Gedenkjahr 2014 - vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg

josef

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#1
Vor 100 Jahren stürzte sich die Welt in eine Katastrophe, die sie für immer veränderte. Millionen von Menschen wurden getötet, waren Leidtragende bzw. wurden Zeugen, wie eine alte Welt versank und eine völlig neue Weltordnung entstand. Ich eröffne hier einen Sammelthread für Berichte rund um den 100. Jahrestag des Attentats von Sarajevo und Beginn sowie Verlauf des Ersten Weltkriegs.
 

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#2
Mit dem Fes auf dem Kopf für Österreich-Ungarn

Ein Artikel bei "derStandard.at":
Mit dem Fes auf dem Kopf für Österreich-Ungarn

Ab 1881 wurden Bosnier für die k. u. k. Armee rekrutiert - Die Verwaltung war bedacht, Muslime mit Respekt zu behandeln

Sie standen mit dem Koran in der Hand, der Imam verlas den Eid: "Ich schwöre dem allmächtigen Gott, dass ich seiner Höhe, dem Kaiser und König Franz Joseph dem Ersten treu sein werde, und dass ich alle Befehle meiner Übergeordneten und Höheren befolgen werde, sogar wenn dies lebensgefährlich ist". Die Soldaten der k. und k. Armee antworteten mit "Valahi bilahi" – "Ich schwöre bei Gott."
Die Geschichte der bosnisch-herzegowinischen Soldaten innerhalb der k. und k. Armee ist aus mehrerlei Gründen besonders. Erstens wurden muslimische Soldaten in die Armee integriert, die auch eine besondere Beziehung zur Hohen Pforte hatten. Es galt also diese beiden Welten zu verbinden. Zweitens aber, zeigten gerade die bosnischen Soldaten besondere Loyalität und Kampfbereitschaft für die Monarchie, obwohl sie erst wenige Jahre zuvor Teil davon geworden waren und obwohl viele gegen die Okkupation 1878 – insbesondere die Muslime- heftigen Widerstand mit Waffen geleistet hatten. Drittens spiegelten die bosnisch-herzegowinischen Truppen im Ersten Weltkrieg den Identitäts-Konflikt des Landes wider. Denn die Mehrheit der bosnischen k. und k. Truppen waren bosnische Serben, die teilweise gegen ihre Nachbarn aus Serbien kämpfen mussten.

Zu Kriegsbeginn wurden die damals etwa 1000 rekrutierten bosnischen auch Serben gefragt, ob sie jenseits der Balkanfront eingesetzt werden wollen, um nicht in einen Loyalitätskonflikt zu geraten. Doch nur 20 von ihnen äußerten auch diesen Wunsch. Allerdings nahm die Loyalität der bosnischen Serben mit den Kriegsjahren ständig ab. Tausende bosnische Serben wurden zudem von der k. und k. Verwaltung in Lagern, etwa in Arad im heutigen Rumänien als "politisch Verdächtige" interniert.

Die Rekrutierung der Bosnier begann 1881, drei Jahre nach der Okkupation mittels eines Militärgesetzes. Laut den ersten Musterungsergebnissen von 1882 wurden 253 Muslime, 614 Orthodoxe, 461 Katholiken und 6 Juden rekrutiert. Allerdings nannte die k. und k. Verwaltung alle diese Bosnier einfach "Bosniaken".

Wien wollte damit auch ein Zeichen gegenüber den Muslimen setzen und gleichzeitig nationalistische Bestrebungen seitens Kroatiens und Serbiens unterlaufen. "Leutnant Gustav Thoemel, ein guter Kenner der Lage auf dem Balkan, setzte sich dafür ein, dass die Moslems der Halt sein sollen, weil er der Meinung war, dass sie eine bessere Komponente seien und ein höheres kulturelles Niveau hätten. Außerdem fand er, dass ihre Distanziertheit überwiegen werde, solange man ihnen die bestehenden Privilegien und die Gleichberechtigung der Religionen und des Kults sichert, genauso wie die Gleichberechtigung, die durch das Gesetz geregelt wird", schreibt der bosnische Historiker Zijad Šehić in seinem Buch "In den Tod für den Kaiser und das Vaterland".


Tatsächlich meinte der osmanische Gesandte in Wien, Edhem-Pascha 1881 gegenüber Außenminister Gustav Sigmund Graf Kálnoky von Kőröspatak, dass es dem Sultan "unbehaglich" sei, wenn die bosnisch-herzegowinischen Rekruten dem Kaiser einen Eid leisten sollten. Der Eid wurde also angepasst, die Muslime leisteten ihn getrennt von den anderen bosnischen Soldaten. Das Versprechen gegenüber Gott wurde zudem an die Pflichten gegenüber dem Kaiser gekoppelt, um die Loyalität zur Monarchie zu stärken. "Die Religion war wichtig für die Moral", erklärt Šehić die besondere "Kaisertreue" der bosnischen Soldaten, von denen viele etwa in Lemberg im September 1914 oder an der italienischen Front am Monte Meletta 1916 verstarben. Die bosnischen Regimenter erhielten auch außergewöhnlich viele Auszeichnungen und galten deshalb auch als Eliteeinheiten.

Die k. und k. Verwaltung war bedacht, dem Islam respektvoll zu begegnen. Der Freitag wurde für die Muslime für Erholung freigehalten, genauso wie drei Tage des Ramadan-Bairam und vier Tage des Kurban-Bairam. Muslimischen Soldaten wurde zudem erlaubt, ihr Essen getrennt zubereiten und die Lebensmittel selbst kaufen, ihnen wurde neues Geschirr mit Erkennungszeichen zur Verfügung gestellt. Außerdem wurde geregelt, dass sie kein Schweinefleisch, kein Schmalz und keinen Wein bekommen sollten.

Anfangs trugen nur die Muslime den dunkelroten Fes mit der Quaste, später alle Mitglieder der bosnischen Regimenter, auch die österreichischen Staatsbürger. Die Quaste war schwarz, aus Schafwolle und 18,5 Zentimeter lang. Sie sollte "nach hinten gedreht" werden, wie Šehić schreibt. "Auch wenn man ein deutschsprachiger oder ein ungarischer Offizier war, hat man das Fes stolz getragen", sagt auch die Wiener Historikerin Tamara Scheer. Ansonsten waren die bosnischen Soldaten mit einer hellblauen "türkischen" Hose und Gamaschen bekleidet

Selbst alte Loyalitäten zum Osmanischen Reich wurden respektiert. Vom Militärdienst waren etwa all jene befreit, die zuvor bei osmanischen Truppen gedient hatten, sowie muslimische Seelsorger, Lehrer, Ärzte, Tierärzte und Apotheker. Auch Söhne, Schwiegersöhne und Enkeln von Personen über 70, die versorgt werden mussten, wurden nicht eingezogen. Für die Seelsorge im Ersten Weltkrieg wurden dann neben katholischen und orthodoxen Priestern, auch 120 Hodschas eingesetzt. Auch die Usance, sich vom Militärdienst "freikaufen" zu können – heute würde man dies wohl Korruption nennen – übernahmen die Österreicher von den Osmanen. Mittels der "Bedeja" konnte man einen Ersatzsoldaten nennen, der die Pflicht übernahm.

Die Form der Rekrutierung war originell – eine dritte Variante neben Berufsheer und der Wehrpflicht sozusagen: Die Soldaten wurden nämlich ausgelost. Šehić: "Bei der Rekrutierung wurden Kärtchen mit Zahlen gezogen und dann traten die Rekruten, die man gezogen hatte, eine ärztliche Untersuchung an, bei der über ihre Wehrdienstfähigkeit entschieden wurde. Als man genügend Rekruten hatte, betrachtete man die Rekrutierung als beendet."

