josef

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#1
...und wieder einmal verschwinden die Reste einer Anlage aus den letzten Wochen des WK II...

Zum Schutz der B3, des Donauradweges und der Donauuferbahn vor Steinschlag wird am Gelände des ehemaligen Steinbruches Spitz parallel zur Bahnstrecke ein 5 m hoher und an der Krone 2 m breiter Steindamm errichtet. Unter den Steinmassen dieses Dammes werden die letzten Baureste der „Ofenanlagen XV und XVI“ verschwinden. Da von der Bruchwand immer wieder Felsmassen abrutschten wurde diese Maßnahme notwendig. Vor etlichen Jahren wurde das Wohnhaus des damaligen Besitzers zerstört und bereits Teile der Ofen-Anlagen verschüttet. Der letzte große Felssturz am Gelände war im November 2002, ist in einem Artikel in den NÖN 07/2004 – Ausgabe Krems/Kamptal auf Seite 37 unter dem Titel “Schutz vor Steinschlag“ nachzulesen.

lg
josef
 

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#2
Hallo!

Im einem Eisenbahnforum ist zu lesen, das die oben genannte Ofenanlage in Spitz anscheinend teilweise(? oder ganz) der Sanierung des Steinbruchs (Steinschlaggefahr auf Strasse und Bahnlinie) zum Opfer fällt!

Das Foto das Josef im Jahr 2000 vor Ort gemacht hat, spricht für sich!(bezüglich Steinschlaggefahr!)


Lg

kennyG
 
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josef

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#3
@kennyG schreibt:
Im neuen Eisenbahnforum ist zu lesen, das die oben genannte Ofenanlage in Spitz anscheinend teilweise(? oder ganz) der Sanierung des Steinbruchs (Steinschlaggefahr auf Strasse und Bahnlinie) zum Opfer fällt!
Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten werden die wenigen Reste der ehemaligen "Ofen"-Anlage zur Gänze verschwunden sein!

Siehe dazu auch einen Bericht hier im Forum vom 13.02.2004:
http://www.unterirdisch-forum.de/in...age-ofen-xv-u-xvi-in-spitz-an-der-donau.2810/

Egal, ob die Ölrückstände in den Stahlbetontanks belassen oder abgepumpt werden, über die Restfläche kommt Schüttmaterial darüber...

Wobei man bei objektiver Betrachtung dieses speziellen Falles wirklich nicht sagen kann, dass eine museale Erhaltung der paar noch vorhandenen Reste einen Sinn macht! Da geht wirklich die Sicherheit für die Benutzer von Straße und Schiene vor! Aber zumindest in einer Ortschronik bzw. im Gemeindearchiv von Spitz sollten die Daten schon dokumentiert werden. Leider neigen viele Kommunen, besonders in Fremdenverkehrsregionen, dazu, über die Zeit von 1938 bis 1945 einen "Mantel des Schweigens" zu hüllen!

lg
josef
 
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josef

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#4
Ehemalige Ofenanlage Spitz

Der in den Vorberichten angekündigte Bau von Schutzeinrichtungen gegen Felssturz aus der Steinbruchwand für die derzeit in diesem Bereich eingestellte Donauuferbahn und die B3 schreitet zügig voran! Nachstehend einige Fotos aus der Vorwoche:

1. Schutzwall zwischen Bahn und Steinbruch.

2. Graben als Sturzraum für nachrutschendes Gesteinsmaterial aus der Bruchwand. Unter Damm und Grabensohle befinden sich die Reste der Stahlbetontanks.

