#1
Weiß jemand was näheres über den ominösen Funkwagen den Bormann am 25.Feb am OSB im Bereich Klingeck hat auffahren lassen?
Angeblich funkte er wohl auch noch nach der Bombardierung noch bis nach Brasilien.
Gruß
 
H

hebbel

Guest
#3
Ich hatte diese ULTRA-Meldung schon mal gebracht:

----------Schnipp-----------

Ref: GX / MSS / T533 / 61 KO 1776

ZZ

KO 1776 £ 1776
SB 77 £ 77 PK 63 £ 63
SG 13 £ 13 WM 28 £ 28 NK 7 £ 7 LF 76 £ 76 SH 14 £ 14
WA 732 £ 732 %

ACCORDING ( FAIR INDICATIONS OKH £ OKH ) ONE SIX HOURS
TWENTYNINTH, WIRELESS CENTRE SOUTH AT BAD REICHENHALL £
BAD REICHENHALL ZEBRA EIGHT ONE, DITTO NORTH AT PLOEN £
PLOEN NAN SEVEN TWO

NB / NYD / LBS 302329Z / 4 / 45

----------Schnipp-----------

Die Meldung ist vom 29.04.1945 und besagt, daß 16:00 Uhr eine Funkstation südlich Bad Reichenhalls und eine Funkstation nördlich Plöns festgestellt wurden. Was da nicht steht, aber vermutet werden kann ist, daß diese beiden Stationen miteinander in Verbindung standen.
Das wäre dann wahrscheinlich die Funkverbindung Südraum - Nordraum.

Bereits am 25. April 1945 gab es die Meldung KO 1361 "OKH battle headquarters at Bad Reichenhall", welche besagt, daß der Gefechtsstand des OKH in/bei Bad Reichenhall lokalisiert war.

Solch eine Verbindung macht auch Sinn, da es primär immer noch um militärische Führungsaufgaben und um Waffenstillstandsverhandlungen ging, und nicht um BORMANNs Intrigenquatsch.

Die Funkzentrale BORMANNs auf dem OSB ist doch bekannt. Der Kommandant des OSB, SS-Obersturmbannführer Dr. Bernhard FRANK, schrieb in "Geheime Regierungsstadt Hitlers, Obersalzberg":

(23.04.1945) "... Nach meiner Erinnerung - es liegen fast vierzig Jahre dazwischen - wurde ich etwa zwei Stunden nach meiner Rückkehr aus dem Landhaus GÖRING angerufen. [GÖRING hatte FRANK über seine Pläne zur Machtübernahme unterrichtet, falls HITLER Handlungsfähigkeit eingeschränkt sein sollte.] Die Nachrichtenzentrale meldete mir eine äußerst wichtiges Gespräch an. Dann wurde ich mit einem Admiral (Name ist mir entfallen verbunden. Es ist denkbar, daß es sich um Admiral von Putkamer handelte, den ich bis dahin nie zu Gesicht bekommen hatte. Er, Marineadjutant HITLERs, war am 20. April 1945 von Berlin nach Salzburg geflogen und wohnte nun wieder in der Adjutantur Obersalzberg. "Bitte kommen sie sofort zum Gästehaus Hoher Göll. Für sie liegt ein Funkspruch von höchster Stelle vor. Die Angelegenheit ist von größter Wichtigkeit und eilt sehr."
Wenige Minuten später betrat ich die Funkzentrale der Parteikanzlei. Der Admiral übergab mir das Papier." [Das war der Funkspruch, in dem FRANK angewiesen wurde, GÖRING zu verhaften.]

(Natürlich könnten Sender und Empfänger inkl. Antennenanlage auch von der Örtlichkeit abgesetzt betrieben worden sein.)

