Kriegsende vor 70 Jahren

josef

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#1
März 1945: Der Zweite Weltkrieg geht zu Ende

In der Karwoche vor 70 Jahren, Ende März 1945, hat die Rote Armee zum ersten Mal niederösterreichischen Boden erreicht, das Ende des Zweiten Weltkriegs war näher gekommen. Über die Bucklige Welt rückten die Sowjets Richtung Wien vor.

„Wir sind über die große Linie.“ Nach monatelangen schweren Kämpfen gegen die Heeresgruppe Süd der Deutschen Wehrmacht konnte die 3. Ukrainische Front der Roten Armee am 29. März 1945 einen weiteren historischen Erfolg melden: Exakt um 11.05 Uhr hatten die sowjetischen Truppen bei Klostermarienberg im heutigen Burgenland die Grenze des damaligen Deutschen Reiches überschritten. Erst einen Monat später, am 28. April, sollten die Westalliierten in Tirol Österreich betreten. Einen Tag zuvor hatten SPÖ, ÖVP und KPÖ im befreiten Wien die Unabhängigkeit des Landes erklärt.

Verantwortlich für den hart erkämpften Durchbruch an der Ostgrenze war Marschall Tolbuchin, der bereits die Einnahme von Sofia, Bukarest und Belgrad befehligt hatte. Wien sollte „nur“ das nächste Etappenziel auf dem Weg zur vollständigen Niederwerfung des Deutschen Reiches sein. „Je näher Wien - desto näher Berlin, dem Ende des Krieges und dem Sieg!“, lautete die Parole, die er den Rotarmisten für den entscheidenden Vorstoß aus Ungarn mitgab.

Hitlers Operation „Frühlingserwachen“ scheiterte
Zuvor hatte Hitler am 6. März die letzte Gegenoffensive der 6. SS-Panzerarmee zwischen Platten- und Velenczesee angeordnet. Die Operation „Frühlingserwachen“ scheiterte kläglich. Zehn Tage später führte Tolbuchin den von Stalin befohlenen Gegenangriff; den deutschen Verbänden blieb nur mehr ein kaum geordneter Rückzug über die Grenze. Am 26. März schloss sich auch die 2. ukrainische Front nördlich der Donau dem Vormarsch nach Westen an - sie übernahm am 4. April Bratislava.

In den Tagen vor dem sowjetischen Durchbruch wurden im Burgenland und der Steiermark noch unfassbare Verbrechen verübt. Für den Bau der großspurig „Südostwall“ genannten Panzerabwehrstellungen hatten die Nazis Tausende ungarische Juden in das Burgenland und die Steiermark getrieben. Als sich der Ansturm der sowjetischen Truppen abzeichnete, massakrierten lokale NS-Größen, HJ-Führer und SS-Männer noch Hunderte von ihnen - etwa in Rechnitz oder Deutsch-Schützen. Tausende der bereits völlig Erschöpften wurden noch auf Todesmärsche in Richtung Mauthausen getrieben.

Rote Armee stieß kaum auf nennenswerten Widerstand
So sehr Hitler in seinem Bunker in Berlin auch tobte und der „Völkische Beobachter“ den Vormarsch der Sowjettruppen klein redete („Die Lage steht unter Kontrolle“), so unaufhaltsam war der Zusammenbruch. Den deutschen Verbänden gelang es nicht mehr, den Südostwall zu besetzen. In der Buckligen Welt stieß Tolbuchin kaum auf nennenswerten Widerstand. Kleine SS-Verbände und schlecht bewaffnete Volkssturm-Einheiten hatten dem sowjetischen Heer nichts mehr entgegenzusetzen.

Am 1. April nahmen die Rotarmisten Eisenstadt ein. Ein weiterer Stoßtrupp keilte einen Tag später nach Gefechten in Mattersburg das zerbombte Wiener Neustadt ein. Die Verteidiger, eben erst ausgebildete Angehörige der Fahnenjunkerschule, setzten sich ab; die Bevölkerung flüchtete größtenteils in die umliegenden Wälder. Unterdessen waren weitere Sowjettruppen auf breiter Front in die Steiermark eingedrungen. Dort gelang es SS-Divisionen, entlang der Lafnitz und weiter südlich noch dauerhafte Abwehr zu leisten.

Auf den Straßen im Wiener Becken drängten sich Flüchtlingskolonnen aus Ungarn, ihnen folgten zersprengte deutsche Wehrmachtsteile und SS-Verbände auf dem Weg nach Wien. Die einrückenden sowjetischen Kampftruppen bekamen in den Dörfern und Städten nur selten weiße Fahnen zu sehen. Tolbuchin versuchte der Bevölkerung Ängste zu nehmen und der NS-Propaganda entgegen zu wirken: „Die Rote Arme kommt nicht als Eroberungsarmee nach Österreich, sondern als Befreiungsarmee“, hieß es auf Plakaten und Flugschriften. Ähnliche Erklärungen gab zugleich der Österreich-Sender der BBC aus.

Am 5. April begann die Schlacht um Wien
Mit einem Generalangriff vom Süden her begann am 5. April die Schlacht um Wien. Hitler hatte die „zweite Hauptstadt des Reiches“ zum „Verteidigungsbereich“ erklärt - Hoffnungen, dass Wien lange Kämpfe wie in Budapest erspart blieben, hatten sich damit zerschlagen. Am selben Tag scheiterte die „Operation Radetzky“, ein Aufstandsplan des militärischen Widerstandes um Major Carl Szokoll durch Verrat. Die Rote Armee musste sich die Herrschaft schließlich Straße für Straße blutig erkämpfen. In den Abendstunden des 13. April verstummte der Gefechtslärm: Wien war befreit.

Unterdessen stießen weitere sowjetische Verbände nach Westen vor. Entlang der March, im Weinviertel und südlich der Donau kam es bis Ende April zu tagelangen schweren Gefechten. Mitte April erstarrte die Front nördlich der Donau etwa auf der Höhe von Mistelbach; das Interesse der Roten Armee verschob sich nach Norden. Südlich der Donau hatte Tolbuchin mit der Einnahme von St. Pölten am 16. April zunächst sein Ziel erreicht.

Hinter den deutschen Linien herrschten apokalyptische Zustände. Zahllose Flüchtlinge auf der Suche nach Nahrung, Verwundete, überfüllte Lazarette, belagerte Bahnhöfe prägten das Bild. Der Chef der Heeresgruppe Süd, Generaloberst Rendulic, griff mit eiserner Faust durch: Abweichler und Deserteure wurden auf öffentlichen Plätzen erschossen oder gehenkt, im Gefängnis von Stein massakrierten NS-Verbände fast 400 Häftlinge, jüdische Zwangsarbeiter wurden reihenweise ermordet. Für den Chef des Reichsicherheitshauptamtes, Ernst Kaltenbrunner, war diese Barbarei am 29. April noch Anlass für Optimismus. Zu Besuch bei Rendulic meldet er nach Berlin: „Bessere Stimmung der Truppe durch gute Führung.“ Tags darauf erschoss sich Hitler im Führerbunker.

Am 9. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg zu Ende
Der Zweite Weltkrieg ging in Europa am 9. Mai 1945 zu Ende - nachdem die Deutsche Wehrmacht völlig niedergekämpft kapituliert hatte. Einen Tag davor, am 8. Mai, war die in Österreich die alliierte Zange in zwischen Ost und West geschlossen: US-Soldaten konnten in Erlauf (Bezirk Melk) Marshall Tolbuchin die Hände reichen. Am 9. Mai besetzen die Sowjettruppen als letzte große Stadt in Österreich Graz. Sieben Jahre zuvor hatte Hitler ihre Vorreiterrolle beim „Anschluss“ mit dem nationalsozialistischen Ehrentitel „Stadt der Volkserhebung“ gewürdigt. Zu vereinzelten Kämpfen kam es in den folgenden Tagen noch an der jugoslawischen Grenze in Kärnten - zwischen Partisanen, SS-Gruppen und slowenischen sowie kroatischen Verbänden, die auf der Seite der Wehrmacht gekämpft hatten.
Text- u. Bilder: http://noe.orf.at/news/stories/2702617/
 

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josef

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#2
Hochwolkersdorf (Bezirk Wr. Neustadt)

Kriegsende: Kleiner Ort mit großer Bedeutung

In der Karwoche vor 70 Jahren, im Jahr 1945, hat die Rote Armee zum ersten Mal niederösterreichischen Boden erreicht. Das Ende des Zweiten Weltkriegs rückte näher. Dem Ort Hochwolkersdorf (Bezirk Wr. Neustadt) kam dabei große Bedeutung zu.