Die Voraussetzung war: Man musste mindestens 155,4 Zentimeter groß sein. Die Ausbildung bei der Armee dauerte drei Jahre. "Einige Jahre war die Rekrutierung schwierig", sagt Šehić zum Standard. Denn 90 Prozent der Soldaten waren Bauern und die brauchte man gerade im Sommer auf dem Feld. Zunächst mussten die Bosnier "auf die Pferde aufpassen", die dem Staat gehörten, erst nach Jahren der Ausbildung wurden sie in die k. und k. Armee integriert.

Im August 1890 hatte das Infanteriebataillon Nummer Eins, das mit dem Dampfer nach Triest und weiter mit der Eisenbahn nach Wien gekommen war, erstmals an der Geburtstagsparade des Kaisers auf der Schmelz teilgenommen. Als "Belohnung" wurden die bosnischen Soldaten "als Hauptwache vor der Hofburg" aufgestellt. Ab 1891 wurden die bosnischen Soldaten dann ins innere der Monarchie entsandt, vier Regimenter leisteten in Graz, in Wien und in Budapest ihren Dienst. Ihr Gehalt war laut Šehić sehr gering. Allerdings hatten die Soldaten Aufstiegschancen, wenn sie etwa die Offiziersschule besuchten. In Sarajevo selbst gab es bis 1914 ein Militärknabenpensionat.

Rechtlich betrachtet waren die bosnischen Truppen aber zunächst nicht Teil der Armee – Bosnien-Herzegowina wurde ja erst 1908 offiziell annektiert. Laut der ungarischen Gesetzgebung wurden sie wie ausländische Militärkräfte angesehen. Deshalb bedurfte es eines besonderen Gesetzes 1891, das ihre Dislozierung ermöglichte. Erst 1912 wurde das Militärgesetz an den Rest der Monarchie angeglichen.

Um sich zu verständigen, wurde in den bosnischen Regimentern als Kommandosprache Deutsch verwendet. Doch dieses "Deutsch" umfasste bloß achtzig Worte. Die Bosnier selbst verwendeten untereinander die "Landessprache", wie die Sprache offiziell hieß, um Nationalismen vorzubeugen. Erst 1907 wurde sie "Serbokroatisch" genannt. Als dritte Sprache wurde "eine ungewöhnliche Mischung aus verdrehten Versionen der Landessprache, der deutschen und der ungarischen Sprache gesprochen, abhängig von der Struktur des Offizierskörpers", erzählt Šehić dem Standard.

Insgesamt wurden 291.498 bosnisch-herzegowinische während des Ersten Weltkriegs eingezogen - das entsprach 16,2 Prozent der Bevölkerung. Während des Kriegs wurde das Alter der Rekrutierung bis zum 55. Lebensjahr angehoben. Zugelassen waren allerdings nur jene, die beweisen konnten, dass sie in Bosnien-Herzegowina geboren waren – und einige wenige Albaner. Der Grund: Es meldeten sich auch Männer aus anderen Teilen Osmanischen Reich, die beim "Heiligen Krieg" dabei sein wollten.

Zunächst mussten viele Bosnier in Galizien an der Ostfront kämpfen, ab Mitte 1915 an der italienischen Front. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr Soldaten desertierten – allen voran bosnische Serben - die natürlich auch Loyalitäten zu Serbien und Montenegro hatten. Man flüchtete aber vor allem aus schierer Verzweiflung. Manche spritzten sich Gift, um dem Tod an der Front zu entkommen. Manche versuchten sich um 30 bis 80 Kronen gefälschte Dokumente zu kaufen. Zu Ende des Kriegs setzte die Monarchie vermehrt Detektive ein, um die Deserteure zu finden. Ab Mai 1918 wurden alle verfolgt, die Kriegsdienstverweigerern Unterschlupf gewähren

Wer desertierte und aufgegriffen wurde, musste jenem eine "Belohung" zahlen, der ihn gefunden hatte. Auch ein Strafdienst musste absolviert werden. Bei dreimaligem Verstoß wurde "Tod durch Erschießen" angeordnet. Insbesondere der Hunger und die Erkrankungen der Soldaten unterminierten die Bindung zu Wien. Šehić schreibt über die tausenden schwer kranken Soldaten, die durchschnittlich noch 50 Kilo wogen, manche von ihnen hatten Malaria. Die Fiebernden stellten sich in den Wind, um ihre Kleider zu trocknen. Offiziell starben 10.000 bosnische Soldaten im Ersten Weltkrieg, doppelt so viele blieben vermisst, über 18.000 wurden gefangen genommen und etwa 50.000 verletzt. Anderen Quellen zufolge kamen mindestens 38.000 bosnisch-herzegowinische Soldaten ums Leben, viele von ihnen waren aus Banja Luka, aus Srebrenica und aus Mostar.

An der Eisenbahnstation im nordbosnischen Lukavac sangen die Soldaten am 1. Juli 1918: "Kaiser Karl und Kaiserin Zita, kämpft nicht, wenn ihr kein Getreide habt, haltet euch von Wilhelms Herrschaft fern."

(Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 20.1.2014)
Text- u. Bildquelle: http://derstandard.at/1389857544369/Mit-dem-Fes-auf-dem-Kopf-fuer-Oesterreich-Ungarn bzw. Fotos kriegsarchiv wien

Bildtexte:

1. Eine zeitgenössische Postkarte zeigt Kämpfe bosnischer Soldaten in den Reihen der k. u. k. Armee gegen serbische Truppen im Ersten Weltkrieg.
2. Der Soldatenfriedhof für Gefallene des Ersten Weltkriegs in Lebring südlich von Graz. Die oberen Teile der Grabsteine für die Muslime sind dem Fes.
3. Gedenkstein ebendort.
 

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josef

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#4
Kurzchronologie des Ersten Weltkrieges

Erste Kriegserklärung am 28. Juni 1914

Geplant war eine wenige Wochen dauernde Strafaktion Österreich-Ungarns gegen Serbien, geworden ist es ein weltumspannender Konflikt mit mehr als vier Jahren Dauer. Nachfolgend eine Auswahl der zentralen Ereignisse des Ersten Weltkrieges.

1914:

28. Juni 1914: Der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand wird in Sarajevo vom serbischen Nationalisten Gavrilo Princip erschossen.

23. Juli: Österreich-Ungarn stellt Serbien ein Ultimatum.

28. Juli: Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg.

30. Juli: Das russische Zarenreich reagiert auf die Kriegserklärung mit der Generalmobilmachung.

1. August: Das mit Österreich-Ungarn verbündete Deutsche Kaiserreich erklärt Russland den Krieg.

3. August: Deutschland erklärt Frankreich den Krieg und marschiert in Belgien ein.

4. August: Großbritannien betritt die Kriegsbühne und erklärt Deutschland den Krieg.

5. September: Großbritannien, Frankreich und Russland vereinbaren im Londoner Vertrag Kriegsführung bis zum gemeinsamen Friedensschluss.

6. bis 9. September: In der Schlacht an der Marne gelingt es Frankreich, den deutschen Vormarsch zu stoppen. Der Erste Weltkrieg wird zum Stellungskrieg.

2. November: Das Osmanische Reich tritt nach der Kriegserklärung Russlands an der Seite der Mittelmächte (Österreich-Ungarn, Deutschland) in den Krieg ein.

1915:

26. April 1915: Londoner Geheimvertrag der Entente (Russland, Frankreich, Großbritannien) mit Italien, dem territoriale Zugeständnisse gemacht werden.

