Rechnitz im Burgenland: Massaker beim Kreuzstadel

#22
Also die Suche nach einem Massengrab als "History Serie" zu verarbeiten finde ich absolut unpassend und geschmacklos.
Aber vielleicht habe ich das ja auch falsch verstanden.
Der Link von Oak Island ist auf jedenfall Interessant .
 
#23
Bei meiner Burgenlandreise kam ich auch beim Mahnmal Kreuzstadl in Rechnitz vorbei. Hier wird einem die traurige bewegte Geschichte informativ erzählt! Auch die zahlreichen Videobotschaften der Zeitzeugen, lassen einen an die schlimme Zeit erinnern!

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Senator74

Guest
#27
Mir ist zu einer Auffindung des Massengrabes bis jetzt noch nichts untergekommen, glaube kaum, dass ich so etwas "verschlafen" hätte. Es gibt zwar regelmäßige Medienberichte zum Kreuzstadel, Ergebnis ?

Habe jedenfalls einmal den Volltext des ORF-Berichtes aus 2006 in den Eröffnungsbericht gestellt, bevor er verschwindet.

lg
josef
Danke. Solche Geschehnisse sollen weder verschleiert, noch verharmlost werden.
Seriöse Aufarbeitung gewonnener Erkenntnisse ist das Gebot der Stunde.
 

Geist

Worte im Dunkel
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#28
Wieder Grabungen nach NS-Opfern in Rechnitz

Nahe der südburgenländischen Gemeinde Rechnitz wird seit Mittwochvormittag wieder nach Gräbern gesucht, in denen im März 1945 nach einem Massaker 180 ungarische Juden verscharrt wurden.

Mittlerweile sei es der 16. Versuch die Opfer dieser Bluttat zu finden, teilte der Verein RE.F.U.G.I.U.S am Mittwochnachmittag mit. Am Vormittag war unter der Federführung der archäologischen Abteilung des Bundesdenkmalamtes in einem bewaldeten, früher als „Remise“ bekannten Gebiet südlich von Rechnitz (Bezirk Oberwart) mit Grabungen begonnen worden.


ORF
Bisherige Versuche das Grab der 180 ermordeten Juden aus Ungarn zu finden schlugen fehl

Pressekonferenz angekündigt
Für Donnerstag haben der Verein, der sich seit den frühen 1990er-Jahren um die Bewahrung des Kreuzstadels in der südburgenländischen Gemeinde bemüht und das Bundesdenkmalamt eine Pressekonferenz über den aktuellen Stand der Suche angekündigt. Nähere Informationen dazu waren am Mittwoch noch nicht bekannt.

Links:
Quelle: Wieder Grabungen nach NS-Opfern in Rechnitz
 

josef

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#29
Suche nach NS-Opfern: Kein Hinweis auf Grab

In Rechnitz (Bezirk Oberwart) ist ein weiterer Versuch gestartet worden, das Massengrab von 180 bei einem Massaker im März 1945 ermordeten ungarischen Juden zu finden. Bis auf eine Granate wurde nichts gefunden.
Die Suche konzentrierte sich diesmal auf ein Waldstück namens „Remise“. Zwei Tage wurde dort intensiv nach Spuren des Massakers an den 180 Juden gesucht. Leider auch diesmal „mit negativem Ergebnis“, wie Grabungsleiter Franz Sauer vom Bundesdenkmalamt am Donnerstag in Rechnitz vor Journalisten sagte. „Wir werden natürlich weitermachen“, sagte Sauer.


ORF
Grabungen in der „Remise“

Im Vorjahr habe der Südburgenländer Erich Deutsch mit ihm Kontakt aufgenommen und den Hinweis gegeben, dass die Opfer des Massakers nicht an einem bisher angenommenen Ort erschossen worden seien, sondern in einem Bereich, den der Großvater von Deutsch diesem gegenüber als „Judenwaldl“ bezeichnet habe. „Wir sind dann zum Schluss gekommen, dieses sogenannte ‚Judenwaldl‘ ist die ‚Remise‘ “, schilderte Sauer.