Die Front, der Kampf zwischen deutscher Wehrmacht und russischer Armee, erreichte Niederösterreich über die Bucklige Welt. „Am 1. April war noch eine Heilige Messe vor dem Bunker, in der Nacht sind die Russen gekommen“, erinnert sich Anna Handler aus Katzelsdorf, sie war damals zwölf Jahre alt.

„In der Nacht gab es furchtbare Kämpfe, die lange angedauert haben. Untertags sind wir vom Bunker weggelaufen, beim Kellerhaus vorbei, in dem die Russen die Mädchen vergewaltigt haben. Das war eine furchtbare Schreierei. Dann sind die Tiefflieger gekommen.“

Renner trifft Russen in Hochwolkersdorf
Auf die Zivilbevölkerung brach in diesen furchtbaren Stunden und Tagen der Kämpfe unvorstellbares Leid herein. „Es war ein ungleicher Kampf. Den Deutschen ist es nur ein paar Tage gelungen, den Vormarsch der Roten Armee zu stoppen“, sagt Historiker Johann Hagenhofer. „Am 31. März waren sie noch in Wolkersdorf, am 2. April in Wiener Neustadt und am 5. April standen sie vor den Toren Wiens.“

Dem Ort Hochwolkersdorf kam eine besondere Bedeutung zu: Hier wurde die erste sowjetische Militär-Kommandantur in Niederösterreich eingerichtet. Ein Gedenkraum im Gemeindeamt erinnert an jene Zeit. Karl Renner traf hier mit den russischen Befehlshabern zusammen. „Per Telegramm wurde Stalin von Hochwolkersdorf gemeldet, dass man Renner gefunden hat. Innerhalb weniger Stunden kam die Antwort von Stalin: ‚Volle Unterstützung für Dr. Karl Renner‘. Renner hat sich bereits in Hochwolkersdorf bereit erklärt, dass er daran mitwirken wird, wieder ein demokratisches System in Österreich zu errichten“, so Hagenhofer.

Das war zugleich die Geburtsstunde der Zweiten Republik, weil nach Stalin auch die Westmächte Renner anerkennen. Im dritten Band des Zeitzeugenprojektes haben der Historiker Johann Hagenhofer und sein Team Menschenschicksale aus jener Zeit dokumentiert. Enthalten ist auch das Schicksal von Rudolf Klune, der damals ein Kind eines Volksdeutschen aus Bosnien war. Er hatte, nachdem er wie so viele Tausende durch Europa geirrt war, mit seiner Familie in Frohsdorf in der Buckligen Welt ein neues Zuhause gefunden.

„Sie kamen mit aufgepflanztem Gewehr und wollten anscheinend Eindruck schinden. Sie sagten: ‚Wenn ihr nicht weggeht, müssen wir euch erschießen.‘ Meine Mutter sagt, sie sollen das so machen. Sie und meine Schwester hatten beide die Ruhe und waren total abgemagert. Es war uns damals egal, was geschieht. Der österreichische Gendarm hat das Erschießen aber abgewendet.“ Ein Gutsbesitzer nahm die Familie schließlich auf. Anfang April 1945 begann die Befreiung aus einer Schreckensherrschaft.
Text u. Foto: http://noe.orf.at/news/stories/2703091/
 

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josef

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#5
"Endphasenverbrechen"

1945: Unbegreifliche "Endphasenverbrechen"

Unerklärlicher bleibt: wozu Nachbarn, Zivilisten, "ganz normale Bürger" fähig sind:


In diesen Tagen trat vor 70 Jahren der Zweite Weltkrieg in seine letzte Phase. Aber vor dem Ende lagen auch Ereignisse, die selbst im Grauen des Krieges und des NS-Regimes fassungs- und ratlos machen.

In letzter Minute begingen nicht nur Angehörige der SS oder der Wehrmacht, sondern auch des "Volkssturms" und der "Hitlerjugend" oder der NSDAP, also faktisch Zivilisten, die man rasch noch bewaffnet hatte, unfassbare Verbrechen an hilflosen Opfern. Rund 30.000 meist jüdische Opfer kostete dieser letzte Ausbruch an Inhumanität, ja Bestialität - unter reger Beteiligung der einheimischen Bevölkerung in über hundert Orten.

Der letzte Gewaltausbruch gegen Wehrlose begann knapp bevor die sowjetischen Truppen am 29. März 1945 im Burgenland erstmals österreichischen, damals noch deutschen Boden, betraten. Die Opfer waren jüdische Zwangsarbeiter, die man aus Ungarn zum Bau eines lächerlichen "Südostwalls" heraufgetrieben hatte. In St. Margarethen, Bad Deutsch-Altenburg, Loretto und Deutsch-Schützen, in Engerau verübte die SS Massaker an marschunfähigen Zwangsarbeitern. In Rechnitz beteiligte sich örtliche NS-Prominenz an der Ermordung von etwa 180 Zwangsarbeitern - als Höhepunkt eines Schlossfestes bei Gräfin Batthyany.

Rund 23.000 Menschen kamen um, als die Zwangsarbeiter in einem Todesmarsch teils donauaufwärts, teils durch die Steiermark in Richtung KZ Mauthausen getrieben wurden. Auf der Strecke Graz-Bruck/Mur-Leoben- Trofaiach-Eisenerz-Hieflau-Steyr wurden die etwa 6000 bis 7000 Juden von Wachmannschaften begleitet, die aus Bewohnern der jeweiligen Ortschaften und deren Umgebung zusammengestellt waren. "Als Kommandanten fungierten zumeist Gendarmen in Uniformen, während die Mannschaft aus bewaffneten Zivilisten und halb- und volluniformierten Volkssturmmännern zusammengesetzt war" (Hans Jürgen Rabko: Die letzten Tage der Menschheit ). Es kam zu laufenden Erschießungen in voller Sicht der Bevölkerung, was teils Unruhe, teils höhnische Freude, vereinzelt auch tätiges Mitleid auslöste.In Eisenerz kam das Publikum gerade aus dem Kino, bewarf die Elendsgestalten mit Steinen, beschimpfte und bespuckte sie, wie ein Überlebender berichtet: "Am schlimmsten war die Hitlerjugend" ( Profil History: "Die Stunde Null 1945").

Am 6. April entließ der Gefängnisdirektor von Krems-Stein alle politischen Häftlinge und wurde darauf von fanatischen Nazis ermordet. SS, Volkssturm und Hitlerjugend metzelten 385 Gefangene mit MGs und Handgranaten nieder. "Hitlerjungen im schulpflichtigen Alter stapften zwischen den Blutlachen umher und gaben Einzelnen den Gnadenschuss." Einige Häftlinge kommen bis Hadersdorf am Kamp, werden dort auf Initiative der örtlichen Eliten - "Ortsbauernführer", Oberlehrer, Gastwirt, Kaufmann, Gendarmeriekommandant - festgesetzt und von der SS ermordet ("Kremser Hasenjagd" - 61 Todesopfer).

Wie waren solche Endphasenverbrechen möglich? Die Historikerin Heidemarie Uhl, die eine Ausstellung dazu in der Krypta im Äußeren Burgtor am Heldenplatz gestaltet hat (41 Tage. Kriegsende 1945 - Verdichtung der Gewalt. Ab 16. April) sagt dazu: "Oft waren das Männer, die aus verschiedenen Gründen nicht in die Wehrmacht eingezogen wurden oder junge, fanatisierte Burschen der Hitlerjugend, die beweisen wollten, wie männlich sie sind."


(Hans Rauscher, DER STANDARD, 4.4.2015)
http://derstandard.at/2000013875131/1945-Unbegreifliche-Endphasenverbrechen
 
#6
Kriegsende Meldungen von Luftangriffshandlungen

Hallo,
Ich suche Meldungen von Luftangriffshandlungen aus dem Raum Bruck/Leitha. Wo kann ich diese finden? Ich habe schon bei diversen Polizeiinspektionen angefragt. Kannst du mir weiterhelfen!
Danke
Gruss Hermann
 

josef

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#7
Pummerin erinnert an Kriegsende

Pummerin erinnert an Kriegsende

Normalerweise läutet Österreichs größte Glocke nur zu Silvester, an hohen katholischen Feiertagen oder beim Tod wichtiger Persönlichkeiten. Heute wird die Pummerin an die Zerstörung des Stephansdoms in den letzten Kriegstagen vor 70 Jahren erinnern.

Zwischen 11.58 Uhr und 12.04 Uhr sollen die Glockenschläge der berühmtesten und größten Glocke Österreichs an die Ereignisse des 12. April 1945 erinnern. In den letzten Kriegstagen nutzten Plünderer das Chaos in Wien und setzten dabei auch Häuser in Brand. Inzwischen wird einhellig der Funkenflug für den Brand verantwortlich gemacht - die These, dass dem „Steffl“ Artilleriebeschuss zum Verhängnis wurde, ist inzwischen widerlegt.