3. Links der Schutzwall, am Hang Gebäuderuinen der ehemaligen Kleinraffinerie (Ofenanlage).

4. Vorderansicht der Gebäuderuine.

5. Innenraum der Ruine. Das Bauwerk wurde unter sparsamer Verwendung von Ziegel und Beton großteils mit Bruchsteinen hergestellt. Interessant die bogenförmigen, mit Ziegel ausgemauerten Mauerdurchbrüche. Ein ähnliches Ziegelgewölbe ist auch bei der Ofenanlage 33/34 in Hauskirchen noch zu finden => http://unterirdisch-forum.de/forum/showthread.php?t=3150highlight=Hauskirchen
 

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R

Räppold

Guest
#6
Servus Josef,
interessante Fotos - vielleicht habe ich einen Lösungsvorschlag für die in Bild 5 abgebildeten Bögen. Dabei handelt es sich um richtige Rundbögen (bei einem Gewölbe würde man von einem Tonnengewölbe sprechen) und nicht um Korbbögen, scheitrechte Bögen usw. Solche Bögen in Natursteinmauern auszuführen hätte den Einsatz von Steinmetzen erforderlich gemacht (Herstellung der Auflagesteine, Schlusssteine usw.). Die Steinmetze hat man wahrscheinlich für die "Prachtbauten" benötigt, während das Zurichten der Steine für das normale Schichtenmauerwerk verhältnismäßig schnell zu erlernen ist und außerdem der Einsatz von Häftlingen und Zwangsarbeitern (für die meines Wissens ein Entgeld in Höhe von 3 - 4 RM pro Tag gefordert wurde und die zusätzlich gequält, geschlagen, mit Essensentzug usw. bestraft wurden) für diese "Herren" kostengünstiger als Ziegelsteine, die ja gebrannt werden mussten, waren. Im Zeichen der Materialknappheit hat man wahrscheinlich auf solche Arbeitsweisen zurückgegriffen, denn Betonstürze hätten außer Zement und Kies auch Baustahl erfordert - und Stahl war ja sehr knapp.
Gruß Jürgen
 
#7
ähhhh sag Josef sind die Lkwreifen als Müll abgelagert oder werden die im "Damm" mitverarbeitet ?

Bleibt das Ofen-Gebäude und der Anschlußbahnrest erhalten oder wird auch das im Schutzbau verschwinden?

Lg

kennyG


und vielen Dank an Josef für deine Arbeit hier!!!!!! :danke
 

josef

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#8
@Räppold:
Danke für die "fachmännische" Erklärung. Diese "Mischbauweise" wurde sicher wegen des damals herrschenden Materialmangels angewandt! Steine waren ja vor Ort genügend vorhanden. Habe ein paar Kopien von Bautagebuchseiten einer anderen "Ofenbaustelle", da wird in den letzten Kriegswochen um jeden Sack Zement und jede Fuhre Sand gefeilscht...


@Kenny:
Die Altreifen waren schon 2000 dort gelagert...

Wie es momentan aussieht, dürfte das Gebäude bestehen bleiben. Es liegt ja am östlichen Ende des Geländes und der Fels scheint dort stabil zu sein. Was in weiterer Zukunft damit geschieht, kann ich nicht sagen, die Gemeinde Spitz plant ja nach Abschluss der Dammbauarbeiten einen "Sicherungsabbau" der losen, instabilen Gesteinsmassen.

Das Reststück des Anschlussgleises liegt im ebenfalls stabilen Westbereich, dort ist kein Dammbau erforderlich, Zukunft wie bei den Gebäuderesten dadurch offen...

lg
josef
 

otto

Reiseleiter
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#9
@josef:
Danke für den tollen Bildbericht :superOK
Eine Bitte hätte ich mal. Könntest Du einen groben Grundriss der Gebäude einschließlich Verkehrsanbindung 'aufmalen'.
Ich würde das gern, Dein Einverständniss vorausgesetzt, fürs Wiki haben wollen.

