Stollenanlage in Wien19 Heiligenstädterstrasse

B

bunkertommy

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#1
Hallo Zusammen!
Auf Hinweise eines gleichgesinnten Arbeitskollegen fuhr ich heute auf die Heiligenstädterstrasse Ecke Rampengasse,beim Döblingersteg.Das kaum unübersehbare Gebäude ist an einen kleinen Berg angebaut,auf dem sich in weiterer Folge der Wertheimsteinpark befindet.Ein Waffengeschäft samt Schiessstand hat sich dort einquartiert und der Kundenparkplatz befindet sich in einem riesigen Stollen.Es gibt auch mehrere Türen und Abzweigungen.Wenn man sich das Gebäude genau ansieht,hat man das Gefühl,die Zeit ist dort stehengeblieben.
Bei meinen Nachforschungen konnte ich leider nicht viel finden.Von Brauerei,über ein unterirdisches Bachbett des Krottenbaches bis hin zu einer Molkereifabrik reichen die Hinweise.Meine Frage an Euch!Weiss jemand über die Nutzung dieses Bauwerkes im zweiten Weltkrieg bescheid?Könnten dort die Gräf&Stift-Werke gewesen sein?Platz wäre ja genug vorhanden.Das der "Parkplatz-Stollen" nicht alles sein kann ist wegen der zahlreichen Türen und Abzweigungen denkbar und einen Schiessstand gibt es ja auch noch irgendwo.Weiss jemand mehr darüber,wie gross diese Stollen wirklich sind?Der Berg mit dem Park ist gross genug,um mehrere Stollen bzw. Fabrikshallen darin zu verbergen.Bitte um Eure Hilfe!
Mfg.Thomas
 

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#2
Erweiterung

Erstmal Hallo zusammen,
ich war bis jetzt nur sehr interessierter, passiver Leser, aber jetzt kann ich vielleicht etwas beitragen, also melde ich mich auch mal zu Wort.

Es hat zwar nicht unmittelbar mit der Lösung zu tun, aber vielleicht erweitert es ja das Rätsel : es gibt in der Umgebung 2 weitere Eingänge: einer davon ist an der nördlichen Grenze des Wertheimsteinparks, fast an den Schienen und der andere ist etwa 2 km westlich davon im Norden des Hugo Wolfsparks, fast direkt an der Krottenbachstrasse. In diesem Fall sind es sogar 2 (glaube ich, da schon lange nicht mehr dort gewesen) gemauerte Eingänge, die aus dem Hang herauswachsen.

Leider bin ich zur Zeit in Innsbruck, sonst würde ich auch Photos mitliefern.

Ob sie jetzt mit dem ursprünglichen System etwas zu tun haben, ist natürlich fraglich, aber zumindest ist die Gegend da doch auch löchrig....und wer weiss..
Jedenfalls habe ich in den Anhängen eingezeichnet, wo die Eingänge etwa liegen.

Einstweilen schöne Grüße aus Tirol.

Bernhard
 

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josef

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#3
@Bernhard, ein herzliches Willkommen als aktiver Forum-Nutzer!

@Tommy u. @Berhard:

In der Eile fällt mir dazu noch die Sektkellerei "Schlumberger" ein. Diese liegt zwar etwas stadteinwärts in der Heiligenstädterstraße 43, doch soll es dort kilometerlange Kellergänge geben...vielleicht gibt es da Verbindungen ?

Die nächstgelegene Brauerei befand sich in Oberdöbling, Hardtgasse 16-30, ist fast schon zu weit entfernt...

Der Krottenbach ist im Bereich des Wertheimsteinparks (und noch weiter) eingewölbt, dürfte aber auch nichts mit dem angesprochenen Kellergängen zu tun haben...

Werde weitersuchen:)

lg
josef
 
W

WiniVision

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#5
Hi Leute!