Verdachtsflächen mehr als 30 Hektar groß
Im Vorjahr wurde das Waldstück mit Metalldetektoren durchsucht und nachdem einige Patronen gefunden wurde, beschloss man die ehemaligen Schützengräben auf einer Länge von 300 Metern komplett auszuheben. Bis auf eine Granate und einen Karabiner sei nichts gefunden worden, so Sauer. Die Verdachtsflächen seien insgesamt mehr als 30 Hektar groß - so eine Fläche könne man „nicht von heute auf morgen untersuchen“, sagte Sauer.

Seit Jahren maßgeblich an der Suche nach dem Grab beteiligt, ist der Verein RE.F.U.G.I.U.S. „Wir versuchen das auch öffentlich zu machen und zu schauen, dass Leute bereit sind, uns mögliche Orte zu sagen, wo das Massaker stattgefunden haben könnte“, so Vereinsmitglied Horst Horvath.


ORF
Gabor Vadasz, Nachkomme eines Opfers

Immer wenn die Hoffnung besteht, dass die Opfer gefunden werden könnten, reist der Budapester Gabor Vadasz nach Rechnitz - mehr dazu in Massaker von Rechnitz: Sohn sucht Grab . Er ist der wohl einzige Nachkomme eines der Opfer. Er sei zutiefst verzweifelt, denn er habe diesmal sehr große Hoffnungen gehabt, sagte der 82-Jährige. Es war die bereits 16. Suchaktion und die Suche werde fortgesetzt, hieß es vom Bundesdenkmalamt.

Massaker wenige Tage vor Kriegsende
Die Kriegshandlungen waren nur mehr wenige Kilometer entfernt, als am 24. März 1945 nach Informationen der Gedenkinitiative RE.F.U.G.I.U.S. an die 1.000 ungarische Jüdinnen und Juden vom Lager in Köszeg/Güns (Ungarn) mit der Eisenbahn über die Grenze in den kleinen Ort Burg (Ortsteil von Hannersdorf, Bezirk Oberwart) transportiert wurden. 200 Männer, bereits zu krank und zu schwach für den Arbeitseinsatz, der unter anderem im Ausheben von Gräben bestand, wurden einige Kilometer zurück zum Bahnhof Rechnitz gebracht.

Am selben Abend fand im Schloss Batthyany in Rechnitz ein NSDAP-Kameradschaftsfest statt, an dem etwa 40 bis 50 Personen teilgenommen haben dürften. Laut den Aussagen von Zeugen erhielt der NSDAP-Ortsgruppenleiter Franz Podezin einen Anruf und ließ daraufhin 15 Männer bewaffnen.

Die Gruppe machte sich vom Schloss auf den Weg in die Nähe des sogenannten Kreuzstadls, wohin in der Zwischenzeit die bereits völlig erschöpften Juden gebracht worden waren. Nach Mitternacht ermordeten sie 180 Menschen. Nach dem Massaker an den Juden kehrten sie ins Schloss zurück, wo weiter gefeiert wurde. Das Grab der Ermordeten wurde bis heute nicht gefunden.

Publiziert am 07.03.2019
Suche nach NS-Opfern: Kein Hinweis auf Grab
 

josef

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#32
Gedenken 2019:
Rechnitz: Gedenken beim Kreuzstadl
Veranstaltet vom Verein „RE.F.U.G.I.U.S.“ hat am Sonntagnachmittag beim Kreuzstadl in Rechnitz die alljährliche Gedenkfeier für die Opfer des Südostwallbaus stattgefunden. Unter anderem nahmen Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinden in Wien und Zalaegerszeg teil.
Erinnert wurde an die etwa 180 ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter die im März 1945 in der Nähe des Kreuzstadls ermordet wurden und nach deren sterblichen Überresten immer noch gesucht wird. Rund 150 Menschen waren der Einladung des Vereins „RE.F.U.G.I.U.S“ gefolgt. Neben den Vertretern der israelitischen Kultusgemeinde Zalaegerszeg sowie kirchlichen Vertretern, nahm auch Landtagspräsidentin Verena Dunst (SPÖ), sowie der Botschafter Ungarns Andor Nagy und die Botschafterin Israels Talya Lador-Fresher teil.