23. Mai: Italien erklärt Österreich-Ungarn den Krieg.

6. September: Bulgarien erklärt nach einem Bündnis mit Deutschland Serbien den Krieg.

22. April: Deutsche Truppen setzen in der Ypern-Schlacht erstmals Giftgas ein.

23. Juni: Beginn der ersten von zwölf Isonzo-Schlachten zwischen Österreich-Ungarn und Italien.

1. Juli: Beginn einer deutsch-österreichischen Großoffensive gegen Russland.

19. September: Deutschlands Vormarsch im Osten kommt zum Erliegen.

9. Oktober: Eroberung von Belgrad und Niederwerfung Serbiens durch deutsche und österreichische Truppen.

1916:

21. Februar 1916: Beginn der deutschen Angriffe auf Verdun. Die Schlacht dauert bis Dezember und fordert über 300.000 Tote.

16. Mai: London und Paris vereinbaren im Sykes-Picot-Abkommen die Aufteilung der Türkei.

27. Mai: US-Präsident Woodrow Wilson proklamiert die Schaffung eines Völkerbundes.

27. August: Rumänien tritt an der Seite der Entente in den Krieg ein.

September: Österreich-Ungarn stimmt der „Gemeinsamen Obersten Kriegsleitung“ unter Führung Berlins zu.

21. November: Tod von Kaiser Franz Joseph. Sein Großneffe steigt als Karl I. auf den Habsburger-Thron.

1917:

1. Februar 1917: Deutschland erklärt den uneingeschränkten U-Boot-Krieg.

14. März: Russlands Zar Nikolaus II. dankt im Zuge der Februar-Revolution ab.

6. April: Die USA erklären dem Deutschen Reich den Krieg, die Kriegserklärung an Österreich-Ungarn erfolgt acht Monate später.

27. Juni: Griechenland tritt an der Seite der Alliierten in den Krieg ein.

27. Oktober: Truppen der Mittelmächte gelingt in der zwölften Isonzo-Schlacht der Durchbruch.

7. November: Oktober-Revolution in Russland.

15. Dezember: Waffenstillstand zwischen dem Deutschen Reich und Russland.

20. Dezember: Auftakt der Friedensverhandlungen zwischen Deutschland und Russland in Brest-Litowsk.

1918:

8. Jänner 1918: US-Präsident Wilson verkündet seine 14 Punkte für eine europäische Nachkriegsordnung.

9. Februar: Deutschland schließt „Brotfrieden“ mit der Ukraine.

3. März: Durch Wiederaufnahme der Kriegshandlungen erzwingt Berlin den Friedensschluss von Brest-Litowski mit Russland.

7. Mai: Friedensschluss zwischen Deutschland und Rumänien.

26. Juni: Scheitern der letzten österreichisch-ungarischen Offensive an der Piave-Mündung.

8. August: Britischer Panzerangriff bei Amiens, Rückzug der Deutschen an der Westfront beginnt.

14. September: Österreich-Ungarn regt bei US-Präsident Wilson Friedensschluss an.

30. September: Bulgarien erklärt Waffenstillstand.

16. Oktober: Kaiser Karl I. kündigt Umgestaltung des Reiches in einen Bundesstaat an („Völkermanifest“).

28. Oktober: Proklamation der Tschechoslowakei.

29. Oktober: Die südslawischen Völker erklären ihre Loslösung von Österreich-Ungarn.

31. Oktober: Waffenstillstand der Türkei.

1. November: Bildung einer selbstständigen ungarischen Regierung.

3. November: Waffenstillstand der Alliierten mit Österreich-Ungarn in Villa Giusti bei Padua.

9. November: Kaiser Wilhelm verzichtet auf den deutschen Thron.

11. November: Waffenstillstand zwischen Alliierten und dem Deutschen Reich im französischen Compiegne.

12. November: Proklamation der Republik Deutschösterreich, nach Verzichtserklärung von Kaiser Karl I. am Vortag.
http://www.orf.at/stories/2214812/2210115/
 

josef

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#5
Freistadt und der Erste Weltkrieg

Freistadt und der Erste Weltkrieg

Das Jahr 1914 verbindet man mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 100 Jahre sind es heuer her. Am Beispiel von Freistadt zeigt das dortige Schlossmuseum, wie die Menschen in den letzten Monaten vor dem Krieg gelebt haben.

„Freistadt, die vergessene Stadt“, heißt die informative Schau im Schlossmuseum. Eine Schau, die der Frage nachgeht: Wie lebten die Menschen wenige Monate vor der Katastrophe? Ganz gut, lautet die Antwort, denn man versuchte, so gut es ging, die bedrohlichen Vorzeichen zu verdrängen, wie der Leiter des Museums, Fritz Fellner erklärt. Sie hätten sich den neuesten Errungenschaften gewidmet, und die politischen Ereignisse ignoriert. Die Freistädter Bürger hatten in diesen Jahren erstmals so etwas wie Urlaub. Und den nutzten sie, man reiste. Gerade erst hatte man mit dem Anschluss ans Eisenbahnnetz auch Zugang zur weiten Welt erlangt. Von Freistadt ging es ohne Umsteigen etwa nach Berlin.

Radfahrverein Freistadt war beliebt
Triest, Abbazia oder Grado - Österreich lag damals noch am Meer. Von den beginnenden Unruhen bekam man in den mondänen Badeorten nichts mit. Die kleinen Leuten eroberten die Landstraßen mit dem Fahrrad, der Radfahrverein Freistadt erfreute sich großer Beliebtheit. Gemeinsam eroberte man radelnd den Böhmerwald. Das Vereinswesen blühte: Im Winter bestaunte man die ersten Skifahrer, im Sommer nutzte man das neu errichtete Freibad. Dazu wurde kurz vor dem Krieg auch der erste Tennisplatz in der Region eröffnet.

Investition in Infrastruktur
Die Stadtväter wiederum investierten trotz der dunklen Wolken, die über Europa aufzogen, noch kräftig in die Infratsruktur. In eine öffentliche Wasserversorgung oder in ein Gaswerk, um die Straßen und öffentlichen Plätze zu beleuchten. Oder in das Gymnasium, das in seiner Form noch heute besteht. Das Geld dafür kam, wie heute, von großen Geldgebern, und ein solcher war die Braukommune Freistadt.

Bis 23. März zeigt das Schlossmuseum Freistadt das Leben der Menschen in der Stadt kurz vor dem ersten Weltkrieg. Die letzten Wochen im Frieden, Wochen, in denen die Freistädter die Welt rund um sie nicht wahrhaben wollten.
Text u. Bild:
http://ooe.orf.at/news/stories/2627892/
 

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Varga

Mann aus den Bergen
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#6
Freistadt ist immer eine Reise wert. (für mich)
Stadt, Flugplatz, Fallschirmspringen, Kollegen, top Gasthöfe, und weniger erfreulich: Mauthausen.

Gruss
Varga
 
B

Bunkergeist

Guest
#8
Nun war zwar die Ermordung unseres Thronfolgers der endgültige und unausweiliche Kriegsgrund gegen Serbien. Aber: 1903 wurde König Alexander samt Familie und Kabinet von Offfizieren welche Mitglieder bei der Loge "Schwarze Hand" waren ermordet. Es wurde König Peter und ein neues Kabinett eingesetzt, welches ausnehmend Österreich- und Deutschfeindlich war. Interessant ist auch König Edwards von England Äußerung, daß der Balkan der "weiche Unterleib" Östereich-Ungarns ist, in welchen man hineinstechen muß. (Um einen Krieg zu entfachen) Die serbische Politik wurde immer feindseliger. Es wurde begonnen mit Scharfschützen östereichische Grenzer zu erschießen. Daher der Aufmarschplan gegen Serbien, welchen Oberst Redl verraten hatte. Kaiser Franz Joseph wollte keinen Krieg mehr führen. Die Bevölkerung wurde jedoch von den Parteien aufgehetzt und es kam zu Massendemonstrationen. Die Massen riefen "Serbien muss sterbien". Auf Druck des Reichsrates (Majestät wir können auch ohne ihre Majestät den Krieg erklären.) unterschrieb der Kaiser die Kriegserklärung. Damit begann die seit Jahren installierte Alliierte Einkreisungsmaschinerie zu laufen. Nebenbei sei noch erwäht, den Gaskrieg hat Frankreich begonnen.
 

josef

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#9
Serbiens Angst vor dem Gedenken an Sarajevo 1914

Der Standard - 30. Jänner 2014, Andrej Ivanji aus Belgrad

Serbiens Angst vor dem Gedenken an Sarajevo 1914

Die Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des Attentats von Sarajevo, das den Ersten Weltkrieg auslöste, schüren in Serbien die Befürchtung vor einer Umdeutung der Geschichte. Belgrad will nicht als Schuldiger gelten.
Für die Serben ist klar: Serbien war in den zwei Weltkriegen auf der richtigen Seite. Gavrilo Princip, der das Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie in Sarajevo am 28. Juni 1914 verübte, war ein jugoslawischer Freiheitskämpfer. Die Serben waren Antifaschistischen, die gegen Hitlers Truppen kämpften.