Laut meinen Bekannten gibt es bei der Radlmayergasse ebenfalls unterirdische Gänge, teilweise mit Fliesen ausgelegt oder mit Ziegeln, etliche Zisternen, alles in einem super Zustand, trocken warm, usw.... Er war mit einem Hausmeister des darüber befindlichen Wohnblockes drinnen, sind stundenlang durch die Gänge gewandert. Leider ist das schon eine Ewigkeit( mind.15 Jahre) her und er hat keinen Kontakt mehr zu den Herrn
 

josef

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#6
gibt es bei der Radlmayergasse ebenfalls unterirdische Gänge
Ja, dort war an der Ecke Döblinger Hauptstraße (Nr. 54)/Radelmayergasse die ehemalige "Herrenhaus-Kellerei" mit ebenfalls riesigen Kellergewölben...

Lt. Literatur haben die Gänge der "Schlumberger" Anlagen eine Fläche von zumindest 21.000 m² bis 26.000 m²...

Ebenfalls ein Stück weiter entfernt von den beschriebenen Gewölben gibt es in der Billrothstraße 51 eine große Kelleranlage der Fa. Kattus...

Zu den Anlagen direkt unter dem Wertheimsteinpark fand ich noch nichts.

lg
josef
 
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#11
Ich war mal in den Kellereien der Fa. Kattus, dort finden ja auch Veranstaltungen statt. Vom Aufbau (Gänge im 90Grad-Winkel) erinnern sich mich stark an den Cembran-Keller bzw. den Kapuzinerkeller in Linz.
 
H

hugo12

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#12
Ich schließe Durch die Bauweise der E - Installation das die Anlage vor dem 2 WK gebaut wurde. Damals war es üblich die Einzelleitungen auf Isolatoren an der Gewölbedecke zuverlegen. Deswegen wurden Eisenhalterungen mit Isolatoren in das Gewölbe einzementiert. Bei Mauerdurchbrüchen wurden die Leitungen dann durch Rechtwinklige Öffnungen durchgeführt. Kabel wurde nur dann verwendet wenn ein Schalter oder Steckdose vorgesehen war. Das wurde dann mit Abstandsschellen montiert.
 
#13
Ich schließe Durch die Bauweise der E - Installation das die Anlage vor dem 2 WK gebaut wurde. Damals war es üblich die Einzelleitungen auf Isolatoren an der Gewölbedecke zuverlegen. Deswegen wurden Eisenhalterungen mit Isolatoren in das Gewölbe einzementiert. Bei Mauerdurchbrüchen wurden die Leitungen dann durch Rechtwinklige Öffnungen durchgeführt. Kabel wurde nur dann verwendet wenn ein Schalter oder Steckdose vorgesehen war. Das wurde dann mit Abstandsschellen montiert.
Hallo!

Hier ein Bild aus einer anderen Stollenanlage, die nachweislich im 2 WK gebaut wurde. Die Bauweise der el. Installationen ist hier ähnlich.

Lg
 

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josef

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#14
Teile der Kellerröhren stammen angeblich bereits aus der Zeit der Türkenbelagerung und Maria Theresias! Diese wurden immer wieder erweitert, z.B wurden 1864 die ersten "Zementfassanlagen" (=> Zisteren) eingebaut... (=> googeln "Kellereien/Kelleranlagen Döbling...).

Alleine die arbeitsintensive Ausführung als "Ziegelgewölbe" deuten auf die Errichtung vor 1938 hin! => Vergleich von @karli1140
Vom Aufbau (Gänge im 90Grad-Winkel) erinnern sich mich stark an den Cembran-Keller bzw. den Kapuzinerkeller in Linz.
In der Kriegszeit wurden solche Bauten in Beton mit rasch zu erstellenden Bretterschalungen hergestellt! => wie am Foto von @baeuma ersichtlich!