ORF/Csenar
Das Gedenken beim Kreuzstadl in Rechnitz

Jüdische Zwangsarbeiter ermordet
„Als ich die Artikel gelesen habe, wusste ich nicht, ob das eine wahre, oder eine erfundene Geschichte ist. Wir wissen, dass während des Holocaust schreckliche Sachen passiert sind. Aber so knapp vor Kriegsende, wo alle schon wussten, die rote Armee ist schon da - ist diese unfassbare Geschichte passiert. Es war eine Feier auf einem Schloss und sie haben die Juden, die gearbeitet haben, getötet. Es ist schwer dieses Kriegsverbrechen zu verstehen“, sagte die israelische Botschafterin.

Die bei einem Massaker im März 1945 im Zuge eines NS-Gefolgsschaftsfestes ermordeten 180 jüdischen Zwangsarbeiter seien, so die Botschafterin, „zweimal zu Opfern geworden: Einmal durch die Tat selbst, das zweite Mal durch das Schweigen.“


ORF/Csenar
Das Gedenken wird vom Verein Refugius veranstaltet

Warnung vor Antisemitismus
Die in einem System von Schützen- und Panzergräben beim Kreuzstadl vermuteten Gräber der Ermordeten konnten trotz der bisher 16 Suchaktionen und Grabungen nicht gefunden werden. Auch die Anfang März durchgeführte Grabung im „Remise“ genannten Waldstück südlich des Kreuzstadls blieb ohne Ergebnis.

„Wir sind in Ungarn immer noch nicht richtig in der Lage, den Holocaust zu verarbeiten“, stellte Ungarns Botschafter in Österreich, Andor Nagy, fest. Gegenüber Antisemitismus sei null Toleranz angebracht: „Die Geschichte lehrt uns, dass wir Ungarn den Antisemitismus rechtzeitig bekämpfen müssen“, so Nagy.


ORF
Etwa 150 Menschen waren der Einladung des Vereins „RE.F.U.G.I.U.S“ gefolgt

„Es ist wichtig, vor allem der Jugend klar zu machen, was passiert, wenn Grundwerte der Demokratie, wie Grund- und Freiheitsrechte beschnitten werden und die menschliche Würde mit Füßen getreten wird“, betonte Landtagspräsidentin Dunst. Sie legte im Namen des Landes Burgenland einen Kranz beim Kreuzstadl nieder. Außerdem legten Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde Zalaegerszeg, der Gemeinde Rechnitz und des Mauthausenkomittees Kränze nieder.


ORF
Bei dem Gedenken wurden Kränze beim Kreuzstadl niedergelegt

Suche nach Massengrab geht weiter
Paul Gulda, Obmann des Vereins „RE.F.U.G.I.U.S“, bezeichnete die Gedenkstätte Kreuzstadl als „Brennpunkt dessen, dass über dunkle Geschichtskapitel gesprochen wird. Solange geschwiegen wird, kann sich eine Gesellschaft von diesem Übel nicht erholen.“ Zum steigenden Antisemitismus warnte Gulda vor politischen Entwicklungen. Die zuletzt auf Initiative des Bundesdenkmalamtes betriebene Suche nach den Gräbern der Ermordeten werde weitergehen, kündigte Gulda an.

Nur von wenigen der 180 Opfer des Massakers kennt man die Namen. Nachforschungen ergaben laut dem Verein „RE.F.U.G.I.U.S“ kürzlich, dass einer der prominentesten ungarischen Poeten der Zwischenkriegszeit, Laszlo Fenyö (vormals Friedmann, geb. 1902) 1942 zur Zwangsarbeit verpflichtet, gefoltert und 1945 bei Rechnitz ermordet wurde. Die an ihn erinnernde Gedenktafel wurde am Sonntag im Rahmen der Gedenkfeier enthüllt. Dabei anwesend war auch der Budapester Arzt Gabor Vadasz, dessen Vater und Onkel Opfer des Massakers waren.

Publiziert am 24.03.2019
Rechnitz: Gedenken beim Kreuzstadl
 

josef

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#33
Rechnitz: Hoffen auf neue Impulse
In Szombathely (Westungarn) findet seit Donnerstag ein zweitägiges Symposion zum Massaker von Rechnitz 1945 statt. Die Initiatoren erhoffen sich von der Konferenz neue Impulse für die Suche nach den Opfern des Massakers.

