber die Munitionslagerung im Inneren nicht verändert, was auch die moderneren Systeme anfällig macht.

Westen hat aus den Fehlern gelernt
Natürlich gibt es auch Gründe, warum die Munitionslagerung in den russischen Kampffahrzeugen so und nicht anders erfolgt. Die Idee und der Vorteil besteht nämlich darin, dass Platz gespart wird. Das wiederum ermöglicht es, den Panzer sehr flach zu bauen, damit er im Kampfeinsatz schwerer zu treffen ist.


Bis zu 40 Granaten können im Inneren eines T-72 explodieren.
(Foto: dpa)

Das Wissen um diesen Schwachpunkt hat übrigens dazu geführt, dass westliche Panzer nach einem anderen Prinzip gebaut werden, das es ermöglicht, die Munition so zu lagern, dass die Besatzung bei einem "Jack in the box" unbeschadet bleibt. Drummond verweist hier auf den Stryker-Schützenpanzer der US-Armee, der nach dem ersten Irak-Krieg entwickelt wurde. "Hier ragt der Turm, in dem sich die gesamte Munition befindet, nicht in den Mannschaftsraum", erklärt Drummond. "Sollte also der Turm getroffen und abgesprengt werden, bleibt die Mannschaft unbeschadet", so der Experte auf CNN.

Andere westliche Panzer wie der M1 Abrams schützen sich, indem ein Besatzungsmitglied die einzelnen Granaten aus einem versiegelten Fach holt und sie von dort zum Abschuss in die Kanone bringt. Zwischen jedem Schuss wird das Munitionsfach geschlossen, was beim Beschuss des Panzers garantiert, dass sich immer nur eine Granate im Turm befindet.

Für Russland gibt es zwei Probleme

Bei der Detonation der Munition im Panzer wird unter Umständen auch die Besatzung getötet.
(Foto: dpa)

Doch wie dem auch sei, es ist im Laufe des Kriegsgeschehens ausgesprochen schwierig, festzustellen, wie viele russische Panzer bis dato tatsächlich zerstört wurden. Legt man aber die oben erwähnten Berechnungen des britischen Verteidigungsministeriums zugrunde, würde das bedeuten, dass auch ein erheblicher Teil der Besatzungen getötet wurde. Und die sind nicht leicht zu ersetzen. Gegenüber CNN erklärt der ehemalige Panzersoldat bei den finnischen Streitkräften, Aleski Roinila, dass die Ausbildung einer funktionierenden Panzerbesatzung bis zu einem Jahr dauern kann.
Russland hätte also das Problem, nicht nur die Panzer, sondern auch deren Besatzungsmitglieder ersetzen zu müssen. Kaum vorstellbar, dass das in den Turbulenzen des Krieges ohne Weiteres möglich ist.
Quelle: ntv.de
Von Holger Preiss
Die tödliche Schwachstelle der russischen Panzer
 

josef

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#91
Beiträge und Links zum Ukraine-Krieg

Ich möchte zu den von mir hier eingestellten Beiträgen und Verlinkungen zum russischen Einmarsch in die Ukraine nur kurz festhalten, dass es sich dabei nur um reine militärtaktische und technische Hintergrundinformationen im Rahmen der Themensetzung des Forums handelt!

Ich verurteile die Kriegshandlungen mit den katastrophalen Auswirkungen auf Leib und Leben der Bevölkerung und der Soldaten beider Seiten sowie der sinnlosen Zerstörung von Sachwerten auf das schärfste!

Ich hoffe auf die Rückkehr von Vernunft und Einsicht in den Gehirnen der Verantwortlichen und eine baldige Konfliktlösung am Verhandlungstisch an Stelle des Schlachtfeldes...

lg
josef
 
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josef

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#92
HIGHTECH-KRIEG
Münchner Start-up liefert 105 Aufklärungsdrohnen an die Ukraine
Die Fluggeräte von Quantum Systems sind rund 20 Millionen Euro wert – dafür bezahlen wird allerdings nicht die Ukraine

Ursprünglich waren die Drohnen nicht für den Kriegseinsatz konzipiert – das Start-up rüstete über die Jahre aber nach.
Foto: Quantum Systems

Leise surrend schweben sie über dem Schlachtfeld – rund 40 Aufklärungsdrohnen des Münchner Start-ups Quantum Systems sind bereits in der Ukraine im Einsatz. Ihre Aufgabe ist klar: die feindlichen Linien ausspionieren sowie Truppenbewegungen des Feindes beobachten und dokumentieren.

Demnächst sollen über 100 weitere Drohnen die ukrainischen Streitkräfte verstärken, gab der Chef des Start-ups, Florian Seibel, am Mittwoch auf einer Konferenz bekannt. Rund 20 Millionen Euro kostet diese Bestellung. Bezahlt wird sie aus der Ukraine-Hilfe der Bundesrepublik Deutschland.

Wichtiger Faktor im Krieg
"Der große Vorteil von Drohnen ist, dass sie bei der Aufklärung kein Menschenleben in Gefahr bringen", wird der ehemalige General des Heeres der Bundeswehr, Hans-Lothar Domröse, im "Handelsblatt" zitiert. Rund 30 Kilometer Reichweite haben die Drohnen, also in etwa jene Distanz, die auch Artillerie abdecken kann. Die Unscheinbarkeit der Drohnen und ihre Wendigkeit seien weitere Faktoren, warum dieses neue Kriegsgerät in den letzten Jahren so an Relevanz gewonnen hat.

Initial waren die Drohnen von Quantum Systems nicht für solche Einsätze geplant. Das 2015 gegründete Start-up musste deshalb seine Produkte nachrüsten. So kommen die Drohnen mittlerweile ohne GPS-Signal aus, da dieses von den russischen Streitkräften immer wieder gestört werden kann. Die kommende Generation der fliegenden Beobachter wird laut dem Firmenchef KI-gestützt sein. Diese soll dem Piloten der Drohne vorschlagen können, welche Objekte von Relevanz sein könnten und näher betrachtet werden sollen. Mit aktiven Waffensystemen werden die Drohnen aber auch künftig nicht ausgestattet, verspricht das Unternehmen.

Waffenlieferungen
Die Lieferung von Waffen oder generell Kriegsgerät war in den letzten Tagen großes Streitthema in Europa. Nach langen Diskussionen wurde schließlich der Export von deutschen Kampfpanzern an die Ukraine genehmigt. Auch die US-Regierung tendiert mittlerweile zur Lieferung ihrer Abrams-Kampfpanzer, berichtete vor wenigen Tagen das "Wall Street Journal". Als Teil eines größeren diplomatischen Deals, also in Abstimmung mit Deutschland, könnte noch diese Woche eine Entscheidung fallen, so anonyme US-Offizielle.
(aam, 27.1.2023)

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Quantum Systems

Münchner Start-up liefert 105 Aufklärungsdrohnen an die Ukraine
 
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