Fest steht, dass der Stephansdom nur wenige Stunden bevor der „Kampf um Wien“ zwischen alliierten und deutschen Truppen beendet war, in Flammen stand. Binnen kurzer Zeit brannte der Dachstuhl, danach griff das Feuer auf den Glockenstuhl und den Hauptturm über. Schließlich stürzte die Pummerin ab und zersprang. Auch Stützmauern und das Gewölbe brachen am folgenden Tag ein - das Feuer zerstörte u.a. den Chor, die Orgel und das Kaiseroratorium.

Ende April 1952 wurde die neue Pummerin geweiht
Zum letzten Mal zu hören war die „alte“ Pummerin zu Ostern 1937, in den folgenden Jahren des Nationalsozialismus blieb sie still. Heute ist von ihr nur noch der Klöppel über, der im Lapidarium des Doms aufbewahrt wird. Lange musste Wien jedoch nicht auf den „Steffl“ und das dröhnende Geläut der zweitgrößten freischwingenden Glocke Westeuropas verzichten: Mit vereinten Kräften aus Privatspenden, der Domlotterie, einer Briefmarkenserie, der „Dachziegelaktion“, bei der man einen Dachziegel um fünf Schilling erwerben konnte sowie schließlich mit Mitteln von Bund und Land wurde der Dom wiedererrichtet.

Bereits am 26. April 1952 wurde die neue Pummerin geweiht - gegossen aus den Resten ihrer Vorgängerin und den anderen zerstörten Glocken der Kirche. Der Stephansdom - und seine Glocke - wurden so auch zum Symbol des erfolgreichen Wiederaufbaus.

Dabei hatte die „alte Pummerin“ ebenfalls eine bewegte Geschichte: Als Dank für die Befreiung Wiens nach der zweiten Türkenbelagerung wurde sie von Kaiser Joseph I. in Auftrag gegeben. Geschichtsträchtig deshalb auch das Material, aus dem sie gegossen wurde: Mehrere Kanonen wurden für die Glocke eingeschmolzen. 1711 wurde sie schließlich im Südturm des Stephansdoms aufgezogen.

1957 in den Nordturm gehoben
Eigentlich hieß der Koloss zunächst - nach dem Kaiser - „Josephinische Glocke“, später bürgerte sich wegen ihres tiefen Klanges allerdings der Name „Pummerin“ ein. Am 15. Dezember 1711 wurde eben diese geweiht, am 26. Jänner 1712 zur Rückkehr Kaiser Karls VI. von seiner Krönung erstmals geläutet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die gut 20 Tonnen schwere Glocke ein bisschen länger auf ihren ersten Einsatz warten: Sie stand fünf Jahre in einem Holzgerüst neben dem Dom, bevor sie 1957 in den Nordturm gehoben wurde. Seitdem ist das Geläut der Pummerin wieder über der Inneren Stadt zu hören.
Text und Bilder: http://wien.orf.at/news/stories/2704733/
 

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josef

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#8
Am 13. April 1945 um 14 Uhr war die "Schlacht um Wien" beendet

Vor 70 Jahren wurde Wien befreit

Mit einem Generalangriff von Süden her hat am 5. April 1945 die Schlacht um Wien begonnen. In den Abendstunden des 13. April verstummte der Gefechtslärm: Wien war befreit. Wenige Tage später wurde die Zweite Republik gegründet.

Die Schlacht um Wien begann mit einem Generalangriff vom Süden her am 5. April. Adolf Hitler hatte die „zweite Hauptstadt des Reiches“ zum „Verteidigungsbereich“ erklärt. Der Kampf sollte somit bis zur letzten Konsequenz geführt werden. Durchgehende Schutzstellungen vor den Toren der Donaumetropole gab es allerdings bis auf einige Flakstellungen nicht. Wien war de facto verloren, das wusste auch der Kampfkommandant der deutschen Einheiten, General Rudolf von Bünau. Den Befehlen aus Berlin gehorchend, nahm er jedoch die Vorbereitungen für die Abwehrschlacht auf.

Die 3. Ukrainische Front der Roten Armee legte ihre Strategie für den Angriff fest, sie wollten Wien von drei Seiten her einnehmen. Auch im Stadtkern wurde Anfang April besprochen: Unter der Führung von Major Carl Szokoll entschloss sich der militärische Widerstand dazu, der Roten Armee vom Stadtinneren her Hilfe anzubieten. Der Aufstandsplan („Operation Radetzky“) scheiterte jedoch an Verrat.

Straßenkämpfe begannen in Favoriten und Simmering
Der eigentliche Sturm auf Wien fiel zunächst insgesamt schwächer aus als erwartet, der Plan der Angreifer ging aber auf und die Rote Armee erreichte den westlichen Stadtrand. Die 4. Gardearmee drang dann in die Wohngebiete von Simmering und Favoriten ein, der Straßenkampf begann. Im Süden entwickelten sich schwere Gefechte und die Fluchtwege aus der Stadt waren weitgehend abgeschnitten. Die Bevölkerung suchte in den Kellern Schutz, während die Flaktürme und die Artillerie vom Stadtpark, dem Rathausplatz und anderen offenen Flächen her unaufhörlich feuerten.

Die Rote Armee erreichte schließlich in voller Breite den Gürtel, wo Wehrmacht, SS und Volkssturm Eckhäuser zu Stellungen ausgebaut hatten. Die heftigen Kämpfe waren aber von kurzer Dauer. In allen Wiener Bezirken loderten inzwischen Brände, es fehlte allerdings an Löschwasser. Funkenflug setzte den Stephansdom in Brand, dennoch war es jemandem gelungen, an seiner Spitze unerlaubt die weiße Fahne der Kapitulation zu hissen.

Die sowjetischen Stoßtruppen bewegten sich vorsichtig in die inneren Bezirke hinein und kontrollierten Haus für Haus auf Hinterhalte. Entlang der Zweierlinie brannten das Parlament und das Burgtheater, auch der Naschmarkt stand in Flammen. In den Geschäftsstraßen begannen Plünderungen, nicht nur durch sowjetische Soldaten.

Am 13. April verstummte der Gefechtslärm
Am 10. April sprengte die Wehrmacht hinter sich alle Brücken über den Donaukanal und begann vom 2. und 20. Bezirk her die vorrückenden Sowjetverbände unter Beschuss zu nehmen. Der Stadtkern blieb durch den Abzug von einem Häuserkampf verschont. Über den Donaukanal schaffte es die sowjetische 4. Garde-Armee in der Nacht vom 11. auf den 12. April. Am 13. April um 14 Uhr erklärten die Sowjets den Kampf für beendet. Wien war befreit und am Abend verstummte der Gefechtslärm endgültig.

Verglichen mit anderen Großstädten wie Budapest oder Warschau hat Wien den Zweiten Weltkrieg nach Ansicht von Historikern relativ glimpflich überstanden. Die jüdische Gemeinde der Stadt war jedoch von den Nazis beinahe ausgelöscht worden.

Pummerin erinnerte an Kriegsende[B/]
Normalerweise läutet Österreichs größte Glocke nur zu Silvester, an hohen katholischen Feiertagen oder beim Tod wichtiger Persönlichkeiten: Zum Gedenken an den 70. Jahrestag der Zerstörung des Stephansdoms und seiner Glocke in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs war ihr Geläut am Sonntag in der Stadt zu hören - mehr dazu in Pummerin erinnert an Kriegsende.
Text u. Bilder: http://wien.orf.at/news/stories/2704566/
 

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t3atnö

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#11
Hainburg Ja

Hallo Josef

Ja das ist richtig Video 2 ab 5.16 das ist Hainburg an der Donau gefilmt vom Schloßberg in Hainburg.
Sehr gut beobachtet :Biene:
 

josef

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#12
Mahnmal für 12oo im Wiener Landesgericht hingerichtete NS-Opfer

Landesgericht: Mahnmal für NS-Opfer

Ein Mahnmal für die Opfer der Justiz des nationalsozialistischen Regimes wird heute Abend am Wiener Straflandesgericht enthüllt. Mit dem Monument soll der mehr als 1.200 im Landesgericht getöteten Nazi-Opfern gedacht werden.

Das Mahnmal ist eine Pyramide aus Stahl, die den Schriftzug „369 Wochen“ trägt und diesen als Lichtinstallation auf die Außenwand des „Grauen Hauses“ wirft. Künstlerin Eva Schlegel hat das Monument entworfen. Der Schriftzug steht symbolisch für jene 369 Wochen der NS-Herrschaft in Wien. In dieser Zeit wurden im Landesgericht über 1.200 Menschen zu Tode verurteilt.