Im Großen und Ganzen sieht man das auch in Europa nicht anders. Trotzdem geht in Serbien die Angst um, dass dem Land angesichts des 100. Jahrestags des Attentats die Schuld für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zugeschoben werden könnte.

Der Beststeller Die Schlafwandler des australischen Historikers Christopher Clark hat die Debatte in Serbien so richtig entfacht. Erster Tabubruch des Buches - das die Schauplätze Wien und Berlin, Sankt Petersburg, Paris und London vor Kriegsausbruch erleuchtet und zeigt, dass 1914 auch Russland und Frankreich bereit für den Krieg waren - ist die Bezeichnung "Terrorist" für den "Helden" Gavrilo Princip. In der deutschen Übersetzung wird allerdings der Ausdruck "Attentäter" verwendet; Clark gab zu, das sei treffender.

Erinnerung an die 1990er
Zweite, wie es heißt, "tendenziöse Unverschämtheit" Clarks ist seine Schilderung der "aggressiven Ideologie" des Königreichs Serbien, das territoriale Ansprüche an die Nachbarstaaten stellte, in denen eine serbische Minderheit lebte. Man erkannte wohl in Serbien eine Anspielung auf die jugoslawischen Kriege in den 1990er-Jahren, in denen Belgrad nach dem Zerfall Jugoslawiens die in Kroatien und Bosnien lebenden Serben in "Großserbien" vereinigen wollte. Serbien gilt im Westen als Hauptverantwortlicher für den blutigen jugoslawischen Krieg.

In Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg erklärte jüngst Präsident Tomislav Nikolic, "tendenziöse" Zeitungsartikel würden Tatsachen auf eine Weise deuten, "wie es jenen passt, die heute eine andere Geschichte schreiben wollen". Das Bedürfnis zu betonen, dass Princips Schüsse auf Franz Ferdinand zwar Anlass, aber nicht die Ursache für den Krieg waren, hatte auch Ministerpräsident Ivica Dacic: "Gavrilo Princip als Terroristen zu bezeichnen ist so, als ob jemand Polen beschuldigen würde, dass der Zweite Weltkrieg ausgebrochen ist, weil es nicht konstruktiver gewesen ist."

Dacic war einst Pressesprecher des ehemaligen Präsidenten Slobodan Milos evic, Präsident Nikolic war der zweite Mann der Serbischen Radikalen Partei (SRS), die sich im jugoslawischen Bürgerkrieg für Großserbien einsetzte und Freischärler organisierte.

In nur einem Jahrzehnt, zwischen 1990 und 2000, hat Serbien viel von seinem historisch-moralischen Kapital verspielt. Das Land, das mit anderen Ländern gegen die k. u. k Monarchie und Deutschland, später gegen Adolf Hitler und seine Verbündeten kämpfte, stand im jugoslawischen Bürgerkrieg allein gegen die "ganze Welt" und wurde als "die Wiege des Bösen" angeprangert.

Ins 21. Jahrhundert schritt Serbien mit einem denkbar schlechten Image: dem Ballast von Vukovar, der Belagerung von Sarajevo, Srebrenica, den Massenvertreibungen im Kosovo. Mit einer Aufarbeitung der Geschichte hat man nicht einmal begonnen. Man fühlt sich unfair behandelt und beschwert sich wegen der "Doppelstandards" des Westens, der einzig den Serben die Schuld für den Jugoslawien-Krieg zuschreibe. Daher auch die Angst vor einer "Revision der Geschichte des Weltkriegs" - und dem Gefühl, wieder als der Schuldige dazustehen.

Die Vorreiterrolle Deutschlands und Österreichs bei der Anerkennung der Unabhängigkeit Sloweniens und vor allem Kroatiens wurde in Milosevics Serbien als die "Unterstützung der Verbündeten aus den zwei Weltkriegen" gedeutet. Diese Denkweise hat sich zum Teil erhalten.

So schreibt Professor Cvijetin Ristanovic: "Das Endziel der (für Juni geplanten) Gedenkfeier in Sarajevo ist eine Revision der Geschichte, und Serbien und die Serben schuldig für den Ersten Weltkrieg zu machen." Einige argumentieren, das "wieder mächtige" Deutschland wolle seine Schuld "ausradieren". In Belgrad soll heuer ein großes Denkmal für Princip errichtet werden.
http://derstandard.at/1389858796800/Serbiens-Angst-vor-dem-Gedenken-an-Sarajevo-1914
 

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#10
Frontland Kärnten

Erster Weltkrieg: Frontland Kärnten

In keinem Bundesland Österreichs sind die mittelbaren und unmittelbaren Auswirkungen des Ersten Weltkrieges (1914-1918) so stark zu spüren gewesen wie in Kärnten. Ab dem Kriegseintritt Italiens 1915 war Kärnten Frontland.

„Kärnten ist - was das Thema Erster Weltkrieg angeht - ein Sonderfall“, erklärte Wilhelm Wadl, Direktor des Landesarchivs, im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Der Sonderstatus Kärntens äußere sich schon alleine durch die unmittelbare Betroffenheit, weite Strecken der Landesgrenze seien Frontgrenze gewesen. „Von den heutigen Bundesländern Österreichs ist Kärnten gewissermaßen das einzige Frontland. Tirol war auch Frontland, das betraf aber Südtirol, oder genauer gesagt das Trentino“, sagte Wadl.

„Krieg allgegenwärtig“
Für die Kärntner Bevölkerung sei der Krieg über Jahre allgegenwärtig gewesen, auch in den Ohren. „Wenn die Windverhältnisse entsprechend waren, hörte man den Schlachtenlärm nicht nur von der karnischen Front und vom Kanaltal herauf, sondern auch vom Isonzo bis nach Klagenfurt“, erklärte Wadl.

Die Kärntner bekamen die Auswirkungen aber auch auf politischer Ebene zu spüren: Das Land wurde unter Standrecht und Militärverwaltung gestellt, bürgerliche Freiheiten teilweise außer Kraft gesetzt. „Das bedeutet, dass etwa die Todesstrafe für eine ganze Reihe von Delikten wieder eingeführt wurde, hauptsächlich für staatsrechtliche Delikte wie Hochverrat oder Aufruhr, und dass militärische Senate über die politischen Delikte befunden haben“, sagte Wadl. Zudem seien „Personen, die man für gefährlich angesehen hatte“, willkürlich verhaftet, interniert und aus dem Land ausgewiesen worden.

„Klima war vergiftet“
Die „Fülle an Verfolgungshandlungen“ traf Militärpersonen genauso wie Zivilpersonen, denen man „mangelnde Loyalität“ vorwarf. Besonders betroffen seien „exponierte Personen“ aus der slowenischen Volksgruppe gewesen. „Und das hat das Klima in den Jahren 1915 bis 1918 durchaus vergiftet. Es gab eine Reihe von Militärverfahren gegen slowenische Geistliche, die man als jugoslawische - gegen die Integrität der Monarchie gerichtete - Aktivisten gesehen hat“, sagte Wadl.