Gruß & schönes Wo-E.
Gerd
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
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#11
Gibt´s eigentlich irgendwo ein Bild vom Funktionsschema solch einer Ofen-Anlage? (Im "Wüste"-Buch war sowas m. M. nicht drin)

Diese "richtigen Rundbögen" sehen ja aus wie für Rohrleitungsdurchführungen gemacht.
Wenn dem so sein sollte, waren das ganz schöne Kaliber... :huch
 

josef

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#12
@SuR:
Gibt´s eigentlich irgendwo ein Bild vom Funktionsschema solch einer Ofen-Anlage? (Im "Wüste"-Buch war sowas m. M. nicht drin)
Außer das dabei äußerst einfaches, primitives Equipment verwendet wurde, sind mir keine genaueren Angaben bekannt... Angeblich wurden wesentliche Teile der Anlagen wie Kessel, Rohrleitungen, Pumpen usw. durch Demontagen in Bierbrauereien, Chem. Fabriken und sonst. Industriewerken gewonnen!

Diese "richtigen Rundbögen" sehen ja aus wie für Rohrleitungsdurchführungen gemacht. Wenn dem so sein sollte, waren das ganz schöne Kaliber...
Nach Sichtung einer Lageplanskizze befanden sich im Bereich des Gebäudes (Kesselhaus?) vor der heute dort noch vorhandenen „Ostmauer“ mit den „Rundbögen“ 3 liegende Kessel! Von diesen führten jeweils ein Rohr (=> Rauchabzug?) zu einem in der Mitte angeordneten Bauwerk (=> Kamin?). Da die Rohrverbindung der beiden äußeren Kessel jeweils schräg nach innen, in die Mitte, führte und die Durchlässe keine derartige Schrägstellung aufweisen, nehme ich an, dass die Kesselenden durch die Mauer ins freie ragten. Ein Gebäude um die Kesselanlage (=> noch bestehende Außenwände) ist in besagter Skizze nicht eingezeichnet.

Nachstehend eine Skizze mit der möglichen Situierung der 3 Kessel lt. Lageplan im Bereich der noch vorhandenen Aussenmauer:
 

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otto

Reiseleiter
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#14
Passend zum Thema.

Mit der freundlichen Unterstützung von Josef habe ich einige Teile im Wiki zum Thema Ofenanlagen aktualisiert und einige ältere Bilder OnLine gestellt.

Wiki-Unterirdisch: Projekt Ofen

An dieser Stelle nochmal der besondere Dank an Josef für die unkomplizierte Bereitstellung der Bilder.

Gruß
Gerd
 
#15
@ Otto

Nachtrag zu den Anlagen Ofen.

Die Anlagen: Ofen 1/2, Ofen 3/4 und Ofen 39/40 waren meines Wissens nach vorgesehen zur Weiterverarbeitung in Dachs1

Grüße
Matthias
 
#16
Mal was dazu am Rande an die Österreichischen Kollegen:

In einem anderen Forum hat jemand noch ein paar Exemplare vom Wichert vorrätig, falls bei euch noch Bedarf besteht.
glaube er möchte so um die 20€ pro Stk. haben...
 
#17
Ich wusste doch, das ich dazu noch was habe... :D

Aus einem USSBS Oil Report:

Strategic Air Attack on the German oil Industry hat geschrieben:
Two fractionators and a flash drum of a cracking plant at Leggendorf. The installation was protected by a cliff along the Danube. This was one of two relatively modern units built to produce gasoline, diesel oil, and fuel oils from tar.
Leider habe ich die Nummer des Reports nicht mehr, vielleicht kann Otto helfen?
 

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otto

Reiseleiter
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#18
Michael aus G hat geschrieben:
...
Leider habe ich die Nummer des Reports nicht mehr, vielleicht kann Otto helfen?
Moin Micha,

das ist alles nicht so einfach wie mit der CIOS-163 beispielsweise.
So paar Sachen konnte ich ja ausbuddeln; aber eben nur Teile.
Als Beispiel:
Ofenanlage 9 & 10 - da kam mir auch der Zufall in Magdeburg zu Hilfe.
Und, es war in diesem Falle nur eine offene Rechnung die irgendwer nicht bezahlt hatte. Die stand dann in einer offenen Postenliste in 07/45 - da allerdings, oder Gott sei Dank, mit der vollständigen Bezeichnung der Lokalität.