Mahnmal in Achse zu Hinrichtungsraum[/B
Exekutionen wurden im Hinrichtungsraum im „Grauen Haus“ im Erdgeschoss vollzogen. Mit dem Fallbeil wurden die Verurteilten geköpft, darunter über 600 politische Widerstandskämpfer, die aktiv gegen das Hitler-Regime gekämpft haben.

Das Denkmal befindet sich in einer Achse zur Hinrichtungstätte im Inneren des Landesgerichts. Dort befindet sich seit den 1950er Jahren ein Gedenkraum, auf den nun auch von außen aufmerksam gemacht werden soll. Vor der Mahnmalenthüllung findet im Großen Schwurgerichtssal eine Gedenkstunde statt, an der auch Kardinal Christoph Schönborn, Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und ÖVP-Justizminister Wolfgang Brandstetter teilnehmen werden.

Zeittafeln als „Mahnung und Erinnerung“
Zehn Zeittafeln, die an die Gräuel des NS-Regimes erinnern sollen, wurden bereits Ende Jänner an der Außenfassade des Wiener Straflandesgerichtes angebracht. Sie sollen an die wechselvolle Geschichte des „Grauen Hauses“ und die Strafgerichtsbarkeit von 1839 bis in die Gegenwart erinnern.


Text u. Bilder: http://wien.orf.at/news/stories/2706241/
 

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josef

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#13
Die letzten Tage des WKII im Umfeld des Dulag Strasshof

Befreiung 1945: "Niemals vergessen" darf nicht zur Floskel werden!
Die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Strasshof an der Nordbahn und seinem Durchgangslager für ausländische Zwangsarbeiter


Am Morgen des 26. März 1945 machte sich eine Staffel von B-24-Liberator-Bombern am Flugfeld von Torretta in der Nähe von Cerignola, Italien, zum Abflug bereit. Das Missionsziel: der Verschubbahnhof von Strasshof an der Nordbahn, zehn Kilometer östlich von Wien. In einem der Flugzeuge nahm Sergeant Stanley E. Todd seinen Platz am Maschinengewehr im Bug der Maschine ein. Der 22-Jährige sollte an diesem Tag nicht mehr zurückkehren.

"Menschenware" in Strasshof
Am selben Tag brach von seiner Wohnung in Wien SS-Hauptsturmführer Siegfried Seidl nach Strasshof auf. Der ehemalige Kommandant des Konzentrationslagers Theresienstadt war nun Leiter der Außenstelle des "Sonderkommandos Eichmann" in Wien. An diesem Tag wollte er die Einwaggonierung von über 2.000 ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern zum Abtransport aus dem Durchgangslager Strasshof persönlich überwachen. Sie waren die letzten einer über 20.000 Personen großen Gruppe, die im Sommer 1944 aus Ungarn nach Strasshof deportiert worden war. Es waren jüdische Männer, Frauen und Kinder, die einer vermeintlichen Gnade Eichmanns folgend nicht nach Auschwitz kamen.

Denn neben der Erfüllung ihrer Massenmordpläne sollte die "Endlösung" in Ungarn für die SS auch ein lukratives Geschäft bleiben. Zum einen wurden Geldzahlungen vom jüdischen Rettungskomitee in Budapest erpresst, damit diese Menschen nicht an den "Mühlen" – so der Begriff in den internen Telegrammen – abgeliefert wurden. Zum anderen erwirtschaftete die SS Gewinne, indem sie die Menschen als Zwangsarbeiter an Bauern und Wirtschaftsbetriebe "vermietete". Schon im Herbst 1944 war ein Teil von ihnen nach Ende der Erntesaison in das Konzentrationslager Bergen-Belsen gebracht worden. Himmler "legte sie auf Eis" – die "Menschenware" sollte frisch bleiben, denn er hoffte, sie als Zeichen seines guten Willens an die Alliierten "verkaufen" zu können und sich so seinen Platz in einem Nachkriegsdeutschland zu sichern.

Der Rest verblieb in Wien und Niederösterreich, arbeitete weiter bei Bauern oder in Fabriken, eingesperrt in kleine Lager, die sie nur zur Arbeit verlassen durften. Im Frühjahr 1945 fürchtete Himmler um den Verlust seiner wertvollen "Ware". Einen Teil der "Strasshof-Gruppe" trieb die SS auf Todesmärschen Richtung Mauthausen, eine andere Gruppe wurde wieder nach Strasshof gebracht, um von hier ins KZ Theresienstadt transportiert zu werden.

Eingesperrt in Waggons
Bereits am frühen Morgen an diesem 26. März wurden die Gefangenen aus dem direkt neben der Bahn gelegenen Durchgangslager in die bereitgestellten Waggons eingesperrt. Unter ihnen befand sich der acht Jahre alte Paul Hartal. Gemeinsam mit seiner dreijährigen Schwester und seiner Mutter war er im Sommer 1944 aus Ungarn nach Strasshof deportiert worden. Bei der mehrtägigen Fahrt in geschlossenen Waggons hatte es viele Tote durch die Sommerhitze gegeben. Doch für viele war Strasshof eine Chance zu überleben. Vor allem für Kinder, die in Auschwitz sofort nach ihrer Ankunft ermordet wurden.

Bomber im Anflug
Die Luftabwehr bemerkte an jenem Morgen den Anflug des Bomberverbandes erst spät. Die Waggons mit dem jüdischen Gefangenen blieben verschlossen, während die Bewohner der umliegenden Häuser entweder in ihre Keller oder in den nahe gelegenen Wald flohen. Dorthin hatte sich auch Seidl gerettet, als die ersten Bomben zu fallen begannen. Das Trefferbild sollte von der US-Luftwaffe als "exzellent" bewertet werden. Die ersten Bomben trafen direkt die Bahnstrecke, ein Munitionstransporter erhielt einen Volltreffer, glühende Metallteile flogen über einen Kilometer weit und lösten in der Umgebung Brände aus.

Pauls Mutter kauerte sich über ihre Kinder, während Trümmer wie Schrapnellteile durch die Holzwände des Waggons schlugen, den die Druckwellen der Explosionen in die Höhe rissen. Während sich einzelne Wolkenschleier zwischen das Geschehen am Boden und die Bomberstaffel schoben, löste ein Bombenschütze zu spät aus. Die Geschosse detonierten im Siedlungsgebiet neben der Bahn und im Föhrenwald daneben, wo sich viele Menschen in Sicherheit bringen wollten. Innerhalb weniger Minuten war alles vorbei.

Eisenstränge drehten sich in den Himmel
Durch die Wucht der Explosionen war der Eisenbahnwaggon, in dem sich Paul befand, beinahe in zwei Hälften gerissen worden. Er sah, wie seine Spielkameradin blutüberströmt von ihrer Mutter davongetragen wurde. Auf dem ganzen Bahnhofsgelände lagen Tote und Verletzte. Wo sich noch vor kurzem die parallelen Schienen der Nordbahn in beide Richtungen erstreckt hatten, befand sich nun eine Kraterlandschaft und die Eisenstränge drehten sich verformt in den Himmel. Einige der Häuser neben dem Bahngelände hatten Volltreffer erhalten. Die Bewohner, die sich im Keller versteckt hatten, waren tot.

Der Bomber von Sergeant Todd war vom Flakfeuer über Strasshof beschädigt worden. Die Motoren an der rechten Tragfläche brannten und die Liberator verlor den Anschluss an den Bomberverband. Dem Piloten gelang es noch, den Alpenbogen zu überfliegen, doch dann gab er der Mannschaft den Befehl, "sich in die Seide zu werfen". Neun von zehn Fallschirmen öffneten sich. Todd beobachtete, wie sich jener des Piloten im Flügel der abschmierenden Maschine verfing und dieser von ihr in den Tod gerissen wurde. Er hingegen landete unversehrt und ergab sich der deutschen Polizei als Kriegsgefangener. Er war in Sicherheit, vorerst.

In Strasshof versorgte man derweil die Opfer des Bombenangriffs. Die jüdischen Verwundeten wurden auf Weisung von Seidl in Lkws verladen und in das jüdische Spital nach Wien gebracht. Er könne ihm gratulieren, teilte er dessen Leiter Emil Tuchmann mit. Er feiere heute einen zweiten Geburtstag. Als die Bomben im Wald um ihn herum detoniert seien, habe er schon damit gerechnet, dass es vorbei sein würde. Doch jetzt sah er wieder mit Optimismus in die Zukunft. Er suchte Leumundszeugen für die Zeit nach Kriegsende.