Dabei sei in Kärnten zu Beginn des Krieges „über alle Nationalitäten hinweg ein allgemeiner Patriotismus“ spürbar gewesen. Der Zerfall der Loyalitäten habe sich erst im Laufe des Krieges verschärft. Dieser Loyalitätsverfall sei jedoch „im Falle der Kärntner Slowenen sicher bis zum Schluss eine Minderheitensituation innerhalb der Volksgruppe“ geblieben. „Was am Ende des Krieges in und um Kärnten passieren sollte, war jedoch schon im Krieg vorgezeichnet“, so Wadl.

Gailtalbahn von Kriegsgefangenen gebaut

Trotz einiger Überlegungen der österreichischen Militärs, die Gebirgsgrenze zu Italien schon vor dem Ersten Weltkrieg besser abzusichern, musste dann bei Ausbruch des Kriegs „verzweifelte Anstrengungen“ unternommen werden, um eine entsprechend Infrastruktur zu errichten. „Ein bleibendes Relikt aus dieser Zeit gibt es bis heute - die Gailtalbahn von Hermagor bis Kötschach“, sagte Wilhelm Wadl. Die Strecke sei „im Eilzugstempo“ - unter Beteiligung vieler russischer Kriegsgefangener - hergestellt worden. „Von dieser Bahnlinie aus führten dann unzählige Seilbahnen oder Transportwege hinauf an die Frontlinie, die ja meist mit dem Gebirgskamm identisch war“, so der Landesarchiv-Direktor.

Kötschach-Mauthen - am Ende der Gailtalbahn - ist auch jene Ortschaft in Kärnten, die unter italienischen Artilleriebeschuss kam und schwer beschädigt wurde. Massiv zerstört wurden auch die „Altkärntner Gebiete“ im Kanaltal (heute Italien, Anm.). „Dieser Landstrich wurde faktisch über Jahre unbewohnbar, weil er ständig unter wechselseitigem Artilleriebeschuss stand. Die Orte waren Ruinenstätten“, sagte Wadl.

Großes Flüchtlingsproblem
Durch die Kampfhandlungen wurde Kärnten in der Folge von „massiven Flüchtlingsströmen“ aus dem Kanaltal, dem Isonzo sowie dem küstenländischen Kampfbereich erfasst. Aber auch Flüchtlinge aus dem Osten des Habsburgerreiches kamen ins Land. „Es gab im Lavanttal eine große Flüchtlingsstadt mit mehreren Tausend galizischen Zivilflüchtlingen, die Stadt Wolfsberg hat im Weltkrieg ihre Einwohnerzahl schlagartig verdoppelt“, erzählte der Historiker.

Wirtschaftlich kam Kärnten durch den Wegfall des Handelspartners Italien - nunmehr Kriegsgegner - in eine „prekäre“ Situation. Zudem wurde die Versorgung mit Nahrungsmitteln problematisch, weil das Land ja selbst in Friedenszeiten ein Importland war. „Nun musste sich Kärnten weitgehend selbst versorgen. Es war für die Bevölkerung sicher nicht leicht über den Krieg zu kommen“, so Wadl. Wobei zu dieser Zeit noch zwei Drittel der Bevölkerung im agrarischen Sektor, und damit an der Urproduktion, angesiedelt waren. „Dem Landarbeiter ging es sicher besser als dem Industriearbeiter“, stellte der Historiker fest.

Versorgung der Isonzofront
Gleichzeitig war Kärnten sehr wichtig für die Versorgung der Isonzofront. Diese erfolgte etwa durch das Raiblertal und den Raiblerstollen (heute Italien, Anm.) und auch über die eigens gebaute Passstraße über den Vrsic (Slowenien, Anm.). „Nur durch diese Wege war es möglich, diese abgeschnittene Front im hinteren Talkessel halten zu können“, erzählte Wadl.

In Kärnten wird der Erste Weltkrieg auch eng mit den „Kärntner freiwilligen Schützen“ verbunden. Da bei Ausbruch des Krieges mit Italien 1915 alle verfügbaren Truppen an anderen Frontabschnitten im Einsatz waren wurde zunächst diese - laut Landesarchiv-Direktor Wilhelm Wadl - „Verlegenheitstruppe“ mobil gemacht. Ihr Ziel: Die Italiener so lange aufzuhalten, bis andere Truppenteile anrücken. „Das ist an den Kärntner Frontabschnitten auch ganz gut gelungen“, sagte der Historiker. An einzelnen Frontabschnitten blieb die Situation aber noch lange Zeit danach militärisch prekär. „Der Feind saß am Kamm, die Österreicher mussten sich auf halber Höhe eingraben“, erklärte Wadl.

Bürgerwehren bildeten sich
Bei Kriegsende im Herbst 1918 bildeten sich in Kärnten - wie anderswo auch - aus heimkehrenden Soldaten sogenannten Heim- bzw. Bürgerwehren. „Sie sollten den Übergang in geregelte Bahnen ermöglichen und Plünderungen und Ähnliches verhindern“, erläuterte Wadl. Anders als in anderen Ländern ergab sich in Kärnten jedoch rasch die Notwendigkeit, aus diesen - ursprünglich für innere Sicherheit bestimmten Einheiten - Truppeneinheiten zur Sicherung der Landesgrenze zu bilden.

„Unmittelbar nach Kriegsende prallen die verschiedenen nationalen Ansprüche aneinander und die Wunschgrenzen der einzelnen Nachfolgestaaten sind bei weitem nicht deckungsgleich - ganz besonders nicht in Kärnten“, sagte Wadl. Ursprünglich habe der südslawische Nationalrat in Laibach ganz Kärnten beansprucht. „Später dann auch noch ein Gebiet, das weit über das spätere Abstimmungsgebiet bei der Volksabstimmung von 1920 hinausgeht“, so Wadl.

Die Rolle der späteren Bundesländer am Ende des Krieges ist für Wadl eine besondere, da sie als „fast selbstständige Ländergebilde“ agieren. Die Republik Deutsch-Österreich konstituiert sich ja erst durch den Beitritt der Länder zu ihr. „Man kann also sagen: Die Habsburgermonarchie ist untergegangen, nicht jedoch die Länder, die das Heft in die Hand nehmen und dann durch Zusammenschluss das neue Staatswesen entstehen lassen“, erläuterte Wadl.
Text- u. Bildquelle: http://kaernten.orf.at/news/stories/2636985/

1. Karte Südfront
2. Bau der Gailtalbahn
 

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#11
1914: Alltag und Hunger im Krieg

1914: Alltag und Hunger im Krieg

In diesen Tagen jährt sich zum hundertsten Mal der Beginn des Ersten Weltkrieges. Während der Kriegsbeginn von Euphorie gezeichnet war, änderte sich die Situation während des Krieges. Vor allem in den Städten herrschte Hunger und Elend.

Der Krieg war nicht nur an der Front, sondern auch in der Heimat. Die Front war weit weg, von den hohen Verlusten in den Schützengräben, etwa an der Isonzofront erfuhr man nur wenig durch die Fronturlauber.