Tja, wie kommen "Zivilisten" an eine Funk-Sende/Empfangsanlage? Darauf gibt Wilhelm Ritter von SCHRAMM in seinem Buch „Der Geheimdienst in Europa 1937—1945” Auskunft:

"Ein weiterer Hinweis auf die Nachrichtenverbindungen der Parteikanzlei Martin Bormanns ist dem General der Nachrichtentruppe, Albert PRAUN, zu verdanken:

Reichsleiter BORMANN behauptete 1944, seine Fernschreibverbindungen zu den Gauleitern genügten nicht, er verlange ein eigenes Funknetz.
Aber gerade das wollte General PRAUN Zivilisten nicht zur Verfügung stellen, weil die Gefahr des Mißbrauchs nahelag. Außerdem verfügte das Heer damals bereits weder über die nötigen Funkgeräte noch Funker, die es zu diesem Zweck hätte freimachen können. Da sprang die Kriegsmarine ein, sehr gegen den Willen des Chefs der Wehrmachtnachrichtenverbindungen, und stellte dem Reichsleiter BORMANN das Funknetz zur Verfügung, das er verlangte. Die Kriegsmarine hatte Funkgeräte für U-Boote gehortet und sie nun zur freien Verfügung, da diese ja nicht mehr gebaut wurden. Sie hatte auch noch Funker, die sie nun zu der Parteikanzlei abkommandierte und nicht zum Heer, wo sie dringender gebraucht wurden. Es ist nicht bekannt, ob und wie eine Kontrolle oder Beobachtung des für Reichsleiter Martin BORMANN neu geschaffenen Funknetzes erfolgt ist. Hier ist sicher eine Dunkelzone entstanden.”

[Von SCHRAMM hatte nach dem Krieg enge Verbindung zu PRAUN. Die beiden Personen sind als Quelle zuverlässig.]

Hier haben wir also eine gewisse Verbindung BORMANN - Marine auf der Basis technischer Art und es ist möglich, daß diese "Funkzentrale der Parteikanzlei" aus eben diesem technischen Bestand der Kriegsmarine aufgebaut wurde.

Na ja, Brasilien...
Also da schaue ich nicht bei GELLERMANN "Tief im Hinterland des Gegners" nach, der wohl Brasilien und die beiden SD-Agenten in Südamerika, SARGO und LUNA ins Spiel brachte.

UNITED STATES CRYPTOLOGIC HISTORY, SERIES IV, World War II, Volume 3, "German Clandestine Activities in South America in World War II", des OFFICE OF ARCHIVES AND HISTORY NATIONAL SECURITY AGENCY/CENTRAL SECURITY SERVICE 1989, Top Secret, Identifier Umbra, freigegeben durch die NSA am 13.04.2009

und noch detallierter die Dissertation von:

Richard L. McGaha vom November 2009: "The Politics of Espionage: Nazi Diplomats and Spies in Argentina, 1933-1945"

hierin speziell:

Chapter 4: The Rise and Fall of the Abwehr in South America, 1941-1943
Chapter 5: “Sargo” and the Creation of an SD Intelligence Network
Chapter 6: The Illusion of Control
Chapter 7: The Case of Osmar Hellmuth

Nur soviel:
Das "Bolivar"-Netzwerk der Abwehr bzw. des SD war zerschlagen, was natürlich nicht ausschließt, das eine Funkstation noch existent war.

Die deutschen Agenten mussten Brasilien verlassen und auch in Argentinien nahm die "Coordinación Federal", die argentinische Gegenspionageorganisation, bis August 1944 die meisten Agenten fest. Auch Utzinger. Nur Johannes Siegfried Becker (Klarname), Codename: “Sargento”, abgekürzt “Sargo” wurde erst am 12. April 1945 festgenommen und arrestiert.
Es gab ein Arrangement, in dem Wolf Emil Franczok (Klarname), alias Gustav Utzinger, Codename LUNA den eingehenden und ausgehenden Funkverkehr mit den Abwehr- und SD-Netzwerken händelte. Im März 1944 wurde Utzinger bereits durch die argentinische Polizei gewarnt, daß Peiler zum Einsatz kommen, die seine Position feststellen sollen.