Die Befreier
Paul wurde mit seiner Mutter und seiner Schwester ins Durchgangslager zurückgebracht. Der Bomberangriff hatte ihren Abtransport ins KZ verhindert. Die Lagerwachen verschwanden in den folgenden Tagen, Essen gab es keines mehr. Gemeinsam mit den Ortsbewohnern plünderten die Gefangenen abgestellte Lebensmitteltransporte am Bahnhof. Am 10. April erreichte die Rote Armee Strasshof. 389 sowjetische Soldaten fielen bei Kämpfen in der Umgebung, auf der Gegenseite elf deutsche Soldaten.


Es entstand anscheinend der Plan, das Durchgangslager als Unterbringung zu nutzen. Der komplette Hausrat der umliegenden Häuser wurde geplündert, doch das mit Ungeziefer verseuchte Lager eignete sich nicht. Das geplünderte Gut wurde in den Straßengraben geschmissen. Die ungarischen Juden begrüßten ihre Befreier, doch diese zeigten wenig Interesse. Ein betrunkener Soldat bedrohte Paul mit seiner Waffe. Die Frauen versteckten sich vor den Soldaten. Eine organisierte Auflösung des Lagers erfolgte nicht. Die Befreiten packten ihre Habseligkeiten in eine der vielen herumstehenden Schubkarren von der angrenzenden Baustelle des Flugfelds Deutsch-Wagram, wo einige von ihnen vor ein paar Tagen noch arbeiten mussten. Zu Fuß machten sie sich auf den Weg in ihre Heimat Ungarn.

Szenenwechsel: Wetzelsdorf, Graz
Acht Tage zuvor, am 2. April, war der über Strasshof abgeschossene Maschinengewehrschütze Stanley Todd mit dem Rest der Flugzeugbesatzung überraschend aus einem Kriegsgefangenenlager in die SS-Kaserne Wetzelsdorf in Graz überstellt worden. Alle ahnten, dass dies nichts Gutes bedeuten konnte. Nach einem kurzen Verhör mussten sie ihre Hemden ausziehen. Die Männer rechneten jeden Moment damit, von den um sie herumstehenden SS-Männern erschossen zu werden. Doch plötzlich lenkte diese etwas ab. Eine Gruppe ungarischer Juden vom Ostwallbau in Rechnitz traf in der Kaserne ein.

Die Amerikaner wurden in eine kleine Zelle gesperrt, anscheinend vergessen und einige Tage darauf ins Lager Moosberg in Kärnten gebracht, wo sie ihre Befreiung erlebten. Einen Monat später, im Mai 1945, fand man in der Kaserne Wetzelsdorf die Gräber von Hunderten ermordeten Zwangsarbeitern, ungarischen Juden und Widerstandskämpfern. Sie waren Opfer jener SS-Männer geworden, die vermutlich die Hinrichtung der Kriegsgefangenen geplant hatten.

Nach Kriegsende
Nach Kriegsende tauchte Siegfried Seidl in der Nacht des 30. Juli 1945 vor der Wohnung von Tuchmann auf. Ob er ihm nicht weiterhelfen könne und bestätigen, dass er immer ein "Judenfreund" gewesen sei. Tuchmann verständigte die Polizei, die Seidl verhaftete. Im Herbst 1946 wurde ihm vom Volksgericht Wien der Prozess gemacht. Seidl berief sich auf Befehlsnotstand, er habe immer nur aus Angst vor seinen Vorgesetzten gehandelt. Das Gericht schenkte seiner Schilderung keinen Glauben. Er wurde als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und am 4. Februar 1947 in Wien hingerichtet.

Paul Hartal wurde nach seiner Heimkehr in Ungarn nicht glücklich. Der Antisemitismus lebte im kommunistischen Ungarn als Antizionismus weiter, religiöse Juden wurden verdächtigt, Vaterlandsverräter und Agenten des Westens zu sein. In Israel, wohin er 1957 auswanderte, konnte Hartal sein künstlerisches Talent entfalten. Er entwickelte das Konzept des lyrischen Konzeptionalismus, an dem er sein malerisches und dichterisches Schaffen orientierte. Die Erlebnisse in Strasshof blieben in seinen Gedichten präsent. Er lebt heute in Montreal, Kanada.

Sergeant Stanley E. Todd kehrte nach dem Krieg in die USA zurück. Bis kurz vor seinem Tod im Jahr 2004 wollte er über seine Kriegszeit nicht mehr reden. Erst seiner Tochter gelang es anhand eines Zeitungsberichts aus dem Jahr 1945, die Geschichte ihres Vaters zu rekonstruieren.

Es blieben kaum Spuren in Strasshof
In Strasshof blieben kaum Spuren des Lagers. Lediglich eine Massengrabanlage am Friedhof legte Zeugnis ab von der Geschichte der Zwangsarbeit, in der die ungarischen Juden nur das letzte Kapitel gewesen waren. Die Mehrzahl der dort bestatteten Opfer sind Ukrainer und Russen: Männer und Frauen jeden Alters, auch mehr als 25 Kinder unter sechs Jahren, deren Mütter man teils unter Zwang, teils unter Vortäuschung, in Deutschland gut leben zu können, nach Strasshof gebracht hatte. Deren Geschichte wurde bis heute kaum erzählt, waren sie doch nach dem Krieg in ihrer Heimat dem Verdacht ausgesetzt, Kollaborateure und Feinde der Sowjetunion zu sein.

In Strasshof versuchte man die Geschichte zu vergessen, war man mit dem eigenen Leid beschäftigt, wollte das der anderen nicht sehen. Das Soldatengrab der Gemeinde zählt 112 Tote aus Strasshof. Gut 30 tote Zivilisten aus dem Ort werden auf einem Grabstein erwähnt. Neben den 471 Toten im Massengrab bilden sie eine erste Bilanz der NS-Herrschaft. Eine Bilanz, nach deren Ursachen lange Jahre nicht gefragt wurde. Im Jahr 1988 legte die Gemeinde einen Gedenkstein am Massengrab nieder. 2009 begann eine lokale Initiative mit der Erforschung der Geschichte des Durchgangslagers. Sie stellte fest, dass es sich bei diesem Lager um eines der großen Verteilungslager in Österreich gehandelt hatte, von dem aus ganz Ostösterreich mit Zwangsarbeitern "beliefert" wurde. Denn Zwangsarbeit war kein lokales Phänomen, auf wenige Orte beschränkt, sondern beinahe in jedem größeren Dorf befand sich seit 1943 ein Lager.

Jahrzehnte des Schweigens
Heute leben nur mehr jene, die diese Zeit als Kinder und Jugendliche erlebt haben. Die Jahrzehnte des Schweigens machen es ihnen schwierig, über diesen Teil ihrer Erinnerungen zu sprechen. Doch darüber zu sprechen bleibt notwendig, damit "Niemals vergessen" nicht zur Floskel und das Erinnerungsmal in Strasshof kein steinernes Relikt bleibt.

(Bernhard Blank, derStandard.at, 29.4.2015)

Bernhard Blank ist Obmann des Vereins Arbeitsgruppe Strasshof. Der Verein errichtete 2011 ein Erinnerungsmal zum Gedenken an die Opfer des Durchgangslagers Strasshof. Seit 2012 findet eine jährliche Gedenkveranstaltung an die Opfer des Lagers statt, in diesem Jahr am 8. Juni. Die "March of the Living Foundation" aus Budapest hat angekündigt, ihren Ausstellungswaggon über die Shoah in Ungarn aus diesem Anlass für eine Woche in Strasshof Station machen zu lassen. Im Heimatmuseum Strasshof (Bahnhofsplatz 22, sonn- und feiertags von 13 bis 17 Uhr geöffnet) beschäftigt sich ein Ausstellungsteil mit der Geschichte des Durchgangslagers.
http://derstandard.at/2000014141834/Befreiung-1945-Niemals-vergessen-darf-nicht-zur-Floskel-werden
 

josef

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#14
Die Befreiung der KZ in Oberösterreich

5. Mai, der Jahrestag der Befreiung des KZ Mauthausen und seiner Außenlager vor 70 Jahren

Zur Vorgeschichte: Am 30. Jänner 1933 wird Adolf Hitler zum Kanzler des Deutschen Reiches ernannt. Die Nationalsozialen entmachten daraufhin das demokratisch gewählte Parlament und setzen grundlegende Bürgerrechte außer Kraft. Die bewaffneten Verbände der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter Partei heißen SA und SS, SA für Sturmabteilung, SS für Schutzstaffel. Sie verfolgen politische Gegner und verschleppen sie ohne gerichtliche Verurteilung.

