Notlandepisten auf Autobahnen, Schnellstraßen sowie Feldflugplätze in Österreich

josef

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#1
Gab es in Österreich außer der bekannten Ausweichpiste an der S36 bei Zeltweg weitere Notlande- bzw. Ausweichpisten (NLP) für militärische Zwecke auf Autobahnen und Schnellstraßen?


Vorerst möchte ich einmal grundsätzlich betonen, dass NLP in Österreich wegen der geringen Anzahl von Düsenflugzeugen der Luftstreitkräfte nie eine so große Bedeutung hatten wie für die NATO-Luftwaffen bzw. Warschauer-Pakt Luftstreitkräfte im Westen und Osten Deutschlands.

Bei der Ableistung meines Wehrdienstes bei der Flugmeldetruppe vor mehr als 35 Jahren wurde davon gesprochen, auf Autobahn- bzw. Schnellstraßenabschnitten in der Nähe der 3 wichtigsten Fliegerhorste auf denen Düsenflugzeuge stationiert waren/sind, derartige NLP einzurichten.

So war damals für den Fliegerhorst Hörsching bei Linz die Rede einer NLP im Abschnitt der A1 zwischen dem Knoten Linz-Haid und Sattledt beim „Allhaminger Forst“. Auf diesem Streckenabschnitt befindet sich ein Parkplatz mit Anschluss ans untergeordnete lokale Straßennetz. Ob und wie weit dort wirklich etwas verwirklicht wurde, entzieht sich meinen Kenntnissen. Heute wird dort die AB von 2 auf 3 Fahrspuren je Richtung erweitert bzw. ist teilweise schon fertig und damit die alte Bausubstanz total verändert.

Für den Fliegerhorst Graz-Thalerhof war eine NLP an der A2 im Großraum Graz geplant, genauer Standort und Verwirklichung sind mir auch nicht bekannt. Glaube aber eher auf keine Durchführung, sondern nur um Projekt, da ich später nie mehr etwas darüber hörte.

Einzig wirklich durch Übungen bestätigte NLP gab/gibt es an der direkt am Fliegerhorst Zeltweg vorbeiführenden Murtalschnellstraße S36 zwischen den Anschlüssen Zeltweg Ost und West.

Kann jemand mehr zu diesem Thema berichten?

lg
josef
 
#2
es gab noch mehrere Pläne, die meisten betrafen die Tauernautobahn im Zentralraum Bereich. Da es jedoch seitens der ASFINAG-Vorläufer kein entgegenkommen gab hätte das BMLV notwendige Planungs- bzw. Bauänderungen selbst finanzieren müssen, wodurch es bei Planungen blieb. Hauptproblem ware weniger ein gerades Teilstück zu finden als vielmehr die geografisch bedingten Gefälle/Neigungen.
Sehr wohl wurden in der Raumverteidigungszeit jedoch mehrere Feldflugplätze für leichte Flächenflugzeuge (v.a. PC-6) und Hubschrauber beübt.

Hab da irgendwelche Unterlagen glaube ich, werd mal bei Gelegenheit darin blättern und dann hier näheres posten falls ich noch was finde.
 

josef

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#3
Sehr wohl wurden in der Raumverteidigungszeit jedoch mehrere Feldflugplätze für leichte Flächenflugzeuge (v.a. PC-6) und Hubschrauber beübt.
Für die Flächenflugzeuge und HS gab es jede Menge Feldflugplätze, da genügten ja einigermaßen ebene Wiesenflächen mit Anbindung an div. Infrastruktureinrichtungen. Bevorzugt waren Flächen an Waldrändern oder große Lichtungen in Forstgebieten wegen der Tarnung...

lg
josef
 
#4
So.... hab jetzt in meinen Unterlagen nachgeschaut.