Das Programm des Symposions wurde von der jüdischen Glaubensgemeinschaft in Szomabthely in Kooperation mit dem Verein R.E.F.U.G.I.U.S. organisiert. Die Vortragenden kommen aus Ungarn und Österreich, so ist unter anderem das Bundesdenkmalamt vertreten. Außerdem sind der ehemalige Bürgermeister von Rechnitz, Engelbert Kenyeri, der Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, Gerhard Baumgartner, und natürlich Vetreter des Vereins R.E.F.U.G.I.U.S. dabei.

Suche nach den Opfern des Massakers
Sie beleuchten vor allem den Stand der Suche nach den Opfern des Massakers von Rechnitz 1945. Den ungarischen Historikern geht es vor allem um die Verbindung von Rechnitz mit Köszeg (Güns). Auch hier gab es es ein Judenlager, in einer ehemaligen Ziegelfabrik, wo mehr als 2.500 Juden zu Tode kamen. Bei der Auflösung des Lagers wurden die jüdischen Zwangsarbeiter über Rechnitz Richtung Graz getrieben - rund 180 von ihnen fanden im März 1945 in Rechnitz den Tod. Der genaue Ort des Massakers wurde bis heute nicht gefunden.

Publiziert am 09.05.2019
Rechnitz: Hoffen auf neue Impulse
 

josef

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#34
Neue Suche nach Gräbern von NS-Opfern

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In Rechnitz (Bezirk Oberwart) wird die Suche nach den Gräbern der im März 1945 von Nationalsozialisten ermordeten ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter fortgesetzt. Am Dienstag haben dazu die Grabungsarbeiten begonnen.

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Die Arbeiten werden – wie schon im Vorjahr und 2017 – von der Arbeitsgemeinschaft Geschichte und Archäologie durchgeführt. Obgleich seit einigen Jahren vom Bundesdenkmalamt und der Arbeitsgemeinschaft Geschichte und Archäologie die infrage kommenden Flächen systematisch „abgearbeitet“ werden, handelt es sich nach wie vor um die „Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, beschreibt Archäologe Franz Sauer die aktuelle Grabungskampagne. Federführend bei der Suche nach den bisher nicht entdeckten Gräbern ist die Abteilung Archäologie des Bundesdenkmalamtes. Finanzierungspartner ist das Land Burgenland.

Verdachtsfläche entspricht etwa 120 Fußballfeldern
Nach Auswertung von historischen Quellen, Luftbildern, geophysikalischen Untersuchungen und Ergebnissen früherer Grabungen ergibt sich eine überaus große Verdachtsfläche von zumindest 89 Hektar, das entspricht etwa 120 Fußballfeldern. Die seit 1969 mit verschiedensten Methoden (Stichgrabungen, Bodenradar, Bohrungen, u. a.) bereits untersuchte Fläche beträgt maximal 6,3 Hektar. Es ist aber von einer deutlich kleineren, bis heute vollständig untersuchten Fläche auszugehen.

ORF
Hier in der Nähe des Rechnitzer Kreuzstadls wurden die ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter ermordet

Ort des Verbrechens wurde zum Mahnmal
In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 wurden ungefähr 180 kranke und körperlich geschwächte ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter in der Nähe des Kreuzstadls in Rechnitz von den Nazis ermordet und verscharrt. Die Gräber sind bis heute nicht gefunden worden. Die Ruine des Kreuzstadls wurde auf Initiative des Vereins RE.F.U.G.I.U.S zum Mahnmal. Der Verein hat es sich zum Ziel gemacht, an die unaufgearbeiteten Gräuel der Naziherrschaft zu erinnern.

Luftbilder der US-Airforce vom Februar 1945 zeigen im Gebiet östlich und südlich des Kreuzstadls ein System von Stellungen, Schützen-, Lauf- und Panzergräben. Einige dieser Anlagen sind – wie Luftbilder vom Sommer 1945 nahelegen – zwischen Februar und August in ihrer Form verändert worden oder kaum mehr nachweisbar. Auf den Äckern östlich des Waldstückes „Remise“ gelegen, stehen sie im Mittelpunkt der diesjährigen Grabungskampagne.
23.09.2020, red, burgenland.ORF.at/Agenturen

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Neue Suche nach Gräbern von NS-Opfern
 

josef

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#35
Ausgrabungen in Rechnitz gehen weiter

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Die Suche nach den Opfern des NS-Massakers in Rechnitz am Palmsonntag des Jahres 1945 geht weiter. Drei Wochen lang untersucht ein Archäologenteam das Areal beim sogenannten Kreuzstadl. Die Suche ist äußerst aufwendig, vor allem weil das Gebiet so groß ist.