KZ Dachau wird zum Modell künftiger Lager
Die SS schafft eine neue Form der Haftstätte: das Konzentrationslager. Das KZ Dachau bei München wird zum Modell für künftige Lager. Während der ersten Jahre der Diktatur durch die Nationalsozialisten in Deutschland bildet sich durch Zeitungsberichte und Gerüchte in der Bevölkerung eine Vorstellung davon, was „KZ“ – die gängige Abkürzung, die amtliche lautet „KL“ – bedeutet. Was damit gemeint war, war anfänglich nicht so klar. Am 22. März 1938, zehn Tage nach dem Anschluss Österreichs, kündigte Heinrich Himmler, Reichsleiter der SS, in Linz an: „Der Führer hat genehmigt und befohlen, dass die Schutzstaffel Österreichs zwei Standarten aufstellen darf, eine Standarte der Verfügungstruppen mit drei Sturmbannen und eine Standarte der Totenkopfverbände mit ebenfalls drei Sturmbannen, welche letztere nach Oberösterreich kommen werden.“

Es handelte sich nur um eine indirekte Ankündigung der Errichtung eines Konzentrationslagers. Bereits fünf Tage später prahlt Gauleiter August Eigruber in einer Rede in Gmunden: „Wir Oberösterreicher erhalten aber noch eine andere, besondere Auszeichnung für unsere Leistungen während der Kampfzeit. Nach Oberösterreich kommt das Konzentrationslager für die Volksverräter von ganz Österreich.“ Die Zuhörerschaft jubelt, in diesen Tagen fällt die Entscheidung für den genauen Standort des Lagers.

Zweimal täglich Zählappell zur Kontrolle
Der Appellplatz in Mauthausen war die zentrale Achse und der funktionale Mittelpunkt des Häftlingslagers. Zweimal täglich, in der ersten Zeit sogar dreimal, fand hier zur Kontrolle des Häftlingsstandes der Zählappell statt – sowohl der Lebenden als auch der Toten. Der Pole Stefan Krukowski erinnert sich: „Eine andere Form der Freizeitbeschäftigung waren mehrstündige Appelle. Manchmal waren sie begründet, etwa im Fall einer Flucht. Dann standen wir so lange, bis der Häftlingsstand stimmte. Manchmal handelte es sich um Veranstaltungen mit Exerziercharakter. Wir wurden vorwiegend dann gedrillt, wenn es regnete. Die mehrstündige Steherei war erst dann zu Ende, wenn wir bis auf die Knochen durchnässt waren, wenn wir die Beine kaum noch vom Boden heben konnten und wenn hinter dem Block schon etliche Kandidaten für das Krematorium lagen. Ein plötzlicher Befehl – und zitternd marschierten wir zu den Blöcken.“

Rüstungsindustrie in unterirdischen Anlagen
Unterirdische Anlagen sollen ab 1943 die Rüstungsindustrie vor Bombenangriffen schützen. So entsteht im Herbst 1943 das Außenlager Redl-Zipf, das die Tarnbezeichnung „Schlier“ erhält. Bis zu 1900 Häftlinge bauen die Brauereistollen für eine Flüssigsauerstoff-Fabrik aus. Im selben Jahr gründet die SS unter dem Tarnnamen „Zement“ ein großes Außenlager in Ebensee. Mehrere tausend Gefangene treiben riesige Stollen für Rüstungsanlagen in den seit 1909 bestehenden Steinbruch der Firma Hatschek.

In Sankt Georgen an der Gusen beginnen 1943 die Arbeiten an einem gigantischen Stollensystem für eine unterirdische Düsenjäger-Fabrik unter dem Tarnnamen „Bergkristall“. Tausende Häftlinge, darunter viele ungarische und polnische Juden, werden zu dieser Arbeit gezwungen.

Granit aus Mauthausen für Linz benötigt
Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Plänen von Adolf Hitler für seine Lieblingsstadt Linz und der Errichtung des Lagerkomplexes Mauthausen. Für die monumentalen Neubauten brauchte man Granit und in der Gegend von Mauthausen ist bester Granit reichlich vorhanden. Die Arbeit in den Steinbrüchen sollten Häftlinge übernehmen. Die SS will die Zwangsarbeit im KZ für eigene wirtschaftliche Zwecke nutzen. Im Mittelpunkt steht zunächst die Produktion von Ziegeln und Steinen für die großen Bauvorhaben. Von der Stadt Wien wird der stillgelegte Granitsteinbruch Wiener Graben übernommen. Günstig ist auch die Nähe zu Linz und zur Donau als Transportweg. Zur Vermarktung der Steine gründet die SS im April 1938 die Firma Deutsche Erd- und Steinwerke. KZ-Häftlinge sollen als Zwangsarbeiter ausgebeutet werden.

Am 8. August 1938 trifft der erste Transport mit etwa 300 österreichischen und deutschen Gefangenen in Mauthausen ein. Bis Ende des Jahres 1939 entstehen auf dem Hügel oberhalb des Steinsbruches zwanzig in Reihen angeordnete hölzerne Häftlingsbaracken mit einem großen Appellplatz. Die Lagerinsassen bauen Mauern und Wachtürme, Wäscherei und Küche, SS-Kommandantur und Baracken für die Wachmannschaften. Bis 1945 sollte das KZ Mauthausen auf einem Areal von über 15 Hektar ständig erweitert werden. Hoch über dem Ort Mauthausen gelegen und weithin sichtbar, verkündet der Standort den Machtanspruch der SS.

Hunderttausende KZ-Häftlinge in Bewegung gesetzt
Mit der Landung der Alliierten im Juni 1944 in der Normandie zeichnet sich die militärische Niederlage des Deutschen Reichs ab. Die in Frontnähe gelegenen Lager werden nach und nach aufgelöst, Hunderttausende KZ-Häftlinge werden in den letzten Kriegsmonaten ins Reichsinnere in Bewegung gesetzt. In den Lagern wird die Ernährungslage immer prekärer. Ab Herbst 1944 beginnt die SS mit der Evakuierung des größten aller Konzentrationslagers, dem KZ Auschwitz. Ab Jänner 1945 gelangen noch zehntausende Menschen in das Lagersystem Mauthausen: ungarische und polnische Juden und Jüdinnen, aufständische Polen aus Warschau, Widerstandskämpfer aus Italien, Männer und Frauen aus anderen Lagern. Innerhalb der ersten beiden Monate des Jahres 1945 verdoppelt sich im Hauptlager Mauthausen die Zahl der Inhaftierten. Die SS bringt einen Teil der Ankommenden in einem provisorischen Zeltlager unter.

Die Versorgung in Mauthausen-Gusen bricht zusammen. Nahrung und medizinische Versorgung sind praktisch nicht vorhanden. Die Folge ist ein Massensterben mit zehntausenden Toten innerhalb weniger Monate. In der Schlussphase setzt die SS die gezielten Morde in den Lagern fort und beseitigt damit die Augenzeugen und Geheimnisträger ihrer Verbrechen. In der Regel handelt es sich um Häftlinge, die in den Krematorien arbeiten mussten. Im April werden in Gusen die Kranken mit Gas erstickt oder erschlagen, in Mauthausen tausende geschwächte Menschen aus dem Sanitätslager in der Gaskammer getötet. Danach lässt die SS die technischen Einrichtungen zur Tötung abmontieren und Schriftstücke vernichten, um die Spuren des Terrors zu beseitigen. Häftlingen gelingt es aber, viele Totenbücher, Listen und Fotografien als Beweismittel in Sicherheit zu bringen.

Chaos in den Tagen vor der Befreiung
In den Tagen vor der Befreiung herrscht Chaos, die Fronten im Osten und Westen rücken immer näher. In der Nacht vom 2. zum 3. Mai 1945 flüchten die letzten SS-Offiziere aus dem Lager unter dem Vorwand, gegen die Russen kämpfen zu wollen. In Wahrheit fliehen sie vor den herannahenden alliierten Truppen. Zuvor übertragen sie einer Einheit der Wiener Feuerschutzpolizei die Lagerbewachung. Das war der erste Bote der sich nähernden Freiheit.

In Erwartung der Befreiung bemüht sich ein internationales Häftlingskomitee innerhalb des Lagers für Ordnung zu sorgen, das Rote Kreuz hatte schon davor die Erlaubnis erhalten, einige Häftlinge aus den Lagern fortzubringen. Am 5. Mai 1945, es ist ein sonniger Samstag, ist es dann soweit. Am Morgen wird die Gemeinde Mauthausen von amerikanischen Truppen besetzt und der Großteil der SS-Männer gefangengenommen.

Sprengladungen deaktiviert
Louis Haefliger war Delegierter des Internationalen Roten Kreuzes, der die Möglichkeit hatte, in die Konzentrationslager zu gelangen, um Hilfstransporte zu begleiten. Er wusste von den Plänen Heinrich Himmlers, die Häftlinge der Lager Mauthausen sowie Gusen I und II in den umfangreich angelegten Stollensystemen einzusperren und durch Sprengung der Stollen die Insassen zu ermorden. Haefliger entschied, alles zu unternehmen, um dies zu verhindern. In den frühen Morgenstunden des 5. Mai fährt Haefliger in die Umgebung, um nach alliierten Truppen zu suchen. Er trifft auf eine Patrouille von 23 Soldaten der 11. Panzerdivision der 3. US-Armee unter dem Kommando von Sergeant Albert Kosiek.