" Auch Kinder wurden in Kriegsdienst gestellt"
In der Heimat aber fehlten die Arbeitskräfte. Immer mehr Frauen arbeiteten in der Rüstungsindustrie, aber auch an der Front selber wurden sie gebraucht. Eine größere Gruppe von Kriegskrankenschwestern wollte bewusst an die Front, so die Historikerin Christa Hämmerle. „Um möglichst nahe am Kriegsschauplatz in den Frontlazaretten und in den mobilen Lazaretten Dienst am Soldaten zu leisten und Verwundeten zu helfen.“

Auch die Kinder wurden in den Schulen quasi per Erlass in den Kriegsdienst gestellt. „Sie strickten etwa Millionen von Socken, Handarbeitstücken für die Soldaten an den Fronten, damit sie nicht frieren. Das wurde als Liebesgabe an die Front geschickt. Sie nähten Pulswärmer, sie stopften Zigaretten, sie machten Botendienste, sie halfen bei den Sammeldiensten. Je länger der Krieg dauerte, desto größer wurde die Hungersnot im Land. Ungarn war bisher Wiens Hauptlieferant von Fleisch und Getreide – doch im Krieg brach die Versorgung zusammen.

Wiener Umland wurde wichtig
Das Wiener Umland wurde immer wichtiger, sagt der Historiker Ernst Langthaler. „Man sieht, etwa auf dem Gebiet der Fleischversorgung, dass der Anteil der Fleischmengen, die aus Niederösterreich nach Sankt Marx geliefert worden sind, anteilsmäßig über die Kriegsjahre zugenommen hat. Das war von vielen Schwierigkeiten begleitet: Das gesamte Eisenbahnnetz hatte eigentlich vor allem die Aufgabe, für Militärtransporte zu dienen. Es wurde von Jahr zu Jahr schwieriger, zivile Transporte über das Eisenbahnnetz zu organisieren.“

Um zu Nahrung zu kommen, wurde etwa in Mülltonnen nach Essbarem gesucht. Gleichzeitig stieg der Schwarzhandel. Die Lebensmittel waren rationiert. „Die gutbürgerlichen Kreise haben Dienstboten aufs Land geschickt, die gegen Geld oder Schmuckstücke Nahrungsmittel eingetauscht haben. Die Ärmeren, die Arbeiter hatten diese Möglichkeit nicht, sie sind ebenfalls aufs Land gezogen und mussten sich ihre Nahrung auf andere Wege beschaffen. Vor allem am Ende der Erntezeit, der Kartoffelernte, zogen viele Frauen mit ihren Kindern auf die Felder“, so Langthaler.

Mütter oft völlig überlastet
Zum Hunger kam die Kälte im Winter. Große Gebiete des Wienerwaldes wurden regelrecht abgeholzt. Gegen Kriegsende wurde die Situation vieler Mütter, die ihre Kinder und sich selbst durchbringen müssen, fast aussichtslos, so Historikerin Christa Hämmerle. „In Kindheitserinnerungen hat sich die Erinnerung an die völlig überlastete Mutter eingeschrieben, die sich ihre Ration noch vom Mund abspart, damit zumindest die Kinder noch etwas zum Essen haben. Auch das Bild der weinenden Mutter kommt immer wieder vor.“

Das Kriegsende linderte die Not kaum. Der ehemaligen Reichshauptstadt fehlten nun die Kronländer, die sie mit Lebensmittel versorgten. Noch lange war man auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen.
http://noe.orf.at/news/stories/2638219/
 

josef

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#13
Erinnerungen an die gefallenen Soldaten

Erinnerungen an die gefallenen Soldaten

In fast jeder Gemeinde in Niederösterreich erinnert ein Kriegerdenkmal an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Doch auch andere Erinnerungen blieben erhalten, wie etwa ein Feldpostpäckchen des Ur-Großvaters.

Die Fronten des Ersten Weltkrieges verliefen weit von Niederösterreich entfernt. Was sich dort abspielte, erfuhren die Angehörigen nur aus den Heimaturlauben der Soldaten oder aus Feldbriefen. Einige davon sind derzeit auf der Schallaburg in einer Ausstellung, die dem Ersten Weltkrieg gewidmet ist, zu sehen. „Ich bin jetzt im Spital“, ist in einem dieser Briefe zu lesen. „Bitte schickt mir ehebaldigst Zigaretten. Geld ist nicht notwendig, man kann hier ohnehin nichts dafür kaufen. Liebste Grüße und Küsse.“

Der Krieg war noch nicht lange im Gange, als von den tausenden Einberufenen nur die Nachricht vom Tod wieder zu Hause eintraf. Für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges wurden Gedenkstätten errichtet. Eine davon ist die Josefskapelle in der Stadtpfarrkirche in Baden bei Wien. Dort lässt sich an den Tafeln ablesen, wie weit entfernt die Männer gestorben sind.

Kriegerdenkmäler nahmen Überhand
Ein kompliziertes Bündnissystem führte zu einem Weltkrieg, den sich kaum jemand zuhause vorstellen konnte. An den Rändern der Monarchie wurden die Opfer begraben. Bald hatte fast jedes Dorf in Niederösterreich ein Kriegerdenkmal. „Der Bau von Kriegerdenkmälern hat bereits während des Ersten Weltkrieges so Überhand genommen, dass militärische Erlässe ergingen, man möge damit jetzt aufhören, da letztendlich jedes Kriegerdenkmal ein gewisses Niveau halten soll“, sagt Julia Walleczek-Fritz, Historikerin und Kuratorin der Schallaburg-Ausstellung.

Das Kriegerdenkmal in Baden wurde erst im Jahr 1934 errichtet. Der damalige Badener Bürgermeister gab die Order aus, dass nichts daran „heldisch“ sein sollte. Allzu präsent war damals noch die Erinnerung an das Leid, das dieser erste mit Massenvernichtungswaffen geführte Krieg über die Soldaten und die Zivilbevölkerung gebracht hat.

Für die Gedenkausstellung auf der Schallaburg wurde die Bevölkerung aufgerufen, persönliche Erinnerungsstücke zur Verfügung zu stellen. Zu sehen ist unter anderem eine Mappe mit Briefen und Fotos, die ein Soldat in der Brusttasche getragen hat und die ihm bei einem Angriff das Leben gerettet hat. Viele Gegenstände verdeutlichen die Verzweiflung, Not und Entbehrung des Krieges, der vor 100 Jahren begonnen hatte. Soldaten ließen sich Kugeln, die aus ihren Wunden geschnitten wurden, einfassen. Ausgestellt ist auch ein Kommodentuch, das eine Tochter ihrem Vater zum Schutz mit an die Front gegeben hat.

Letzte Ruhestätte von Franz Ferdinand
Unweit der Ausstellung auf der Schallaburg liegt ein weiterer Erinnerungsort: das Schloss Artstetten (Bezirk Melk). Hier fanden die beiden Opfer des Attentats von Sarajevo, Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin Sophie, ihre letzte Ruhestätte. Ein besonderer Erinnerungsort liegt auch in Purgstall an der Erlauf (Bezirk Scheibbs). Hier befand sich das größte k. u. k. Kriegsgefangenenlager, in dem 80.000 russische, französische und italienische Soldaten interniert waren. Ein Friedensweg, der vor einigen Jahren eingerichtet wurde, führt an einem noch existierenden Kommandantengebäude von damals vorbei.

Hannes Steindl, noe.ORF.at
http://noe.orf.at/news/stories/2638459/

Der Hinweis zu Purgstall stimmt nicht ganz! Im Erlauftal befand sich eine Reihe von Kriegsgefangenenlagern und zwar in Petzenkirchen, Wieselburg, Mühling und Purgstall! Alle zusammen kamen auf die Kapazität von 80.000 Mann. Siehe dazu hier Beitrag #1!
 

josef

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#15
„Weltuntergang“ im Jüdischen Museum

„Weltuntergang“ im Jüdischen Museum

Viele Juden sind 1914 freiwillig und begeistert für Österreich-Ungarn in den Ersten Weltkrieg gezogen. Dem jüdischen Leben und Sterben widmet sich das Jüdische Museum Wien in der neuen Ausstellung „Weltuntergang“.