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Die Suche konzentriert sich heuer auf Stellen, die zwischen dem Februar und dem August 1945 zugeschüttet wurden. Diese Bereiche wurden durch das Vergleichen von Luftaufnahmen aus der Zeit entdeckt. „Wir haben hier eine Unmenge an sowjetischer Infanteriemunition gefunden. Wir haben ein Magazin einer Maschinenpistole, einen Spaten zum Anlegen dieser Gräben, und – was besonders ist – ein Panzerabwehrrohr der deutschen Wehrmacht gefunden“, so der Archäologe Nikolaus Franz. Auf die sterblichen Überreste der jüdisch-ungarischen Opfer des Massakers von 1945 ist man aber noch nicht gestoßen.

ORF
Gefunden wurden bereits Unmengen sowjetischer Infanteriemunition

In der vergangenen Woche wurde bereits ein Feld neben einem Waldstück abgesucht. Hier hat man aufgrund von Erzählungen aus der Bevölkerung das sogenannte „Judengartl“ vermutet, ein abgezäuntes Gebiet, wo man die Toten verscharrt haben soll. Derzeit konzentriert sich die Suche auf eine dreieckförmige Linie, die man durch den Vergleich von Luftbildaufnahmen der US Air Force aus dem Februar bzw. aus dem August des Jahres 1945 entdeckt hat.

Schwierige Suche auf großem Gelände
„Eine ganz wichtige Unterscheidung zwischen den Objekten ist folgende: Welche Objekte waren im Februar 1945 in Arbeit, also noch offen? Die Gräben haben existiert. Und welche Objekte waren im August 1945 bereits seit längerer Zeit zugeschüttet? Diese zugeschütteten Objekte sind von besonderem Interesse, weil in diesen Objekten möglicherweise die Massakeropfer begraben wurden“, so Nikolaus Franz.

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Luftbildaufnahmen der US Air Force bilden die Grundlage der Ausgrabungen

Die Suche gleicht allerdings der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. „Man vergisst immer wieder, dass es sich hier um eine Fläche von im Kern 300.000 m² handelt, wo wirklich jedes archäologische Objekt ab einer bestimmten Größe dafür in Frage kommt, als Verscharrungsort der Massakeropfer gedient zu haben“, so Franz. Diesmal wird drei Wochen lang gegraben, die Finanzierung übernehmen das Bundesdenkmalamt und das Land.
03.10.2020, red, burgenland.ORF.at
Ausgrabungen in Rechnitz gehen weiter
 

josef

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#36
Gefallener deutscher Soldat gefunden
Im Zuge der Suche nach den 180 ermordeten jüdischen Zwangsarbeitern in Rechnitz ist am Donnerstag ein gefallener deutscher Soldat aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden.
Online seit heute, 16.15 Uhr
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Näheres könne man dazu derzeit noch nicht sagen, sagte Wolfgang Wildberger vom Schwarzen Kreuz gegenüber dem ORF-Burgenland.

Schwarzes Kreuz/Wolfgang Wildberger
Ausgrabungsarbeiten in Rechnitz

Am Freitagvormittag wurden auf dem Soldatenfriedhof in Mattersburg zwei Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg bestattet. Einer war bei Feldarbeiten in Mattersburg gefunden worden, der zweite im Zuge von archäologischen Grabungen auf der S7-Trasse in Königsdorf – mehr dazu in Zweiter Weltkrieg: Soldaten gefunden.
09.10.2020, red, burgenland.orf.at
Gefallener deutscher Soldat gefunden
 

Geist

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#37
6100 m² wurden 2020 untersucht. 2021 geht die Suche weiter.

In den letzten Kriegstagen 1945 wurden 180 bis 220 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter im südburgenländischen Rechnitz ermordet.