In der Nacht vom 2. zum 3. Juli 1944 landeten Walter Burckhardt, Klarname: Waldemar Boettger, Codename: “Cobija” und Alphonse Chantrain, Klarname: Josef Schröll, Codename: “Valiente” mit den Frachter "Santa Barbara" (Ein Schiff, welches der Abwehr zur Verfügung stand. Die Marine wollte kein U-Boot riskieren.) bei Punta Mogotes, Argentinien an. Es wurden Medikamente und Geld im Wert von ca. 350.000 USD mitgeführt und ausgehändigt. Die Medikamente sollten "versilbert" werden und die Erlöse ebenfalls zur Reaktivierung des "Bolivar" Netzwerkes verwendet werden. Das war die letzte bekannte "Versorgungsaktion". Zwei Monate später wurde das Material durch die "Coordinación Federal" sichergestellt und die Personen arrestiert.

Da frage ich mich doch, wie von dieser Funkstation (N2 bzw. FW2) April/Mai 1945 ein Funkspruch an "Luna" gerichtet sein soll. (Quelle vermutlich GELLERMANN.) Bei "Sargo" lasse ich mir das ja noch gefallen. Wäre dies nicht eine Aufgabe des RSHA und des SD gewesen? Und was soll dieser Mulch mit der Nennung der SFM T43?

Wie Fred schon schrieb: Keine Tatsachen...

LG
Dieter
 
#4
Funkwagen im Berchtesgadener Land - Obersalzberg

Am 25.04.1945 stand in Bad Reichenhall - beim heutigen Festplatz - ein großes Funkfahrzeug mit regen Funkbetrieb und bereits ca 15 Minuten vor dem Bombenangriff der 8th USAAF auf Bad Reichenhall nahm er herumstehende Kinder an Bord und fuhr in Richtung Schneizelreuth - aus dem unmittelbaren Ortsbereich von Bad Reichenhall - da sie über Funk von dem anstehenden Bombenangriff erfahren hatten! Über den weiteren Verbleib des Funkfahrzeuges konnte in den Wirren um den Luftangriff nicht weiter verfolgt werden! Es waren fremde Soldaten, aber keine Gebirgsjäger!
So eine Zeitzeugeauskunft in Bezug auf den Angriff am 25.04.45

mfg Fred
 
#5
Von den "mitreisenden" Kindern läß sich heute wohl nicht mehr viel rekronstuieren. Irgendwo muß Fahrzeug doch hin sein,
soviele gab es davon doch nicht.
 
#6
Über den Funkwagen wurde vor Jahren in einem U-Boot-Forum diskutiert (fabuliert?), das Forum ist aber nicht mehr existent,vielleicht auch nur umgezogen?

Gruß
Hans
 
#7
Eines dieser Kinder von damals ist meine Nachbarin und eines mein früherer Lehr-Geselle als Automechniker-Lehrling. Ich habe für den 25.4.45 ca 25 Zeitzeugenberichte (Ein Lerhrer hatte die Kinder zum 25.04.1950 aufgefordert ihre Erlebnisse vor 5 Jahren niederzuschreiben - ohne Wertung auf Gramatrik - sondern als Zeitzeugenberichte für die Nachwelt) - von den damals 8 jährigen Kindern aus Bad Reichenhall - in persöhnlichen Gesprächen nach so langer Zeit konnte ich aber immer nur Kleinigkeiten erfahren!

mfg Fred
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
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#8
Im Depot des Museums für Verkehr und Technik in Berlin steht der "Lili-Marleen-Sender", bestehend aus einer MW-Funkanlage auf vier (!) 10-Tonnern, der noch bis Ende der 80er (!!!) beim RIAS als Reservesender im Einsatz war.

Vielleicht ist das das gesuchte Puzzlestückchen?
 

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SuR

... wie immer keine Zeit ...
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#10
Leider kann ich es wegen der Pixelbegrenzung nicht größer einstellen.
Aber wenn Du das Foto öffnest und dann im Browser größer zoomst, geht es schon. ;)
 

josef

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#11
MW-Funkanlage ex "Soldatensender Belgrad"