Gleich 3 Ausweichpisten der Tauernautobahn wäre im Zederhaustal zw. Fell und Katschberg geplant gewesen (Katschbergtunnel als Hangar?) zw. km 96,6 bis 97,8 – zw. km 100,6 und km 101,9 und Umprojektierung der Autobahn zw. Km 98,7 und km 101

Weitere Strecken:
- Neunkirchner Allee
- Sattledt (Westautobahn)
- Stockerauer Autobahn bei Spillern
- Aigen/Ennstal
- Trieben
- Pyhrnautobahn


Letztendlich hat man sich dann aber mit der Einbeziehung aller vorhandenen zivilen kleineren Flugplätze die für die Saab105 in Notfall geeignet gewesen wären begnügen müssen da es Kompetenzprobleme und (wie immer) Finanzierungsprobleme gab.

Die S36 bei Zeltweg wurde übrigens Ende 1986 das letzte mal als Landebahn von Saab 105, PC-6 und SC-7 benützt.
 

Tom69

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#6
Die Bilder zeigen den Start bzw. die Landung einer 105 auf der S36 im Oktober 1986. Das war noch vor Verkehrsfreigabe dieser Schnellstraße.

Bild1:
Aus dem Buch "Die Fliegerkräfte Österreichs 1955 bis heute", Wolfgang Hainzl, Erwin Hauke, H.Weishaupt Verlag

Bild 2:
Truppendienst, 6/1986
 

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Roland1

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#7
Komme ursprünglich aus dieser Gegend und falls ich mich noch richtig erinnere sind die Draken auf der S36 auch mal gelandet und gestartet, da wurde die Straße für den Verkehr gesperrt.
 
#8
A1 bei Ybbs

Ich hab betreffend die längste Autobahngerade Österreichs auf der A1 bei Ybbs (zwischen Ybbs und Amstetten Ost) auch einmal ein derartiges Gerücht gehört.
 

josef

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#9
Ich hab betreffend die längste Autobahngerade Österreichs auf der A1 bei Ybbs (zwischen Ybbs und Amstetten Ost) auch einmal ein derartiges Gerücht gehört.
Nein, dort gab/gibt es so etwas nicht! Die A1 im Bereich im O und W von Amstetten führt durch die ehemalige "Schlüsselzone 35". Dies war einer der am stärksten mit "Festen Anlagen" gesicherten Räume zur Sperrung der O-W Achse durch Österreich! Im Verteidigunsfall wären dort die für Luftlandungen geeigneten AB-Teilstücke mit vorbereiteten Sperren (Panzerigel usw.) gesichert worden. Weiters lagen die A1 Abschnitte zwischen Ybbs und den Strengbergen im Feuerbereich dutzender verbunkerter 10,5 cm Centurion Pz-Kanonen und 15,5 cm SF-Kanonen. Siehe dazu auch den Thread über "Feste Anlagen in Österreich"!

lg
josef
 
#14
hab jetzt noch was gefunden.

neben dem Ausbau von Aigen als volltauglichem Einsatzflugplatz für Jets im Alpen-Zentralraum waren 3 NLP mit verbunkerten Schutzbauten für je eine ganze Staffel (!) geplant (ebenfalls im Zentralraum)
 
#16
josef hat geschrieben:
Für die Flächenflugzeuge und HS gab es jede Menge Feldflugplätze, da genügten ja einigermaßen ebene Wiesenflächen mit Anbindung an div. Infrastruktureinrichtungen. Bevorzugt waren Flächen an Waldrändern oder große Lichtungen in Forstgebieten wegen der Tarnung...

lg
josef

wo waren z.B. solche Feldflugplätze geplant bzw. wurden beübt (falls diese Informationen "öffentlich" sind...
 

josef

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#20
Flh. Zeltweg mit NLP auf der S36

Lubi des Flh. Zeltweg aus der "Draken-Ära":

Das gerade Schnellstraßenstück der S36 oberhalb des Flugplatzgeländes war (ist ?) die beschriebene und beübte NLP!

Bildquelle: Ausstellung 2011 im Hangar 8 des Flh. Zeltweg
 

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