Dazu kurze Auszüge aus der Literatur - Alexander Glück "Unterirdische Perspektiven" , Studienverlag 2007, ISBN 978-3-7065-4327-9, Seite 152 ff.:
An der Heiligenstädterstraße, auf den Weg zu Wiens Weinorten, trifft man linker Hand auf die Sektkellerei Schlumberger...Das unglaubliche Netz aus Kellerröhren, Verbindungsgängen und Lagerräumen durchzieht den Untergrund bis hin zur Döblinger Hauptstraße...Genau in diesem Gebiet - zwischen Hernals, Grinzing und Heiligenstadt - waren 1683 große Teile des türkischen Heerlagers aufgestellt... wo heute die Sektkellerei Schlumberger steht, war folglich der Rückzugsraum der Türken. Dennoch läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen, ob ein Teil der alten Kelleranlagen im Rahmen der Kriegshandlungen angelegt wurde. Hier hatten ursprünglich kleine und mittlere Winzer ihre Keller, die im Laufe der Zeit zusammengelegt wurden und das weiträumige Kellernetz entstehen ließen. Es kann davon ausgegangen werden, daß hier in Heiligenstadt in diesem oder jenen Kellergang Pulver und Proviant gelagert wurde...
Während des Zweiten Weltkrieges galt das unterirdische System als gefragter Luftschutzbereich
...
Zur Ausgestaltung als LS-Anlagen wurden sicher (wie bei den angesprochenen Linzer Anlagen) diverse Ergänzungsbauten durchgeführt => Betonabstützungen-, Verstärkungen, Umbauten in den Eingangsbereichen usw.! Ebenso die LS-gerechte, mit anderen LS-Bauten idente Elektroinstallation...

Zu klären ist noch, wie weit unterirdische Verlagerungen von Rüstungsbetrieben dort untergebracht waren...

lg
josef
 
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G

Gerald68

Guest
#15
Hallo

Reste des Krottenbaches, ein Bachkanal wurde in den Jahren 1893 bis 1930 vom Donaukanal bis Salmannsdorf auf eine Länge von rund 6 Kilometer eingewölbt. Er entwässert, einschließlich des Arbesbaches, ein Niederschlagsgebiet von rund 1.100 Hektar. Seine Trasse verläuft heute 15 Meter tief. Der letzte Rest des Krottenbaches ist noch als kleiner Teich im Wertheimsteinpark zu sehen.

Lg Gerald
 

josef

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#18
tippfehler, es war sicherlich 1683 gemeint
@ak71: Natürlich, :danke für den Hinweis! "Freud'scher vertippsler"... kommt davon, wenn man mit den Gedanken schon wieder ganz wo anders ist und sich keine Zeit mehr zum...

Habe es schon korrigiert:)

lg
josef
 

josef

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#19
@bunkertommy: Endlich habe ich auch etwas zum unterirdischen Schießstand in der Heiligenstädterstraße 67 gefunden:

Lt. Berndt Anwander "Unterirdisches Wien", ISBN 3-85439-258-3, Seite 309:
In unmittelbarer Nachbarschaft zur Sektkellerei Schlumberger ist, ebenfalls in einem ehemaligen Weinkeller an der Heiligenstädterstraße, der Schießstand der Büchsenmacherwerkstätte xxx untergebracht. Die Kellerröhre unter dem Wertheimstein-Park ist, durch ihre Lage und ein "Raum im Raum"-System, d.h., Boden, Wände und Decke sind abgehängt und zusätzlich isoliert, praktisch doppelt lärmgedämmt...
Vorher gibt es auch ein Kapitel über den Schlumberger-Keller mit Hinweisen zur Nutzung als LS-Anlagen aller Kelleranlagen dort im Bereich, aber nichts über Rüstungsverlagerungen...

lg
josef
 
B

bunkertommy

Guest
#20
An Alle!
Ich danke Euch für die zahlreichen Bilder und Hinweise!Ist schon faszinierend,was es in Wien alles gibt.Schade,das solche Anlagen einfach abgemauert und verdrängt werden.
Mfg.Thomas
 
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