Es handelte sich um eines der größten auf österreichischem Territorium verübten nationalsozialistischen „Endphasenverbrechen“. Die Leichen der Opfer wurden an einer trotz zahlreicher historischer Quellen bis heute unbekannten Stelle verscharrt. Zwischen 21. September und 14. Oktober 2020 setzte das Bundesdenkmalamt, Abteilung für Archäologie, die Suche nach den Opfern des „Kreuzstadlmassakers“ fort.

Seit mehr als drei Jahrzehnten werden in Rechnitz von verschiedenen Organisationen Suchgrabungen durchgeführt. Die meisten dieser Grabungen waren jedoch kleinräumig konzipiert und konzentrierten sich auf sogenannte „hotspots“. Das Bundesdenkmalamt änderte im Spätherbst 2017 diese Vorgehensweise. Seither wird das in Frage kommende Areal großflächig erforscht, um während einer Kampagne die Opfer zu finden oder zumindest möglichst viele Punkte als Ort(e) des Massengrabes bzw. der Massengräber auszuschließen. Die unter der Humusschicht befindlichen archäologischen Befunde werden systematisch und vollständig ergraben.

Die mit der Durchführung des Projekts betraute AGA-Arbeitsgemeinschaft Geschichte & Archäologie unterzog bei der diesjährigen Maßnahme eine Fläche von insgesamt 6.100 m² einer systematischen archäologischen Untersuchung. Auf Basis des umfangreichen Quellenmaterials, wie gerichtlichen Zeugenprotokollen, behördlichen Aktenvermerken und Geländeskizzen sowie in Bezugnahme auf Luftbildmaterial der Jahre 1945 bis 2020 und den Ergebnissen geophysikalischer Prospektionen wurden die Verdachtsflächen im Vorfeld der Grabungsarbeiten definiert.

Bei den im Zuge der Grabung entdeckten archäologischen Befunden handelt es sich überwiegend um Panzer- und Laufgräben sowie um Unterstände oder Bunker des sogenannten Südostwalls, einer zwischen Herbst 1944 und Frühjahr 1945 angelegten Verteidigungsanlage. Aus den Befundverfüllungen konnten zahlreiche Kriegsrelikte, wie Munitionsbehälter, Kabelspulen, Waffen und Stacheldraht sowie große Mengen von darin entsorgter mitunter „scharfer“ Munition geborgen werden. Von besonderem Interesse ist das Auffinden der sterblichen Überreste eines deutschen Soldaten, der möglicherweise dem „Volkssturm“ angehörte. Die ermordeten Zwangsarbeiter konnten jedoch auch in der diesjährigen Grabungskampagne nicht gefunden werden.

Die während der Kampagne gewonnen Erkenntnisse werden in die weitere Projektarbeit einfließen. Pläne für Vorgehensweisen im Jahr 2021 werden derzeit erarbeitet.
Quelle: Suche in Rechnitz geht weiter
 

pauli

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#38
Nur so eine unbedarfte Frage : wer genau wünscht sich die Bergung der Toten und zu welchem Zweck ? Ich find ja die Toten sollten dort in Frieden ruhen ,das BDA hat andere Aufgaben.
 

Geist

Worte im Dunkel
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#39
Es gibt viele Gründe, warum es wichtig ist, dieses Massengrab zu lokalisieren. Einerseits hilft es bei der Aufklärung des Verbrechens, wenn man anhand der sterblichen Überreste die Art der Tötung feststellen kann. Weiters kann man erst nach der Auffindung die Toten in würdevolle Verhältnisse bringen, entweder indem man an Ort und Stelle die Fläche, die das Massengrab einnimmt als Friedhof deklariert oder indem man sie geordnet in einem anderen Friedhof neu bestattet. Außerdem haben so eventuelle Nachkommen endlich einen Ort, wo sie hingehen können, um ihrer ermordeten Vorfahren zu gedenken, oder einfach mal Blumen und Kerzen hinzustellen.

Derzeit ist der Verbleib dieser 180 Getöteten so unklar und nebulös, dass man nicht von „in Frieden ruhen“ sprechen kann, bezogen auf den Ort, an dem sie derzeit verscharrt liegen. Der Grund, dieses Grab zu finden, hat also viel mit Wiederherstellung der Würde und Aufklärung zu tun.
 
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