:fragend Wo darf man denn Dein S/W-Bild zuordnen :fragend

Gruß
Gerd
 

josef

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#19
Frage von @Otto:
Wo darf man denn Dein S/W-Bild zuordnen ?
Zitat von Strategic Air Attack on the German oil Industry:
Two fractionators and a flash drum of a cracking plant at Leggendorf. The installation was protected by a cliff along the Danube. This was one of two relatively modern units built to produce gasoline, diesel oil, and fuel oils from tar.
Meine Meinung: Deggendorf-Bayern

Dazu ein Bericht aus "Passauer Neue Presse":
http://www.pnp.de/nachrichten/spezi...d=29-8283214&Ressort=test&Map=krieg-deg&BNR=0

Raffinerie wurde nie fertig gebaut
Deggendorf (tob). Heute zeugen noch die zwei Stolleneingänge (Bild) am Deggenauer Berg davon, dass dort mitten im Zweiten Weltkrieg der Bau einer Ölraffinerie geplant war.
Die Luftangriffe am 20. April 1945 trafen die Deggenau besonders hart (DZ berichtete). Die dabei zerstörten Sirius-Werke und die Wallner-Anlagen hätten eigentlich noch mit einer Ölraffinerie am Ortsausgang ergänzt werden sollen. Daran wurde sogar schon gebaut: Bereits 1943 hatte dort die Süddeutsche Bau GmbH mit den Arbeiten an der Anlage begonnen. Beteiligt an diesem Projekt war damals auch die Organisation Todt.
Anton Lipp aus der Deggenau erinnert sich: „Das Kernstück der Anlage sollte in den Berg hineingebaut werden. Dazu wurde der heute noch existierende Stollen in Hufeisenform in den Berg getrieben, als Probestollen sozusagen.“ Allerdings war aufgrund der Beschaffenheit des Felsens das Geplante nicht möglich.
Ursprüngliches Ziel der Nationalsozialisten war, das Öl aus dem Balkan komplett zu erschließen. Dabei sollte es in der geplanten Fabrik, günstig gelegen an der Donau als Transportweg, raffiniert werden. „Als Kinder konnten wir auf dem Gelände nach Herzenslust herumlaufen und toben, das hat niemanden gestört“, erzählt Anton Lipp. Für Erwachsene sei es natürlich nicht möglich gewesen, in den Bereich der Baustelle zu gelangen.
Die Bauartikel für die Fabrik kamen, einem Zeitzeugenbericht aus den Deggendorfer Geschichtsblättern zufolge, aus Belgien. Von dort aus sollte quasi eine komplette Raffinerie nach Deggendorf verlagert werden. „Die Abzapfanlagen waren bereits ziemlich fertig“, erzählt Anton Lipp, „auch die beiden Raffinadetürme, so hoch wie der Steinbruch, standen bereits und wurden erst später gesprengt.“ Die Verankerungen der Türme an den Felsen müsste man eigentlich heute noch sehen, meint Lipp.
Am 20. April begannen die Alliierten mit ihrem Bombardement. „Auf die Fabrikanlagen wurde bei den Luftangriffen nicht gezielt“, erzählt Anton Lipp. Denn die Alliierten hätten schließlich genau gewusst, dass sie damit ihre eigenen Leute treffen würden, die als Gefangene dort arbeiten mussten.
Dennoch ist die Raffinerie ist jedoch nie fertig geworden. Der Stollen diente kurz vor Kriegsende noch auch als Unterstand für die Arbeiter, erinnert sich Wirt Georg Glashauser. Denn aus dem Felsen wurden Brocken herausgesprengt, um Panzersperren zu errichten. Diese nutzten in den letzten Kriegstagen jedoch nicht mehr viel.


lg
josef
 
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