Im Depot des Museums für Verkehr und Technik in Berlin steht der "Lili-Marleen-Sender", bestehend aus einer MW-Funkanlage auf vier (!) 10-Tonnern, der noch bis Ende der 80er (!!!) beim RIAS als Reservesender im Einsatz war.
Vielleicht ist das das gesuchte Puzzlestückchen?
Dazu Auszug aus S. 153 bei
Leopold Banny; "Krieg im Burgenland-Warten auf den Feuersturm"; Eisenstadt 1983
Seit dem Spätsommer (-> Anmerkung: 1944) befindet sich im Burgenland auch ein Bombenziel, das die alliierten Bomberverbände fast täglich überfliegen, von dessen genauer Lage sie aber niemals Kenntnis erlangen. Infolge der zurückweichenden deutschen Front ist der in ganz Europa bekannte Soldatensender Belgrad aus Jugoslawien abgezogen und in eine Villa in Sauerbrunn verlegt worden. Von hier aus ertönt nun jeden Abend das weltbekannte Lied Lale Andersens: "Lili Marlen". Von Sauerbrunn aus sendet der Soldatensender Belgrad, der sich dann bereits als Sender "Prinz Eugen" und Sender "Südost" meldet, bis in die Karwoche 1945. Erst knapp vor Eintreffen der Russen wird der Sender nach Zellerndorf im Bezirk Hollabrunn verlegt.
Soweit Banny zum Sender. Leider keine Angaben über den weiteren Rückzug aus dem nördlichen Niederösterreich nach Westen zu den Amis...

Siehe auch http://www.geheimprojekte.at/t_sauerbrunn2.html

Karte mit den Sendeorten Bad Sauerbrunn östlich Wiener Neustadt und Zellerndorf nördlich Hollabrunn:
Basiskarte: BEV-Amap
 

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josef

Administrator
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#12
Zeitleiste MW-Funkanlage ex "Soldatensender Belgrad"

Weiß jemand was näheres über den ominösen Funkwagen den Bormann am 25.Feb am OSB im Bereich Klingeck hat auffahren lassen?
Angeblich funkte er wohl auch noch nach der Bombardierung noch bis nach Brasilien.
Am 25. Februar 45 war der "Soldatensender Belgrad" noch in Sauerbrunn -> sendete von dort noch bis in die Karwoche => letzte Märzwoche 1945,
dann Stellungswechsel ins nördliche NÖ. nach Zellerndorf => von dort keine weiteren Angaben bekannt!
Zitat Fred Romminger:
Am 25.04.1945 stand in Bad Reichenhall - beim heutigen Festplatz - ein großes Funkfahrzeug mit regen Funkbetrieb und bereits ca 15 Minuten vor dem Bombenangriff der 8th USAAF auf Bad Reichenhall nahm er herumstehende Kinder an Bord und fuhr in Richtung Schneizelreuth
Dies könnte aber wieder hinkommen, da am 25.4. die Front nur einige Kilometer östlich Zellerndorf verlief und die "Sendertruppe" mit Sicherheit schon aus der "Gefahrenzone" nach Westen zurückverlegt wurde!

Zitat SuR:
Im Depot des Museums für Verkehr und Technik in Berlin steht der "Lili-Marleen-Sender", bestehend aus einer MW-Funkanlage auf vier (!) 10-Tonnern
Waren zum Sendebetrieb alle 4 Fahrzeuge notwendig oder war da auch eine Reserve dabei? Kenne die technischen Zusammenhänge/Erfordernisse nicht, könnte ja z.B. ein Wagen bereits vorweg -> 25. Februar, zum OSB verlegt worden sein...? Natürlich reine Spekulation:)

lg
josef
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
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#13
Da den Text außer mir :D anscheinend wirklich keiner entziffern kann, hier noch mal das Foto in zwei größeren Teilen. Daraus geht hervor, dass alle 4 Fahrzeuge gebraucht wurden, da sie eine technische Einheit darstellen.
 

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Dawolm

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#15
Danke für die Fotos, so kann ich mir das besser vorstellen, erstaunlich, dass die Anlage bzw der Wagen überhaupt so lange gehalten hat :eek:
 
H

hebbel

Guest
#16
Hübsches Finding von SuR. Danke.:bravo: Aber im Sinne der Problemstellung uninteressant. Da hüpften ganz andere "Pucker" in diesem Gebiet herum, die über ganze Funkzüge verfügen konnten, und die die zumindest in einem Fall, auch durch die Amis abtransportiert wurden. "Lale Andersen-Sender" ist daneben. Da bin ich mir sicher. :D
 
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