Haefliger überzeugt ihn, das Lager zu befreien und die Sprengladungen zu deaktivieren. Kosiek erreicht mit seinem Panzerspähtrupp als „Erster“ das Lager Mauthausen. Nach einem Erkundungsgang durchs Gelände ruft er die Lagerinsassen auf, Ruhe zu bewahren. Am Nachmittag erhält er den Befehl, seinen Aufklärungseinsatz fortzusetzen. Trotz Protesten der überlebenden Häftlinge fuhren die amerikanischen Soldaten nach wenigen Stunden wieder ab, was zur Bewaffnung einiger Häftlingsgruppen führte, die immer noch die Rückkehr der SS befürchteten.

Am Sonntag, den 6. Mai 1945 bekommt Richard Seibel vom Kommandeur der 11. Panzerdivision den Oberbefehl über das befreite Lager Mauthausen übertragen. Er soll sich um die Versorgung der Häftlinge und die Auflösung des Lagers kümmern. Tags darauf, am 7. Mai 1945 übernimmt Seibel endgültig das Lager.

Befreier auf Zustände in Mauthausen nicht vorbereitet
Die amerikanischen Befreier sind auf die vorgefundenen Zustände nicht vorbereitet. Eilig werden Sanitäts- und Pioniereinheiten herbeigeordert. Nur ein Teil der Häftlinge kann die Befreier jubelnd begrüßen. Viele sind derart geschwächt, dass sie die Ankunft der US-Soldaten kaum wahrnehmen. Die Mehrheit der Gefangenen ist völlig apathisch. Nach der Befreiung entlädt sich die Wut auf die Peiniger und die Häftlinge üben Lynchjustiz an verhassten Funktionshäftlingen. Das waren von der SS eingesetzte Erfüllungsgehilfen aus den Reihen der KZ-Insassen, die mit Privilegien ausgestattet wurden. Zugleich kommt ungläubige Freude darüber auf, noch am Leben zu sein. Die amerikanischen Truppen übernehmen rasch die Kontrolle, bestatten die Toten in Massengräbern, um den Ausbruch von Seuchen zu verhindern, stellen die Versorgung für die Überlebenden sicher, sammeln Beweise zur gerichtlichen Verfolgung der Täter und verhaften SS-Angehörige.

Zivilisten fanden im Lager Beschäftigung
Das Lagersystem Mauthausen war von seiner Umwelt keineswegs hermetisch abgeriegelt. Die Häftlingskolonnen waren über Jahre auf ihrem Marsch vom Bahnhof Mauthausen ins Lager für jeden erkennbar. Auch die Gräueltaten im Lager blieben den Anrainern nicht verborgen. Viele Zivilisten aus dem Umland fanden im Lager Beschäftigung, die regionalen Betriebe unterhielten vielfältige Geschäftsbeziehungen mit dem KZ, indem Nahrungsmittel und andere Güter an die Lagerverwaltung verkauft wurden, andererseits Produkte aus dem Lager ihre Abnehmer in der Umgebung fanden.

Während am 5. Mai 1945 Einheiten der 11. Division der 3. US-Armee kampflos die Lager Mauthausen, Gusen I und III, Linz, Steyr-Münichholz und Gunskirchen befreien, stellt sich die Lage in Ebensee am 5. Mai anders dar. Ladislaus Zuk, 1919 in Warschau geboren, wurde im Februar 1944 mit der Häftlingsnummer 52099 von Mauthausen nach Ebensee verlegt. Er überlebte dank der Hilfe einer ansässigen Familie. Am nächsten Tag, am Sonntag den 6. Mai erreichen am späten Nachmittag Soldaten der 3rd Cavalry Group der Vereinigten Staaten, eine Art Aufklärungseinheit unter dem Befehl des Sergeant Timothy Brennan, das Tor des Lagers.

Ebenseer hatten Angst
Eine Augenzeugin aus Ebensee spricht von der damaligen Zeit, dass die Einwohner Angst gehabt hätten, Angst nicht nur vor den einmarschierenden US-Truppen sondern auch vor den freigelassenen Häftlingen. Das hatte auch einen Grund. Kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner war es im Lager zu einem blutigen Akt der Selbstjustiz gekommen. Nach dem Abzug der SS erschlugen die Häftlinge insgesamt 50 Kapos und Kollaborateure, die sie in den Monaten zuvor bis aufs Blut gequält hatten. Im Ort selbst kam es Plünderungen, auch nach der Befreiung durch die amerikanischen Truppen. Vielfach kam es zu Übergriffen der KZ-Insassen, um an Nahrungsmittel und Kleidung heranzukommen.

Die Interviews und Gespräche mit Zeitzeugen stammen aus dem Hörfunk- und Fernseharchiv des ORF, die zu verschiedenen Anlässen aufgenommen wurden. Als Quellen dienten der Katalog „Das Konzentrationslager Mauthausen 1938 – 1945“, herausgegeben vom Verein für Gedenken und Geschichtsforschung in österreichischen KZ-Gedenkstätten, 2013, der im Studienverlag erschienene Band „Nationalsozialismus in Oberösterreich“, 2014, und Archivbestände der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, die zur Verfügung gestellt wurden.


Michael Huemer; ooe.ORF.at
http://ooe.orf.at/radio/stories/2708346/
 

josef

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#15
Salzburg gedenkt Kriegsende vor 70 Jahren

Vor 70 Jahren wurde die Stadt Salzburg von der Nazi-Herrschaft befreit. Am 4. Mai 1945 marschierten amerikanische Truppen in der Landeshaupstadt ein, die Stadt war ihnen kampflos übergeben worden. Am Montag wurde des Kriegsendes gedacht.

Zum Zeitpunkt der Übergabe der kampflosen Übergabe der Stadt Salzburg war Adolf Hitler bereits mehrere Tage tot. Salzburg hatte insgesamt 15 Luftangriffe erlebt, hunderte Menschen waren dabei umgekommen. Das sind Ereignisse, an die sich die wenigsten noch selbst erinnern können, die aber ganz wesentlich den Weg Salzburgs geprägt haben. Denn ohne kampflose Übergabe wäre Salzburg wohl nicht mehr jenes Salzburg, das es heute noch ist.

„Wollte etwas aus diesem schrecklichen Krieg retten“
Von den Bombenangriffen der Alliierten Ende April 1945 war auch Salzburg nicht verschont geblieben. Dass die Stadt nicht völlig zerstört wurde, das ist dem damaligen Kampfkommandanten Hans Lepperdinger zu verdanken. Der gebürtige Münchner war erst am 3. Mai auf diesen Posten aufgerückt, einen Tag später übergab er Salzburg kampflos den anrückenden Amerikanern.

Seine Befehle hatten ganz anders gelautet, sagte der im Jahr 1984 verstorbene Lepperdinger: „Schon zu diesem Zeitpunkt, als ich den Befehl bekommen habe, war ich entschlossen, meine sicher letzte Stelle als Truppenkommandeur gut auszunützen und wenigstens etwas aus diesem schrecklichen Krieg zu retten: die schöne Stadt Salzburg und ihre Bevölkerung.“

Zwei Soldaten der dritten US-Infantriedivision waren beim Gedenken am Montag noch dabei. US-Veteran Bob Dutil aus Kalifornien erinnert sich: „Wir wussten der Krieg dauert nicht mehr lange, das war eine Freude für uns alle, das Töten hatte endlich ein Ende.“ John Miller aus Michigan ergänzt: „Wir waren glücklich dass wir nicht kämpfen mussten als wir hierher kamen und dass wir nicht so aufpassen mussten, eigentlich sollten wir nach Berchtesgaden gehen.“

Botschafterin: „Fundament für starke Freundschaft“
Das offizielle Salzburg und das offizielle Amerika gedachten am Montag der Befreiung Salzburgs vor genau 70 Jahren, Kränze wurden niedergelegt. Aber: gewürdigt wurde die Verbundenheit von Ländern und Menschen, auch von US-Botschafterin Alexa Wesner: „Ich glaube, es war die Fortsetzung einer Freundschaft. Unsere diplomatischen Beziehungen gibt es ja schon seit 176 Jahren, und vor 7o Jahren haben wir ein weiteres Fundament gelegt für eine starke Freundschaft, deren Werte heute noch andauern.“

70 Jahre Befreiung Salzburgs vom NS-Regime, das bedeutet auch 70 Jahre Frieden in Salzburg, sagt Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ): „Wir können uns glücklich schätzen hier leben zu können und in so guten sozialen und wirtschaftlichen Umständen leben zu können.“

Verteidigung hätte schlimme Folgen gehabt
Wäre Salzburg nicht kampflos übergeben worden, hätte das schlimme Folgen gehabt, ist Militärhistoriker Gernod Fuchs überzeugt: „Dann wäre amerikanisches Militär ganz sicher einmarschiert, mit herkömmlichen Kampfmaßnahmen, mit Artillerie und Fliegerunterstützung. Die Stadt wäre in relativ kurzer Zeit besetzt gewesen, mit relativ großen Opfern.“ Außerdem sei es auch jetzt noch wichtig, an die damaligen Vorgänge zu erinnern, denn es gebe auch jetzt immer noch neue Informationen, die es wert seien, bekannt gemacht zu werden, ergänzt Fuchs.
http://salzburg.orf.at/news/stories/2708977/
 

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#16
Kriegsende 45: Alle Kirchenglocken in Niederösterreich läuten

Kriegsende ’45: Alle Kirchenglocken läuten

Anlässlich des Endes des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren werden am Freitag um 11.45 Uhr im gesamten Bundesland Niederösterreich die Kirchenglocken sieben Minuten lang läuten.