„Ich will, dass alle meine Soldaten gläubig sind“, ließ Franz-Joseph I. zu Kriegsbeginn verlautbaren. Ob christlich oder jüdisch, spielte für den Kaiser keine Rolle. Viele freiwillige Meldungen von Juden waren die Folge. „Für die jüdische Bevölkerung Österreich-Ungarns hatte der Erste Weltkrieg weitreichende Folgen“, erklärte Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums, am Mittwoch.

Besonderes Verhältnis zum Kaiser

Vor 1914 waren die Juden des Habsburgerreiches gleichgestellt, erstmals konnten sie ihre Religion ohne Einschränkungen ausüben. Franz-Joseph war in der jüdischen Bevölkerung beliebt und geschätzt - der Themenraum „Unser Kaiser“ zeigt das besondere Verhältnis zwischen dem Herrscher und der jüdischen Gemeinde.

Unter anderem ist dort eine Lobeshymne auf den Herrscher, Prunkgeschenke der Gemeinden an ihren Kaiser oder Bilder des Besuches Franz-Josephs in Jerusalem, wo er unter anderem für die dortige Synagoge spendete, zu sehen. Denn vor Ausbruch des Krieges waren die Juden in Jerusalem zu einem großen Teil emigrierte Galizier und damit Untertanen der Monarchie.

„Viele Juden zogen mit großer Begeisterung und patriotisch für Kaiser und Vaterland in den Krieg“, so Spera. Im Angesicht der antisemitischen Pogrome im Zarenreich erhoffte man sich nicht nur Anerkennung in der Bevölkerung, sondern auch eine Verbesserung der Situation für die Juden im Osten Europas. „Ein Trugschluss, wie sich rasch nach Ende des Krieges erweisen sollte“, meinte die Direktorin.

„Weltuntergang“ für jüdische Bevölkerung
Mit Kriegsende nahm der bisher praktisch verbotene Antisemitismus zu, auf der Suche nach einem Sündenbock für den verlorenen Krieg wurde vor allem das völkische Lager in Deutschland bei den Juden fündig. Viele junge Juden überlegten, auszuwandern - der Sozialismus und die Zionismusbewegung wurden stärker.

Die jüdische Bevölkerung verlor nicht nur ihre Gleichstellungsrechte, auch viele Familien wurden durch den Zerfall der Monarchie zerrissen: „Für die jüdische Bevölkerung der Donaumonarchie war es tatsächlich ein Weltuntergang“, erklärte Kurator Marcus G. Patka den Titel der Ausstellung.

Ausstellung mit Erinnerungen
Den Bogen spannt die Ausstellung weit über die vier Kriegsjahre hinaus: Von der Vorkriegszeit geht es über die „Fratze des Krieges“ bis zur gegenwärtigen Situation von Juden im Bundesheer der Zweiten Republik. „Bisher war der jüdische Aspekt des Ersten Weltkriegs weitgehend unerforscht“, sagte Spera. Um die Schau auszustatten, habe das Museum einen Aufruf gestartet, Objekte und Erinnerungen zu teilen - diesem seien Juden aus aller Welt nachgekommen.

Interviews mit Historikern und Experten begleiten die Themengebiete, alte Fotos und die wenigen verfügbaren Videomaterialien werden per Beamer an die Wände projiziert. Von der Decke hängen Banner, die einzelne jüdische Persönlichkeiten oder Schicksale präsentieren.

Zerstörung der größten jüdischen Lebenswelt
Geografisch verortet ist die Schau sowohl in Wien und in Jerusalem als auch in Galizien: „Das war die Zerstörung der größten jüdischen Lebenswelt, viele Menschen flüchteten schon während des Krieges nach Wien“, meinte Patka. Nach Kriegsende kam es hier zu den ersten antisemtischen Pogromen.
Die Ausstellung „Weltuntergang. Jüdisches Leben und Sterben im Ersten Weltkrieg“ ist bis 14. September im Jüdischen Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien, geöffnet.

http://wien.orf.at/news/stories/2639682/
 

josef

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#16
Gedenkfeier in Artstetten

Viel "Blaues Blut"...
1914/2014: Gedenkfeier auf Schloss Artstetten
Der 100. Jahrestag des Attentats in Sarajevo wird am 28. Juni auf Schloss Artstetten (Bezirk Melk) mit einer großen Gedenkfeier begangen. Die einstige kaiserliche Sommerresidenz wurde zur letzten Ruhestätte des ermordeten Thronfolgerpaares.

Am Samstag werden nach Angaben des Hauses an die 120 direkte Nachfahren von Erzherzog Franz Ferdinand und Herzogin Sophie von Hohenberg, 100 Mitglieder der Familie Habsburg-Lothringen, über 500 Vertreter von 60 Traditionsregimentern aus der ehemaligen k. u. k. Monarchie sowie Vertreter aus Politik, Diplomatie und Wirtschaft erwartet. 700 Gäste aus dem In- und Ausland sind geladen. Gedacht werde aller Opfer des Ersten Weltkriegs, wurde betont.

Requiem, Gedenkfeier, Kranzniederlegung
Die Feierlichkeiten beginnen um 11.00 Uhr mit einem Requiem in der nahen Basilika Maria Taferl (Bezirk Melk), das live in die Pfarrkirche Artstetten übertragen wird. Die Messe wird von Kardinal Christoph Schönborn gemeinsam mit dem St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng und dem Heiligenkreuzer Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck zelebriert.

Um 13.30 Uhr beginnt mit Beteiligung der Traditionsregimenter die Gedenkfeier vor Schloss Artstetten. Hausherrin Anita Hohenberg, Urenkelin Franz Ferdinands, wird sich mit einer Friedensbotschaft an die Gäste wenden. Einer Ansprache von Landeshauptmann Erwin Pröll schließt sich eine Kranzniederlegung in der Familiengruft an.

25 Mitglieder des Dragonerregiments Nr. 4 zeigen ab 16.30 Uhr auf der Löwenwiese vor dem Schloss ihre Reitkünste. Zum Ausklang des Programms spielt die Trachtenkapelle Artstetten zu ihrem am ersten Feriensamstag traditionellen Schlosskonzert auf.

Den ganzen Tag über wird im Erzherzog Franz Ferdinand Museum der Sonderbriefmarkenblock „Sarajevo 1914 - 2014“ (mit Ersttagsstempel) präsentiert. Der österreichische Marineverband stellt sieben seiner historischen Schiffsmodelle aus.

Ausstellung gibt Einblick in Leben des Thronfolgers
Das Museum in dem im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnten Gebäude wurde 1982 eingerichtet. Die permanente Ausstellung „Für Herz & Krone“ gewährt Einblick in das Leben des Thronfolgers und seiner Familie, ein ganzer Raum widmet sich der Liebesgeschichte und Hochzeit mit der - nicht standesgemäßen - Sophie Chotek. Die diesjährige Sonderschau „Regieren & Verlieren: Kaiser Karl - Eine Herausforderung zum Frieden“ thematisiert die Friedensbemühungen des letzten Kaisers Österreichs in seiner nur zweijährigen Regierungszeit.
Text- u. Bildquelle: http://noe.orf.at/news/stories/2654750/
 

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#17
Erinnerungen an Ersten Weltkrieg für digitales Archiv „Europeana° gesucht

Erinnerungen an Ersten Weltkrieg gesucht

Private Erinnerungsstücke aus dem Ersten Weltkrieg sammelt das digitale Archiv „Europeana“. Mehr als 130.000 Stück aus 14 Ländern sind bisher zusammengekommen. Am 1. August sollen es bei einem Aktionstag in Wien noch einige mehr werden.

Ein vierseitiger Brief, den ein Soldat am 4. März 1915 von der Front in Neuville an seine Frau und Familie geschickt hat: Er ist ein Stück des digitalen Archivs, zu finden in der Rubrik „Briefe“. Insgesamt 3.570 Schriftstücke sind allein in dieser Rubrik gesammelt, online abrufbar auf knapp 300 Seiten. Jeder Brief ist eingescannt, kann in Vollansicht betrachtet werden und ist versehen mit weiterführenden Informationen unter anderem zu Streitkräften, Kriegsschauplätzen, Zeit, Sprache und Ereignis.

Andere Rubriken sind Postkarten, offizielle Dokumente, Briefe, Tagebücher, Fotos und Filme. All diese Rubriken sind im Bereich „Dokumentenarten“ zusammengefasst. Daneben gibt noch zwei weitere Bereiche: Themen und Kriegsschauplätze. Im Bereich Themen geht es etwa um „Leben im Schützengraben“ oder „Propaganda“. Bei den Kriegsschauplätzen geht es um Seekrieg, Luftkrieg, die Ostfront, die Westfront, die Heimatfront und die italienische Front. Insgesamt finden sich in all diese Bereichen bisher rund 130.000 Erinnerungsstücke.


Aktionstag in Wien

1. August, 10.00 bis 18.00 Uhr, ORF RadioKulturhaus, Argentinierstraße 30a, 1040 Wien.


Nun soll die Sammlung auch durch Erinnerungsstücke aus Wien bereichert werden. Briefe und Tagebücher, Prothesen oder Spielzeug, das Väter an der Front bastelten: Die Wienerinnen und Wiener sind aufgerufen, ihre persönlichen Erinnerungsstücke an den Ersten Weltkrieg in das ORF RadioKulturhaus zu bringen. Dort werden sie fotografiert oder eingescannt. Interviewer erfassen zusätzlich die Geschichte der Objekte. Dann können die Stücke wieder mit nach Hause genommen werden.

Projektleiter Frank Drauschke erzählte davon, dass bei einem Aktionstag in München eine Postkarte aufgetaucht ist, die Adolf Hitler als Gefreiter im Ersten Weltkrieg verfasst hat. an sei gespannt, welche Ergebnisse der Aktionstag in Österreich zutage bringen werde. Die am 1. August erschlossenen Objekte sollen nicht nur in der „Europeana“ online gehen. Sie sollen auch zur Anreicherung künftiger Programmschwerpunkte des ORF dienen, so Herbert Hayduck, Leiter des ORF-TV-Archivs.

Mehr als 12.000 Menschen sind dem Aufruf von „Europeana“ bereits gefolgt, auch online kann man Fotos und Informationen einreichen. „Durch so ein Projekt lassen sich die kleinen Puzzlesteine der Geschichte zusammensetzen“, meinte Drauschke. „Es ist ein Rohdiamant, der jetzt von Nutzern wie Wissenschaftern aber auch Interessierten noch weiter geschliffen werden kann.“

Online-Ausstellung „An meine Völker!“
Neben privaten Erinnerungsstücken macht Europeana aber auch Teile von institutionellen Sammlungen zugänglich - etwa jene der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB), aus der derzeit über 30.000 Digitalisate zu sehen sind. Auch das Wien Museum oder die Universität Wien sind mit kleinen Beiträgen vertreten.

Mit der Ausstellung „An Meine Völker!“ bildet der Erste Weltkrieg noch bis 2. November einen Schwerpunkt in der Nationalbibliothek. Teile der Schau wurden nun in Kooperation mit Europeana zu einer dauerhaften virtuellen Ausstellung umgebaut, die ab sofort online zu sehen ist. Der Vorteil: Die Objekte lassen sich vergrößern und heranzoomen, die Geschichte dahinter werden gleich in mehreren Sprachen mitgeliefert.

„In den meisten Projekten und Ausstellungen zum Gedenkjahr wird der Erste Weltkrieg immer noch als nationaler Krieg mit nationaler Erinnerung verstanden“, kritisierte Hans Petschar, Direktor des Bildarchivs der ÖNB. Physisch gebe es keine Gedenkstätte in Europa, an dem alle nationalen Geschichtsschreibungen zusammengefasst sind - das Web schaffe hier Abhilfe, erklärte Petschar. „Dann können die Menschen selbst entscheiden, was sie glauben“, meinte er.

Plakate, Zeichnungen und Fotografien
Aus der Sammlung der ÖNB sind beispielsweise Zeitungen, Tagebücher und Zeichnungen von Schülern sowie Plakate und unzählige Fotografien zu sehen. „Diese Dokumente sind allerdings nicht unschuldig“, erinnerte Petschar an die Intention, die häufig hinter Gedrucktem und Fotografiertem dieser Zeit stand. Auch hier sollen Erklärungen den Kontext mitliefern.
Ergänzt wird diese offizielle, oft propagandistische Sicht dann ebenfalls durch private Eindrücke. „Wir wollen Europas kulturelles Erbe im Internet zugänglich machen und die persönliche Geschichte der europäischen Bürger festhalten“, erklärte Ad Polle, Projektkoordinator der Europeana Foundation, den Gedanken hinter dem Projekt und den Aktionstagen. Erstmals setzte man für die technische Gestaltung der Schau auf die Plattform des Google Cultural Institutes, das auch schon das Google Art Project umsetzte.
http://wien.orf.at/news/stories/2659133/
 

josef

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#18
Unterzeichnung der Kriegserklärung an Serbien in der Kaiservilla Bad Ischl

Kriegsgedenken in Bad Ischl

Am 28. Juli vor 100 Jahren hat Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärt. Gemeinsam haben die Bürgermeister dieser beiden geschichtsträchtigen Städte - Bad Ischl und Sarajevo – am Montag dem Krieg und seiner Millionen Toten gedacht.
Es war ein bewegendes und feierliches Gedenken an eine folgenschwere Unterschrift – am Montag in der ehemaligen Kaiserstadt Bad Ischl.
Vor genau hundert Jahren, am 28. Juli 1914, unterzeichnete Kaiser Franz Josef in der Kaiservilla in Bad Ischl die Kriegserklärung an Serbien, die zum Ersten Weltkrieg führte. Dieser Krieg kostete von 1914 bis 1918 viele Millionen Menschen das Leben.

Durch Weltgeschichte verbunden
Um den Opfern zu gedenken, haben sich unter anderem die Bürgermeister jener Städte eingefunden, die durch die Weltgeschichte verbunden sind - Sarajewo und Bad Ischl.

Verstrickte Kirche
Die Bündnispolitik der Großmächte im Europa des frühen 20. Jahrhunderts machte aus dem Konflikt zwischen der Österreich-Ungarn und Serbien innerhalb kurzer Zeit einen Flächenbrand. Erst 1918 endete der Krieg, der Millionen Tote gefordert hatte.

Ein Krieg, in dessen Ideologie sich auch Kirchen und Religionsgemeinschaften, verstrickten und für den sie sich begeisterten, wie der Linzer Altbischof bei der Gedenkfeier sagte.

Am Schreibtisch des Kaisers mit Blick auf ein Duplikat der Kriegserklärung wünschten sich die Bürgermeister übrigens, eine Friedens-Erklärung für die nächsten 100 Jahre...
http://ooe.orf.at/news/stories/2660221/
 
#19
was mich hier interessiert, ist der heutige Umgang mit dem Anfang des Ersten Weltkrieges im heutigen Oesterreich.

Insbs. haette mich interessiert, ob die Schuldgefuehle in Oesterreich heute, aehnlich sind, wie diese von Deutschland und dem Ausloesen des zweiten Weltkrieges?

Vermutl. kann diese Frage nur Jemand beantworten, der in Oesterreich lebt.
 
#20
Absolut keine Schuldgefühle.

Ich denke, auch die Türken haben keine mehr wegen der zwei Wiener Türkenbelagerungen.

Alles Quatsch. Interessiert doch die grosse Masse überhaupt nicht, was der Kaiser (oder Österreich) vor 100 Jahren gemacht hat.
 
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