„Dem Frieden ein Gehör schenken“, lautet das Motto. Das Läuten der Glocken gehöre seit Jahrhunderten zur Fest- und Feierkultur des Landes, kündigt das Museum „Erlauf erinnert“ an, das am folgenden Tag eröffnet wird. Es sei „ein wichtiges Symbol, das an diesem 8. Mai mit Freude und Dankbarkeit an das Kriegsende und den seit damals anhaltenden Frieden in Österreich erinnern soll“, hieß es in einer Aussendung. Alle Pfarren im Bundesland seien eingeladen worden, sich zu beteiligen.

In Erlauf (Bezirk Melk) finden von Freitag bis Sonntag Friedenstage statt. In deren Rahmen wird am Samstag auch das Museum eröffnet. Es soll die Geschichte von Nationalsozialismus und Krieg in Österreich beleuchten und Erinnerungskultur mit Gegenwartskunst verbinden. Das Projekt ist eine Kooperation der Gemeinde mit der Abteilung Kunst und Kultur des Landes Niederösterreich.

Ein Handschlag macht einen Ort berühmt
Ein symbolträchtiger Handschlag hatte Erlauf über Nacht zu einem historisch besonderen Ort gemacht, denn zum ersten Mal kam es zu einem Zusammentreffen der sowjetischen mit der amerikanischen Armee. Am 8. Mai 1945 waren in Erlauf der sowjetische General Dimitri Dritschkin und der US-amerikanischen General Stanley Reinhart zusammengetroffen.

Der Handschlag der Generäle löste in Erlauf eine besondere Form der Gedenk- und Erinnerungskultur aus, die seit den 1960er-Jahren gelebt wird. „Kein anderer Ort vergleichbarer Größe im deutschsprachigen Raum hat sich derart bewusst und über eine ähnlich lange Zeitspanne hinweg mit den Themen Frieden, Erinnerung und Kunst auseinandergesetzt“, hieß es in der Aussendung.

So wurden 1995 die Friedensdenkmäler von Jenny Holzer und Oleg Komow umgesetzt und in der Folge eine Reihe von temporären Kunstprojekten im öffentlichen Raum wie „Erlauf erinnert sich“ (2000, 2002) oder das Musikprojekt „AMF – Allied Musical Forces“ von Konrad Rennert (2006) realisiert.
Text u. Foto: http://noe.orf.at/news/stories/2709609/

Hier ist auch etwas über das Zusammentreffen in Erlauf zu lesen...

Generäle in Erlauf
© Erlauf Erinnert
8. Mai 1945: General Stanley Reinhart (l.) und General Dimitri Dritschkin (r.)
 

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#17
Zum Gedenken bzw. was übrig blieb…

Eine Gedenksäule erinnert an 3 Wochen Front und an das Kriegsende an der Straße zwischen Hollenburg und Wagram ob der Traisen am Fuße des Wetterkreuzberges. Ursprünglich wollte ich eine genaue Dokumentation der noch zu erkennenden Stellungen des Frontabschnittes zwischen Donau und Wölbling erstellen. In Anbetracht der in letzter Zeit durchgeführten umfangreichen "Grabungsarbeiten unserer Sondlerfreunde" unterlasse ich dieses Vorhaben und stelle nur einige Fotos von den Stellungsresten ohne Hinweise auf die Örtlichkeiten ein! Die Bilder entstanden zwischen Sommer 2014 und Anfang Mai 2015:

1. – 5. Frontdenkmal östlich Hollenburg
6. Die „deutsche Frontseite“: Wetterkreuzberg mit der Kirche und dem dahinter anschließenden Schiffberg vom Denkmal aus.
 

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#18

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#19
Kärnten zu Kriegsende 1945

8. Mai: Kärnten zu Kriegsende 1945

Zu Kriegsende vor 70 Jahren, am 8. Mai 1945, hat es in Kärnten schon eine provisorische Landesregierung gegeben, aber erst einen Tag zuvor hatte Gauleiter Friedrich Rainer seinen Rücktritt erklärt. Am 8. Mai überschritten die britischen Truppen die Grenze.

Die Bombenangriffe der Allierten hatten Klagenfurt in in Schutt und Asche gelegt. Während große Teile Österreichs schon von den alliierten Truppen besetzt waren, rief Gauleiter Friedrich Rainer die Kärntner erst am 7. Mai im Kreuzberglbunker zur Kapitulation auf.

Bevölkerung lieferte Rainer aus
Gerhard Finding vom Bergbaumuseum: „Klagenfurt war bombardiert, es gab keine Sender mehr, er musste zum letzten Sender, der noch ausstrahlen konnte. Um 23.00 Uhr hielt er seine Rücktrittsrede.“ Nicht einmal eine Minute habe die Rede gedauert, so Finding. Danach sei Rainer in seine Wohnung nach Pörtschach gefahren, habe sich von seiner Familie verabschiedet und sei an den Weißensee geflüchtet. Dort wurde er nach Hinweisen aus der Bevölkerung verhaftet.

Schüler begrüßten die Engländer
Die britische Truppen kamen tags darauf von Italien aus nach Kärnten. Sie waren schneller, als die Titopartisanen und erreichten schon am Vormittag den Neuen Platz in Klagenfurt. Walter Rubenthaler war damals elf Jahre alt, an das Kriegsende erinnert er sich sehr genau: „Wir haben noch Schule gehabt, aber es hat geheißen, die britischen Soldaten werden einmarschieren. Geht und empfangt sie. Alle haben wir geschrien ‚Good bye‘. Die Soldaten haben zornig geschaut, aber wir konnten ja kein Englisch.“

Aus dem „Good bye“ wurde ein „Welcome“. Die Briten verhinderten eine Besetzung durch jugoslawische Truppen. Den Menschen in Kärnten ging es schon bald spürbar besser. Laut Rubenthaler haben die Soldaten Obst, Zuckerln und Schokolade verteilt.

Rainers Villa wurde beschlagnahmt
Die Villa von Gauleiter Rainer auf der Halbinsel Rosenegg in Pörtschach wurde von den Briten beschlagnahmt und zum Domizil der Hochkommissare, so wie viele andere Schlösser und Villen in der Pörtschacher Bucht.

Die Engländer fühlten sich wohl in Kärnten und kümmerten sich gleich nach dem Krieg vor allem um die Kinder, so Peter Napetschnig, Pörtschacher Chronist. Die Erwachsenen seien von den Briten ignoriert worden, die Kinder seien aber liebevoll behandelt worden. Unter den Briten wurden auch die Fußballplätze reaktiviert.

Viele Ehen entstanden
Mit den Einheimischen knüpfte man auch anderweitig Kontakte. Die Sympathie endete gar nicht so selten vor dem Traualtar, so Janes Sablatnig, Tochter eines britischen Soldaten. Ihr Vater, Major Derek Fields kam nach dem Staatsvertrag nach Kärnten zurück. In ein Land, das den Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg schaffte. Bis zum Abschluss des Staatsvertrags 1955 war Kärnten britische Besatzungszone.
http://kaernten.orf.at/news/stories/2709653/
 

josef

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#20
War heute wieder einmal irgendwo im Bereich zwischen Wetterkreuzberg bei Hollenburg und Wölbling unterwegs, wo noch die vor nun über 71 Jahren in den Waldboden geschlagene Narben der Front erkenntlich sind...

Die Krater der Geschosseinschläge sind auf den Fotos nicht mehr so gut zu erkennen, aber auf den "Laserscan-Bildern" auf NÖGIS dafür um so deutlicher:
 

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